Das Bäckerhandwerk freut sich über gestiegene Azubi-Zahlen – vor allem im Fachverkauf. Für das aktuelle Ausbildungsjahr konnten deutlich mehr Neuverträge geschlossen werden. Dennoch ist die Branche weiter auf Nachwuchssuche. Das sind die Gründe für die positive Entwicklung – und so will die Branche sie verstetigen.

Die Zahl der Azubis im Bäckerhandwerk wächst wieder. Bis Ende September 2024 starteten 6.381 junge Menschen ihre Ausbildung als Bäckerin oder Bäcker und im Fachverkauf. Das sind 1.008 Lehrlinge mehr als noch ein Jahr zuvor. Damit trotzt die Branche dem bundesweiten Trend, der ein Minus von 0,5 Prozent bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen aufweist. Gleichzeitig zeigen die Zahlen der einzelnen Ausbildungssparten jeweils ein deutliches Plus und nicht nur einen abstrakten Trend.
So liegt die Zahl der Neuverträge bei den Bäckerinnen und Bäckern mit 1.995 Verträgen bei einem Plus von 11,4 Prozent. Bei den Fachverkäuferinnen und Fachverkäufern im Bäckerhandwerk sind es sogar 4.386 Neuverträge und damit ein Plus von 22,5 Prozent. Wie die Statistik des Bundesinstituts für Berufsbildung zeigt, erfreuen sich die Berufe im Fachverkauf des Lebensmittelhandwerks derzeit einer besonders großen Beliebtheit. Sie erreichten dort den dritten Platz der höchsten prozentualen Zunahme.
Steigende Azubi-Zahlen durch Öffentlichkeitsarbeit und Jugendliche aus Drittstaaten
Als Gründe für die positive Entwicklung der Ausbildungszahlen nennt der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks einerseits die gute und umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit, die die Verbände der Branche seit Jahren leisten und damit den potenziellen Nachwuchs ansprechen. Andererseits konnte die Branche nach eigenen Angaben die Chancen nutzen, die das Fachkräfteeinwanderungsgesetz bietet und damit vorhandenes Nachwuchspotenzial mobilisieren.
Zu nennen seien hierbei sowohl die Rekrutierung von Auszubildenden aus dem Ausland, Kooperationen mit der Bundesagentur für Arbeit und der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit und auch regionale Kooperationen sowie die große Offenheit der Betriebe, freie Ausbildungsplätze erfolgreich mit motivierten jungen Menschen aus Drittstaaten zu besetzen. "Wir sehen uns in diesem Engagement bestätigt und werden diesen Weg weiter gehen", erklärt Zentralverbandspräsident Roland Ermer angesichts der neuen Azubi-Zahlen.
Zentralverband fordert mehr bezahlbaren Wohnraum für Azubis
Doch er hat auch mahnende Worte bereit, wenn er in die Zukunft blickt. Mit dem allgegenwärtigen Fachkräfte- und Nachwuchsmangel hat auch das Bäckerhandwerk trotz der positiven Entwicklung bei den Azubis weiterhin zu kämpfen und es gebe viele freie Lehrstellen. "In den vergangenen Jahren wurden viele Fehler in der Bildungs-, Wohnungs- und Familienpolitik gemacht, die nun dringend behoben werden müssen", so Ermer.
Als Aufgabe für die neue Bundesregierung sieht er ein klares Bekenntnis zur Gleichstellung von beruflicher und akademischer Bildung und eine konsequente Berufsorientierung in Schulen, um die Bandbreite an Ausbildungsberufen und deren Karrierechancen stärker bekannt zu machen. Darüber hinaus kritisiert der Zentralverband den Mangel an bezahlbarem Wohnraum für junge Auszubildende, der in den vergangenen Jahren wiederholt dazu geführt hat, dass Ausbildungsverhältnisse im Bäckerhandwerk nicht zustande kamen oder gescheitert sind. jtw
>>> Die berufliche Bildung ist ein zentrales Thema der Wahlforderungen, die der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks kürzlich veröffentlicht hatte.