Obwohl die Förderung eines Heizungstausches derzeit recht hoch ist, halten sich die Kunden bei der Investition in klimafreundliche Technik zurück. Die lahmende Konjunktur und widersprüchliche Aussagen der Politik führen zu Verunsicherung.
Ertragslage, Geschäftsklimaindex (GKI), Auftragsbestand – alles im Minus. Für den Fachverband SHK Bayern sind die Kennzahlen im Herbst 2024 nicht ermutigend. Der GKI lag mit 33,8 Punkten um 7,3 Punkte niedriger als im Herbst vergangenen Jahres, wie die Landesinnung. So richtig schlecht gehe es den Betrieben im SHK-Handwerk nicht, betont Wolfgang Schwarz, Hauptgeschäftsführer des Fachverbandes. Doch der Auftragsbestand sinkt und die Aussichten hätten sich eingetrübt. Die Aufträge waren mit einem Bestand von 13 Wochen um vier Wochen geringer ausgefallen als im Jahr 2023. Betroffen vom Auftragsschwund ist auch der Heizungsbau, obwohl die Förderung für einen Heizungstausch im Moment recht hoch ist.
Nebelkerzen im Wahlkampf
"Das liegt einfach daran, dass die Leute nach wie vor verunsichert sind", sagt Wolfgang Schwarz. Es gebe zwei entscheidende Gründe, warum der Austausch von Heizungen derzeit nicht wirklich in die Gänge komme. Schuld sei in diesem Fall nicht einmal das Gebäudeenergiegesetz selbst. Damit sei der Fachverband nach Einführung diverser Ausnahmeregelungen zufrieden. Mit dem GEG könnten die Betriebe in seiner jetzigen Form gut leben. Verunsicherung schaffe eher die Opposition mit ihren Nebelkerzen, sie werde, wenn sie an der Regierung sei, das ganze Gesetz wieder abschaffen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte im Interview mit dem "Münchener Merkur" zuletzt nochmal betont, das Heizungsgesetz zurücknehmen zu wollen.
Der zweite Grund liege in der Förderung selbst, so Schwarz. Der Wirtschaftsminister hatte zwar ab Februar 2024 die Förderung angekündigt, mit einer Auszahlung konnte zu dem Zeitpunkt aber erst im Oktober gerechnet werden. Potenzielle Kunden hätten lieber darauf verzichtet, um womöglich nicht – wie bei den Elektroautos – die Förderung noch nach einer Genehmigung gestrichen zu bekommen. Zudem sei die Förderung nicht ganz so üppig, wie immer berichtet werde. 70 Prozent bekämen Antragsteller nur, wenn sie wirklich wenig Geld verdienen. Das betreffe Leute, die von vornherein einen Heizungstausch nicht in Erwägung zögen.
Kunden scheuen große Investitionen
Einen dritten Grund sieht Schwarz in der gesamtkonjunkturellen Lage. Die lahmende Wirtschaft, schlechte Nachrichten insgesamt und die drohende Gefahr, womöglich den Arbeitsplatz zu verlieren, lasse die Menschen vor hohen Investitionen zurückschrecken.
Der Gesamtmarkt an Wärmeerzeugern war nach Erhebungen des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) mit einem Minus von 48 Prozent im dritten Quartal 2024 deutlich rückläufig. Das galt für alle Wärmearten, angeführt vom Öl-Niedertemperaturkessel mit minus 80 Prozent. Dahinter folgen Biomasseheizungen wie Pellet und Hackschnitzel mit minus 61 Prozent und Heizungs-Wärmepumpen mit minus 52 Prozent. Während im vergangenen Jahr 356.000 Wärmepumpen verkauft werden konnten, waren es von Januar bis September dieses Jahres 141.500.
Generell sieht auch der BDH die rückläufige Absatzentwicklung als Folge der Verunsicherung der Verbraucher. Die Regelungen des novellierten GEG und die öffentliche Debatte hätten zu erheblichen Irritationen geführt. Die komplexen Regelungen würden von vielen Verbrauchern als Zwang empfunden. Der BDH benennt aber noch eine weitere Ursache. Die mit dem GEG verknüpfte kommunale Wärmeplanung führe dazu, dass die Menschen die Heizungsmodernisierung aufschieben und auf Angebote ihrer Kommune warteten. So oder so führten die Rahmenbedingungen nicht zu beschleunigter Heizungsmodernisierung. Die Ziele des Wärmemarktes für das Jahr 2030 drohten verfehlt zu werden.
Bedingungen wieder etwas lockern
Um den Wärmemarkt wieder in Gang zu setzen, erwartet Schwarz von einer neuen Regierung eine klare Sprache. Das Heizungsgesetz (GEG) abzuschaffen, sei sowieso nicht möglich, da es auf europäischem Recht fuße. Allenfalls ließen sich die von Habeck eingeführten Paragrafen, etwa Paragraf 71, der zum Beispiel die 65-Prozent-Marke beinhalte, aufweichen. Diese Bedingungen könne die Politik eventuell etwas lockern.
Helmut Bramann, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima, hatte ebenfalls gefordert, den Paragrafen 71 zu optimieren. Bramann sprach sich für "echte Technologieoffenheit, Auflösung der nicht nachvollziehbaren Verquickung mit (...) Vorgaben zur kommunalen Wärmeplanung und insgesamt einer Entschlackung der unübersichtlichen Detailvorgaben" aus. Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, warnt ebenfalls vor radikalen Schritten beim Heizungsgesetz. Diese würden nur neue Verunsicherung auslösen. Im Gespräch mit der "Augsburger Allgemeinen" forderte er stattdessen klare Signale von der Politik, Verbindlichkeit und Kontinuität. Beides sei wichtig, um den anhaltenden Attentismus bei Investitionen in klimafreundliche Gebäudetechnik endlich aufzulösen.
Einsparungen statt Anschaffungen fördern
Eine Änderung des Paragrafen werde jedoch nicht dazu führen, dass der Markt wieder anspringt, sagt Schwarz. Sinnvoll sei tatsächlich eine Änderung der Förderungspolitik. Schwarz schlägt vor, nicht die Anschaffung eines Wärmeerzeugers zu fördern, sondern die Zuschüsse an den eingesparten CO₂-Ausstoß zu koppeln. Gefördert werde dann jedes Kilogramm CO₂, das nicht mehr emittiert werde – unabhängig von der Heizungsart. Das wäre technologieoffen – und wer am meisten spart, werde am meisten gefördert.
