In einer Bonusfolge "Motivation Handwerk verstehen" ziehen Ralf Moeller und Jörg Dittrich Bilanz. Ein Gespräch über erfreuliche Entwicklungen in Deutschland, einen überraschenden Trend aus den USA und die Baustellen, an denen Politik, Handwerksorganisationen und Betriebsinhaber hierzulande noch arbeiten müssen.

Ein halbes Jahr nach ihrem ersten Podcast-Gespräch ziehen Schauspieler Ralf Moeller ("Gladiator") und Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, in einer Bonusfolge Bilanz. Was kann das Handwerk bei der Suche nach Nachwuchs besser machen? Was hat sich seit der letzten Aufzeichnung getan? Und welche Maßnahmen sind jetzt nötig, um die Trendwende zu schaffen?
Zuvor hatte sich Moeller für die Deutsche Handwerks Zeitung und das Handwerker Radio auf die Suche nach Lösungsansätzen zum Nachwuchsmangel gemacht. Im Gespräch mit Handwerkerinnen und Handwerkern tauchte er ein in Themen wie Bezahlung, Frauen im Handwerk und die Werte der jungen Generation. Parallel besuchte er im Rahmen der Initiative "Motivation Handwerk" Handwerksbetriebe in ganz Deutschland und machte als Markenbotschafter des Berufsbekleidungs-Herstellers Schäfer Workwear auf die Karrierechancen im Handwerk aufmerksam. Ein Engagement, für das er kürzlich mit dem Ehrenpreis "Innovator des Jahres 2024" ausgezeichnet wurde.
Technologischer Fortschritt: Das moderne Gesicht des Handwerks
Moeller berichtet, dass er bei Jugendlichen vielfach den Wunsch registriert, einen Beruf zu ergreifen, der sie raus an die frische Luft bringt und bei dem sie sich auch mal körperlich austoben können. Dittrich stimme es "positiv nachdenklich", dass in den USA immer mehr junge Menschen eine handwerkliche Ausbildung dem Studium am College vorziehen. Gleichzeitig betont er, dass sich die Berufe durch den technologischen Fortschritt deutlich weiterentwickelt haben. Einen Auszubildenden finde man heute weniger an der Schubkarre – die Arbeit sei vielfältiger geworden. "Handwerker sind heute in die technologische Welt eingebunden, programmieren Heizungen, stellen Hörgeräte ein und sind dennoch ganz nah an der Basis. Mit ihrer Arbeit machen sie Menschen glücklich", so Dittrich. Er habe den Eindruck, dass den Menschen immer mehr bewusst wird, welchen hohen Stellenwert das Handwerk in der Gesellschaft hat und welchen zusätzlichen Wert es in Zukunft noch gewinnen wird. Diesen Erfolg schreibt er auch den Handwerksorganisationen zu, die diese Botschaften unermüdlich verbreiten.
Politische Hürden und fehlende Gleichstellung
Dittrich bedauert, dass durch das Aus der Ampel-Regierung wichtige Vorhaben ausgebremst wurden. Als Beispiel führt Dittrich die Gleichstellung beruflicher und akademischer Bildung an. "Berufsbildungszentren brauchen genauso finanzielle Unterstützung wie die Universitäten. All das liegt jetzt auf Eis", sagt Dittrich. Auch das Passungsproblem nennt er als wesentliches Problem dafür, warum auch in diesem Jahr rund 19.000 Lehrstellen unbesetzt blieben. Damit ist unter anderem gemeint, dass der Standort des ausbildenden Betriebs und der Wohnort des ausbildungsinteressierten Jugendlichen zu weit auseinanderliegen. Dittrich bemängelt, dass Auszubildende nicht die gleichen Wohnmöglichkeiten haben wie Studierende. "Das können wir nicht alles den Betrieben aufhalsen, da muss staatlicherseits unterstützt werden." Die Politik sieht Dittrich auch gefordert, wenn es darum geht, dass Jugendliche überhaupt erst von den Karrieremöglichkeiten im Handwerk erfahren. Den verpflichtenden Tag des Handwerks an allen allgemeinbildenden Schulen in Bayern nennt Dittrich als ein positives Beispiel, wie dieses Problem seitens der Politik angegangen werden kann.
Ein positiver Blick in die Zukunft
Moeller zieht ein optimistisches Fazit aus seinen Gesprächen im Rahmen der Podcast-Reihe. Seine Gäste aus dem Handwerk seien nicht frustriert gewesen, sondern motiviert, das Fachkräfteproblem anzupacken. Die Gespräche mit zwei Handwerkerinnen haben ihm aber auch gezeigt, dass die Situation in manchen Handwerksbetrieben dem Image der Branche nicht zuträglich ist – und hier auch auf Seiten der Betriebsinhaber ein Umdenken stattfinden muss. Auf der anderen Seite, habe Moeller in den Gesprächen mit Jugendlichen und in den Podcasts erlebt, dass das Interesse oftmals da ist, die Eltern den Weg in eine handwerkliche Ausbildung aber versperren.
Dittrich hob hervor, wie wichtig es sei, dass Betriebsinhaber mit gutem Beispiel vorangehen und das Handwerk nicht schlechtreden. "Wir können nicht von Jugendlichen erwarten, das Handwerk positiv zu sehen, wenn wir selbst nur am Schimpfen sind", betonte er. Sein Fazit: Eine positive Ausstrahlung ist ansteckend – und genau das braucht das Handwerk jetzt.