Erst Stau, dann Parkplatzsuche: Mit dem Fahrrad sind Handwerker in den Metropolen oft schneller auf der Baustelle als mit dem Transporter. Dieser bleibt aber für viele Betriebe unverzichtbar.

An der bevorstehenden Mobilitätswende kommt das Handwerk nicht vorbei. Das Lastenrad kann dabei eine wichtige Rolle spielen. Allerdings sollte man es als Ergänzung zum Fuhrpark begreifen, betont Carsten Benke. "Der Transporter wird weiter gebraucht, in Zukunft vielleicht etwas kleiner und wahrscheinlich elektrifiziert, aber dennoch als der zentrale Bestandteil der handwerklichen Mobilität", betont der Verkehrsexperte des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH).
Benke rät daher, bei der künftigen Verkehrspolitik die vielfältigen Belange des Handwerks mitzudenken. "Keine Transporter mehr in die Stadt zu lassen, wäre fatal und würde der Verdrängung des Handwerks aus der Innenstadt weiteren Vorschub leisten." Dennoch könne das Lastenrad einen Teil der innenstädtischen Mobilität übernehmen. Rund zwei Prozent der Betriebe nutzen bereits Lastenräder, wie eine ZDH-Umfrage zur Mobilität im Handwerk ergab. Derzeit läuft noch die Auswertung der rund 7.000 Rückmeldungen. Detaillierte Ergebnisse der Studie will der ZDH um den Jahreswechsel veröffentlichen.
"Flottes Gewerbe" bietet Lastenradtests
Derweil versuchen die Verkehrsplaner in den Großstädten, lokale Gewerbetreibende zum Umstieg aufs Fahrrad zu bewegen. Gern nutzen sie dafür das Projekt "Flottes Gewerbe", für das die Agentur "cargobike.jetzt" Aktionstage mit Testparcours sowie mehrwöchige Lastenradtests organisiert. "Wir wollen die Möglichkeiten der Lastenräder im Wirtschaftsverkehr sichtbar machen", erklärt Projektleiterin Kirsten Havers. Seit dem Start der fünfwöchigen Testläufe im Jahr 2022 haben sich zwölf Kommunen an dem Projekt beteiligt und mehr als 250 Unternehmer für einen Test beworben. Einer von ihnen ist Kersten Droß.
Steinmetz fährt ausschließlich Lastenrad
Der Inhaber des Meisterbetriebs Steinmetz-Schüssler in Frankfurt am Main musste allerdings nicht erst von den Vorzügen eines Lastenrads überzeugt werden. Droß vertraut auf dem Weg zur Baustelle schon länger auf das Fahrrad. "Wenn ich mit dem Auto von meinem Firmensitz in die Innenstadt fahre, brauche ich dafür rund 45 Minuten. Mit dem Lastenrad schaffe ich das in der Hälfte der Zeit", sagt der Steinmetzmeister.

Aktuell benutzt er ein Lastenrad, bei dem sich vor dem Lenker eine Transportbox befindet. Seit Juli 2023 hat Droß rund 6.000 km mit dem Pedelec zurückgelegt und dabei auch Grabsteinumrandungen transportiert. "Wenn ich beim Baustoffhändler zehn Sack Mörtel auflade, kommen die Leute schon mal ins Staunen", sagt Droß, der im kommenden Jahr ein weiteres Lastenrad anschaffen möchte.
Während der Fachmesse Eurobike im Sommer nutzte er die Gelegenheit, über das Projekt "Flottes Gewerbe" ein dreirädriges Lastenrad zu testen. "Es bietet 250 kg Zuladung und auf die Ladefläche passt eine Europalette. Genau das, was ich suche", sagt Droß. Doch nach rund 400 km im Betriebsalltag war er noch nicht restlos überzeugt. Ehe er eine Kaufentscheidung trifft, möchte der Restaurator noch ein Lastenrad mit mehr Bodenfreiheit testen.
Testen und Mitarbeiter mitnehmen
Das Beispiel zeig. Der Umstieg auf ein Lastenrad will gut überlegt sein. "Standardisierte Lösungen gibt es nicht. Ein Heizungskessel lässt sich schwerlich auf einem Lastenrad transportieren, anders sieht das bei Wartungen und Kleinreparaturen aus", betont Verkehrsexperte Carsten Benke. Er empfiehlt interessierten Unternehmern, Testangebote zu nutzen und vor allem bei den Mitarbeitern um Akzeptanz zu werben. Kirsten Havers rät, vor allem den Einsatzzweck genau zu definieren, bevor in ein Lastenrad investiert wird. Nach den bisherigen Erfahrungen aus dem Projekt "Flottes Gewerbe" weiß sie, dass sich von den Teilnehmern der Jahre 2022/23 rund 20 Prozent ein Lastenrad angeschafft haben, weitere 20 Prozent planen das.