Experten für Energieeffizienz immer gefragter Mit 70 vom Firmengründer zum Schüler

"Der Bedarf ist riesig", sagt Heizungs- und Lüftungsbaumeister Johann Meyr aus Pöttmes. Mit 70 Jahren wagt er einen Neustart als Energieberater. Als solcher ist er für die Umsetzung der Klimaziele essenziell.

Energieberatung
Wer bei der energetischen Sanierung eine Förderung in Anspruch nehmen möchte, muss ­einen anerkannten Energieberater hinzuziehen. - © dena/Photothek/Ute Grabowsky

Lebenslanges Lernen – Johann Meyr nimmt das wörtlich und hat mit 70 Jahren noch einmal die Schulbank gedrückt. Kürzlich schloss der Heizungs- und Lüftungsbaumeister am Energie- und Umweltzentrum Allgäu (eza) in Kempten seine Fortbildung zum Energieberater ab.

Statt sich in den Ruhestand zu verabschieden, wagt der Senior beruflich noch einmal einen Neustart. So wie vor knapp 35 Jahren, als Johann Meyr in Pöttmes bei Augsburg die Meyr Heizkessel GmbH gründete. Inzwischen führt Sohn Rainer die Firma, die mit gut 20 Mitarbeitern Heizungssysteme, Lüftungstechnik und Sanitärinstallationen realisiert. Derweil möchte sich der Gründer allmählich aus dem Alltagsgeschäft zurückziehen. "Aber ich will ja nicht nur Däumchen drehen, sondern auch in Zukunft noch etwas bewegen", sagt Meyr.

Großer Bedarf an Energieberatungen

Als selbstständiger Energieberater möchte er Eigen­­tümern von Immobilien helfen, bei der Sanierung ihrer Gebäude die richtigen Entscheidungen zu treffen. "Der Bedarf ist riesig", weiß Meyr.

Um das Ziel eines klimaneutralen Gebäudebestandes bis 2045 in Deutschland zu erreichen, bietet die Bundesregierung finanzielle Unterstützung über verschiedene Förderprogramme an. Diese Investitionsanreize sollen die Energieeffizienz und die Nutzung erneuerbarer Energien steigern, zum Beispiel durch den Austausch alter Heizungen und den Einsatz von Wärmepumpen.

Wer beim Bauen oder Sanieren die staatlichen Fördertöpfe anzapfen möchte, muss allerdings einen entsprechend qualifizierten Energieberater hinzuziehen. Die Berufsbezeichnung ist jedoch nicht geschützt. Um die Qualität der Beratung zu sichern, wurden im Jahr 2011 bundesweit einheitliche Kriterien für die Ausbildung der Energieberater festgelegt, koordiniert von der Deutschen Energie-­Agentur (dena). Sie führt auch die Energieeffizienz-Expertenliste, in die nur anerkannte Energieberater aufgenommen werden.

Heizungs- und Lüftungsbaumeister Johann Meyr
Heizungs- und Lüftungsbaumeister Johann Meyr. - © privat

Bundesweit 20.000 Energieeffizienz-Experten

Wenn man in der Suchmaske unter www.energie-effizienz-experten.de die Postleitzahl von Pöttmes eingibt, findet man an zweiter Stelle die Kontaktdaten von Johann Meyr und die Dienstleistungen, die er anbietet. Vier Einträge finden sich allein für die rund 7.400 Einwohner zählende Gemeinde im Landkreis Aichach-­Friedberg. Bundesweit stehen etwa 20.000 Energieberater in der Liste. Innerhalb eines Jahres ist ihre Zahl zuletzt um mehr als 5.000 gestiegen.

Für Johann Meyr war die Fortbildung zum Energieberater kein Zuckerschlecken. Acht Monate fuhr er jeweils Donnerstag bis Samstag nach Kempten, wo er am eza gemeinsam mit gut 20 Mitschülern den Unterrichtsstoff büffelte. Hinzu kamen Heimarbeiten. "Ich war nicht nur der mit Abstand Älteste unter den Teilnehmern, sondern wohl auch der Einzige mit Hauptschulabschluss", blickt der Handwerksmeister auf den Lehrgang zurück, bei dem er vor allem von Architekten und Ingenieuren umgeben war. Aber auch viele Handwerksmeister qualifizieren sich zum Energieberater weiter. Besonders verbreitet ist die Fortbildung bei Schornsteinfegern. Unter den rund 21.000 Beschäftigten in diesem Ge­­werk gibt es mehr als 11.000 Energieberater.

Der Eintrag in die Energieeffizienz-­Expertenliste der dena gilt zunächst für drei Jahre. Wer nicht gelöscht werden möchte, muss Praxisnachweise vorgelegen und Fortbildungen absolvieren. Das lebenslange Lernen geht immer weiter.