Der Wohnungsbau in Deutschland steht vor einer Krise: Die Zahl der Baugenehmigungen ist drastisch gesunken – allein im September 2024 wurden 23,1 Prozent weniger Wohnungen genehmigt als im Vorjahr. Das Baugewerbe warnt vor möglichem Förderstopp im Jahr 2025.

In Deutschland geht die Zahl der Baugenehmigungen weiter zurück. "Viele verschieben ihre Neubauprojekte, bis wieder mehr Sicherheit besteht", erklärte Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB). Zukunftsunsicherheit, hohe Zinsbelastungen, zu hohe und detaillierte Anforderung sowie fehlende Finanzierungsperspektiven belasteten die Bürger, sagte er angesichts der jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Danach wurde im September 2024 der Bau von 15.300 Wohnungen in neuen und bestehenden Gebäuden genehmigt. Das waren 4.600 Wohnungen oder 23,1 Prozent weniger als im September 2023.
Keine Trendwende in Sicht
Ingesamt wurden von Januar bis September 2024 rund 157.200 neue Wohnungen genehmigt. Das waren knapp 20 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum und 42 Prozent weniger als vor zwei Jahren. Nach den Worten Pakleppas wird sich der Trend auch nicht so schnell umkehren: "Keiner in der Branche glaubt, dass sich das bald ändert", betonte er. Dies gelte umso mehr, da das Ampel-Aus Unsicherheiten mit sich bringe, denn Deutschland stehe vor einer vorläufigen Haushaltsführung im kommenden Jahr.
Pakleppa warnt vor Förder-Stopp im nächsten Jahr
Und das hat Konsequenzen: "Somit kann der Staat bis zur Verabschiedung eines neuen Haushalts nicht nur keine neuen Aufträge für Straße und Schiene vergeben, auch die Fördertöpfe im Bereich Neubau drohen auszulaufen", warnte der ZDB-Hauptgeschäftsführer. "Würde im kommenden Jahr die Neubauförderung komplett wegfallen, wirft uns das im Wohnungsbau um weitere Jahre zurück", sagte Pakleppa. Dabei hatte die Ampel anfangs noch das Ziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr anvisiert.
Starker Einbruch bei Einfamilienhäusern
Insgesamt wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes von Januar bis September 2024 mit 128.400 Neubauwohnungen rund 22 Prozent weniger genehmigt als im Vorjahreszeitraum. Dabei ist die Zahl der Baugenehmigungen bei Einfamilienhäusern um 25,7 Prozent auf 28.300 zurückgegangen. Bei Zweifamilienhäusern ist die Zahl der Baugenehmigungen um 13 Prozent auf 9.700 gefallen. Und bei den Mehrfamilienhäusern war ein Rückgang von 21,7 Prozent auf 82.400 zu verzeichnen.