Positive Psychologie Aus Krisen lernen: "Positiv macht produktiv"

Deutschland, Europa und die Welt – die politischen, wirtschaftlichen und damit auch gesellschaftlichen Entwicklungen sind voll von schlechten Nachrichten. Verunsicherung und Ängste machen sich breit – privat und im Job. Was jetzt die Stimmung und damit auch die Zukunft positiv beeinflussen kann.  

Teambesprechung in Krisenzeiten
Ängste und Unsicherheiten können in der Mitarbeiterbesprechung thematisiert werden. Wichtig aber auch: Wege aus der Krise aufzeigen. - © Yingyaipumi - stock.adobe.com

US-Wahl, Ampel-Aus, Kriege, Bau- und Klimakrise sowie eine große Verunsicherung hinsichtlich der Folgen, die all das kurz- und langfristig haben kann: Von schlechten Nachrichten mag so manch einer derzeit einfach nichts mehr hören, lesen oder sehen. Doch sie beschäftigen uns dennoch – und gerade wer die Verantwortung nicht nur für sich selbst trägt, sondern auch für ein ganzes Team, sucht jetzt möglicherweise nach einem Weg, die aktuelle politische Lage und gesellschaftliche Stimmung einzuordnen. Das, was wir jetzt als vage Verunsicherung spüren, braucht einen Namen.

"Wenn wir begreifen, welche konkreten Gefühle es sind, die uns beschäftigen, haben sie uns nicht mehr derart stark im Griff", rät Christian Thiele. Die Tipps des Experten für positive Psychologie sind derzeit gefragter denn je. Das Bedürfnis, aus Krisen und schwierigen Situationen Positives zu ziehen, wurde in den vergangenen Jahren größer. Laut Thiele hat dies positive Psychologie genau diesen Ansatz, den Fokus bewusst auch auf das Gelingen zu lenken statt nur auf das Scheitern. "Wir wollen nichts schönreden, aber dennoch Lösungen in den Vordergrund stellen", sagt er.

Gefühle und Gedanken konkret benennt

Jetzt gehe es darum, Begriffe zu finden zur Einordnung der schlechten Nachrichten. Ist es die Angst, dass keine Aufträge mehr reinkommen, dass man Mitarbeiter entlassen muss? Ist es die Unsicherheit, ob und wie hoch die Energiepreise künftig steigen oder etwas ganz anderes? Christian Thiele empfiehlt, sich dazu Gedanken zu machen und die Gefühle und Themen zu benennen. Das gelte für sich selbst und genauso gegenüber Mitarbeitern in einem Betrieb. Thiele beschäftigt sich als Trainer und Coach unter anderem für Führungskräfte damit, wie man negativen Einflüssen das Bedrohliche nehmen kann. Lösungen könne man nur finden, wenn man das Problem beschrieben hat. "Name it to tame it", nennt er das.

Dabei sei Offenheit gegenüber Mitarbeitern besonders wichtig – und dabei muss man keine Versprechen machen oder direkt Lösungen parat haben. "Als Chef darf man auch sagen, dass man selbst gerade verunsichert ist oder abwarten muss, wie sich die neue Bundesregierung aufstellt. Aber dennoch kann man Ängste nehmen, wenn man zum Beispiel auf bereits bewältigte Probleme und Krisen zurückschaut und sagt, dass man das doch auch geschafft hat", erklärt Thiele, der auch Mitglied im Trainerteam der Deutschen Gesellschaft für Positive Psychologie ist. Das schaffe Motivation und ein Gefühl, dass man auch Weiteres gemeinsam meistern kann.

Wichtig: Wege aus den Krisen aufzeigen

Dass Führungskräfte einen Ausblick geben und vor allem die Stimmung stark beeinflussen können, sollten sie seiner Meinung nach nutzen. "Positiv macht produktiv", lautet seine Empfehlung. Dabei gehe es einerseits um die bereits angesprochene Offenheit und Ehrlichkeit zu den eigenen Eindrücken und Emotionen, aber eben auch darum, Wege aus den Krisen aufzuzeigen. Das Stichwort lautet "Selbstwirksamkeit". So rät Christian Thiele zu Handlungen und kleinen Schritten, die helfen, aktuellen Problemen etwas entgegenzusetzen. "Wenn man ständig über Klimakrise und Energieversorgung diskutiert und diese die Sorgen prägen, können zum Beispiel Maßnahmen zum Energiesparen im Betrieb helfen, die Haltung dazu zu ändern", sagt der Coach. Natürlich kann man die Klimakrise nicht alleine bewältigen, aber wenn man aktiv etwas tut, fühlt man sich weniger ohnmächtig.

Mit dem Ansatz der positiven Psychologie rät der Experte aber dennoch von zwei Extremen ab – sowohl vom reinen Schönreden der Probleme und Krisen, die ja dennoch Herausforderungen seien. Gleichzeitig sollte man aber auch Panik und Hysterie vermeiden – für sich selbst und gegenüber den Mitarbeitern. "Als Führungskraft ist man immer auch Vorbild", sagt Thiele. Panik verhindere, dass man handlungsfähig bleibt.

Extreme zu vermeiden, gilt es aber auch in Bezug auf tägliches Handeln. So sollte man jetzt über das sprechen, was aktuell geschieht und auch über Herausforderungen, um Lösungen zu finden. Dennoch brauchen derartigen Gespräche und Diskussionen Grenzen. Ähnlich sieht es etwa mit dem Nachrichtenkonsum aus. Sich jetzt abzuschotten von allem vermeintlich Negativem hilft genauso wenig weiter, wie ununterbrochen jede Meldung zu inhalieren und sich vom normalen Alltag abzulenken. Christian Thiele rät dazu, immer mal wieder bewusst gute News zu konsumieren – und das auch den Mitarbeitenden, KollegInnen anraten.

Drei Strategien im Umgang mit Krisen

  • Selbstwirksamkeit: Schritte und Maßnahmen im Kleinen beschließen und umsetzen, die helfen, das Problem abzumildern und sich nicht ohnmächtig und machtlos zu fühlen
  • Ängste, Sorgen und Verunsicherungen benennen und gemeinsam diskutieren
  • Positives aus Erfahrungen lernen: Vergleiche ziehen zu anderen Krisen und besprechen, wie diese bewältigt wurden – ob globale oder welche im eigenen Unternehmen