E-Mobilität Die Autobranche ruft nach dem Staat

Bei VW drohen Werksschließungen. Damit steuert auch das deutsche Kraftfahrzeuggewerbe auf schwere Zeiten zu. Wie es dazu kommen konnte – und was den stotternden Motor wieder zum Laufen bringen könnte.

"Wir brauchen eine starke Automobilwirtschaft in Deutschland, um wieder wichtige Wachstumsimpulse für das ganze Land zu setzen", fordert ZDK-Präsident Arne Joswig. - © hd3dsh - stock.adobe.com

Die deutsche Automobilbranche steht unter Druck. Das ruft auch das deutsche Kraftfahrzeuggewerbe auf den Plan. "Wir brauchen eine starke Automobilwirtschaft in Deutschland, um wieder wichtige Wachstumsimpulse für das ganze Land zu setzen", forderte jüngst Arne Joswig, Präsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). "Statt Abwarten auf bessere Zeiten ist jetzt beherztes Handeln der Bundesregierung vonnöten, die die Warnsignale aus den Autoländern ernst nehmen muss."

Es drohen Werkschließungen

Zuletzt häuften sich die schlechten Nachrichten der großen deutschen Autohersteller wie Volkswagen. Auch Zulieferer kommen ins Straucheln. Sie alle kämpfen mit schwachen Absatzzahlen und den hohen Kosten für den Umstieg auf den Elektro-Antrieb. Das lässt die Gewinne schmelzen, macht Sparprogramme nötig und mancherorts wird über Arbeitsplatzabbau und Werksschließungen diskutiert.

Zu schaffen machen der deutschen Schlüsselindustrie nicht nur die schwache Weltkonjunktur, sondern auch sich verändernde Marktanteile. So werden auf dem wichtigsten Automarkt der Welt, in China, deutlich weniger deutsche und mehr chinesische Fahrzeuge nachgefragt, insbesondere E-Fahrzeuge. Das trifft besonders den VW-Konzern. Hinzu kommen Zollstreitigkeiten, nachdem die EU gegen den Willen Deutschlands Strafzölle auf E-Autos aus China durchgesetzt hat und deutsche Autobauer Gegenmaßnahmen befürchten.

Aus für E-Auto-Prämie ließ Nachfrage einbrechen

Auch das Kraftfahrzeuggewerbe mit zahlreichen Autohäusern und Werkstätten spürt die Veränderung und eine große Verunsicherung im Markt. Dies hängt vor allem mit dem abrupten Wegfall der E-Auto-Prämie Ende 2023 zusammen. Es hat die Nachfrage nach E-Autos 2024 bisher regelrecht einbrechen lassen, mit entsprechend negativen Folgen für das Kfz-Gewerbe. Im Oktober lag die Zahl der Neuzulassungen rein batterieelektrischer Fahrzeuge um 4,9 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Für die Betriebe führe die anhaltende Tatenlosigkeit der Politik bei der dringend benötigten Förderung der E-Mobilität dazu, dass die finanziellen Vorleistungen der Branche "de facto ihren Wert verlieren", sagte Joswig. Hart trifft der Wegfall der E-Auto-Prämie die deutschen Autohersteller, deren Werke für E-Fahrzeuge nicht ausgelastet sind. Mehr noch: Durch den geringeren Absatz von E-Autos und wegen der schärferen EU-Flottenziele für den CO₂-Ausstoß ab 2025 drohen den Herstellern hohe Strafzahlungen. Geld, das sie eigentlich für die Transformation in die E-Mobilität bräuchten.

ZDK fordert Kaufanreize für E-Autos

Auch deshalb fordern Autohersteller, der ZDK und andere ein Vorziehen der Revision der Flottengrenzwerte. Ursprünglich sollte dies erst 2026 geschehen. Der ZDK plädiert auch dafür, stärker synthetische Kraftstoffe als Teil der Lösung zu berücksichtigen. "Es kann nicht sein, dass Hersteller und Handel allein gelassen werden, wenn die geplanten Absatzzahlen für E-Mobilität nicht wie vorgesehen eintreten", betonte Joswig in einem Brief an Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) schon im September. Der Verband fordert die Bundesregierung auf, zügig Verhandlungen mit der EU-Kommission aufzunehmen, um diese Ziele zu erreichen.

Daneben fordert der ZDK planungssichere Kaufanreize für E-Autos, einschließlich solcher für junge gebrauchte E-Fahrzeuge. Entscheidend für den Kauf eines E-Autos ist auch die Ladeinfrastruktur. Hier hinke Deutschland den Zielen weit hinterher. Auch deren Ausbau müsse gefördert werden. Dies gelte auch für bezahlbaren Strom zum Tanken. Zur Unterstützung der Automobilwirtschaft könnten Mehr­einnahmen durch eine erhöhte CO₂-Bepreisung ab 2025 herangezogen werden.