Roboter im Handwerk Ein Maler, der nicht schläft und keine Fehler macht

Um Malern und Lackierer bei monotonen Aufgaben zu unterstützen, kann der Einsatz eines Roboters hilfreich sein. Das zeigt ein Beispiel aus der Praxis.

Paint Buddy
Der Maler-Roboter "Paint Buddy" kann Decken mühelos in einer gleichbleibend hohen ­Qualität streichen, ohne müde zu werden. - © SR-Malereiunternehmen GmbH

Stundenlang über Kopf zu arbeiten und dabei die Farbe immer gleichmäßig aufzutragen, ist auch für einen erfahrenen Malermeister körperlich anstrengend und erfordert höchste Konzentration. Das weiß Christina Böhm, Geschäftsführerin des SR-Malereinunternehms im oberfränkischen Strullendorf, deren Beschäftigte nun Unterstützung durch den Maler-Roboter "Paint Buddy" erhalten.

"Der Roboter ist ideal für zusammenhängende Flächen und übernimmt das gleichmäßige Auftragen der Farbe. Dabei arbeitet er immer auf den Millimeter genau, was eine perfekte Oberflächenqualität garantiert", sagt Böhm.

Maler-Roboter: Per Joystick zum nächsten Raum

Der neue Kollege kann selbstständig Räume scannen und Spritzarbeiten bis zu einer Höhe von 3,50 Metern durchführen. Besonders bei Neubauten, Kliniken und Schulen, wo lange Korridore und standardisierte Zimmer zu bearbeiten sind, erweise sich der Roboter als äußerst nützlich. Allerdings lief nicht von Beginn an alles reibungslos. "Wir hatten anfangs Probleme mit Software-­Updates, aber inzwischen läuft er zuverlässig", so Böhm. Während Paint Buddy die Streicharbeiten schon ganz autonom erledigen kann, benötigt er Hilfe, um von Raum zu Raum zu gelangen. "Wenn der Roboter seine Arbeit beendet hat, piept er, und wir bringen ihn per Joystick in den nächsten Raum", erklärt Böhm.

Die Geschäftsführerin ist überzeugt, dass sich die Investition in den Roboter dank der steigenden Produktivität langfristig auch wirtschaftlich rechnen wird. Derzeit wird der Paint Buddy über ein Mietmodell genutzt, und der Zeitraum ist frei wählbar, wie lange der Roboter auf der Baustelle verbleibt. Bei längerer Mietzeit sinken die Kosten. Neben dem Effizienzgewinn bietet der Roboter weitere Vorteile. "Wenn ein Mensch den ganzen Tag eine Decke spritzt, wird er müde und die Qualität der Arbeit nimmt ab. Der Roboter hingegen arbeitet immer gleichmäßig und wird nie müde", betont Böhm. Darin sieht sie auch die Chance, ältere Mitarbeiter zu entlasten, die oft unter körperlichen Beschwerden leiden. Dank der technischen Unterstützung könnten sie länger im Betrieb bleiben.

Mathias Bucksteeg, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Farbe Gestaltung Bautenschutz, ist überzeugt, dass die Technik in den nächsten Jahren verstärkt in der Branche Einzug halten wird. "In einer Zukunftsstudie zum Malerhandwerk 2040 gaben 64 Prozent der Befragten an, dass sie sich vorstellen können, künftig von Robotern unterstützt zu werden." Er erwartet, dass Roboter den Malern nicht nur die Arbeit erleichtern, sondern durch die Einbindung in ein größeres digitales System den gesamten Arbeitsprozess optimieren werden. "Solange ein Roboter ein isoliertes Werkzeug bleibt, wird er nur begrenzten Nutzen bringen. Doch sobald er vernetzt und mit anderen Technologien kompatibel ist, wird sich sein Potenzial entfalten. Das ist unsere Vision für das Malerhandwerk der Zukunft", sagt Bucksteeg.

Entwicklung wie beim iPhone erwartet

Der Roboter könne Räume selbstständig abmessen und die Daten direkt weiterverarbeiten. Dies biete dem Betrieb erhebliche Zeiteinsparungen. Deshalb müsse das Handwerk darauf hinarbeiten, dass Digitalisierung und Robotik Hand in Hand gehen, so wie das iPhone damals die Nutzung des Telefons revolutionierte.

Gerade die jüngere Generation der Malerinnen und Maler stehe dem Thema aufgeschlossen gegenüber, weiß Bucksteeg. "Wenn wir das Malerhandwerk für junge Menschen attraktiv gestalten wollen, sollten wir auch moderne Technologien ­einbinden. Deshalb kann die Robotik ein entscheidendes Element sein, um unseren Beruf zukunftsfähig zu machen."

"Deutsche Betriebe sind skeptisch"

Im Gespräch mit Cristian Amaya, Geschäftsführer beim ­Roboter-Start-up Conbotics.

Im vergangenen Jahr berichteten wir, wie ihr Start-up dem Malerhandwerk monotone Arbeiten abnehmen will. Was hat sich inzwischen getan?

Seit April dieses Jahres sind wir mit unserem "MalerRoboter" auf dem Markt. Wir haben den Launch auf der "Farbe"-Messe gefeiert und sind mit den ersten zehn Modellen gestartet. Die Resonanz auf unser modulares Leichtbaukonzept war äußerst positiv, was uns freut und viele Aufträge gebracht hat.

Cristian Amaya
Cristian Amaya Geschäftsführer Conbotis - © Conbotics

Wie können Handwerksbetriebe ihren Roboter nutzen?

Derzeit bieten wir ihn hauptsächlich zur Miete an. So können Malerbetriebe die Technologie unkompliziert testen, ohne direkt große Investitionen tätigen zu müssen.

Sie wollen international expandieren. Wie weit sind die Pläne inzwischen fortgeschritten?

Wir haben bereits Kunden in der Schweiz, in Österreich und derzeit prüfen wir Möglichkeiten auf anderen Kontinenten. Wir stellen fest, dass das Interesse und die Offenheit gegenüber neuer Technologie im Ausland ausgeprägter sind als in Deutschland.

Worauf führen Sie das zurück?

Ich denke, es ist zum Teil eine Frage der Kultur. Deutsche Betriebe sehen neue Technik oft mit einer gewissen Skepsis. Man fürchtet, Roboter könnten Arbeitsplätze ersetzen. Es gibt jedoch auch betriebliche Hürden. Der hohe Qualitätsanspruch in Deutschland führt dazu, dass die Unternehmen ein Produkt lieber andere testen lassen, bevor sie es selbst einsetzen.

Wie begegnen sie den Bedenken?

Uns ist es wichtig, den Roboter als ergänzendes Werkzeug zu positionieren. Er unterstützt die Maler und entlastet damit das Personal. Wir demonstrieren das Potenzial auf verschiedenen Messen und Veranstaltungen und begleiten die Roboterintegration in den Arbeitsauftrag des Handwerkers mit unserem Fachpersonal vor Ort.

Wann erwarten Sie in Deutschland eine größere Nachfrage?

Bereits in zwei Jahren könnten wir deutlich mehr Roboter im Einsatz sehen. Vor allem, wenn der Fachkräftemangel sich noch weiter zuspitzen wird und die Nachfrage steigt.