Genusskunst Wie eine Konditorei mit einem Fräßroboter eine Marke aufbaut

Die Konditorei Wittl in Neumarkt in der Oberpfalz steht seit mehr als 35 Jahren für beste Handwerksqualität. Nun wurde ein sechsstelliger Betrag in einen Fräßroboter investiert. Eine Investition in die Zukunft, wie Konditormeisterin Beatrix Wittl überzeugt ist.

Beatrix Wittl
Beatrix Wittl (li.) und ihr Mann Thomas haben die traditionelle Konditorei um die Marke "Genusskunst" erweitert. - © Beatrix Wittl - Genusskunst

Neben Spritzbeuteln, Rührschüsseln und Knetmaschinen findet sich in der Backstube der Konditorei Wittl in Neumarkt in der Oberpfalz auch ein Hilfsmittel, das wohl niemand hier erwarten würde. Ein Hightech-Fräsroboter, sonst eher in einem Metall- oder Holzbaubetrieb anzutreffen, ist damit beschäftigt, filigrane Törtchen Millimeter genau zuzuschneiden. Bei dem Watercut-Verfahren kommt ein Hochdruckwasserstrahl zum Einsatz, der fast alle Materialien schneiden kann – so auch typische Spezialitäten des Konditorenhandwerks wie Schokolade oder Nougat.

Konditormeisterin Beatrix Wittl ist auf einen solchen Roboter in Frankreich aufmerksam geworden, wo die Technologie in der Haute Pâtisserie bereits genutzt wird. "Ich habe die Maschine gesehen, war sofort begeistert und wollte das Verfahren auch in Deutschland nutzen." Rund 150.000 Euro wurden investiert, um mithilfe des Roboters eine eigene Marke für höchste Pâtisseriequalität auf­zubauen. "Beatrix Wittl – Genusskunst" ist seit diesem Jahr in den Traditionsbetrieb integriert, der schon vor mehr als 35 Jahren gegründet wurde.

"Boty" sorgt für filigranen Genuss

Inzwischen ist "Boty", wie Wittl ihren Roboter liebevoll nennt, seit sechs Monaten im Einsatz und hilft den Konditoren, Pralinen, Törtchen und andere Schokoladenspezialitäten anzufertigen. "Kein Mensch kann so präzise arbeiten wie diese Maschine, selbst wenn er sich viel Zeit nimmt", betont Wittl. Der scharfe und feine Schnitt des Roboters ermögliche es, auch empfindliche Stücke perfekt zuzubereiten – eine Voraussetzung für die filigrane Pâtisserie, die Beatrix Wittl und ihr Team anbieten.
Die Produkte sollen sowohl geschmacklich als auch optisch einem Kunstwerk gleichen. Das hat allerdings auch seinen Preis. "Ein Törtchen kostet 8,50 Euro. Das ist nichts, was man so nebenbei isst, sondern ein Genuss für einen besonderen Moment." Sie reicht ihren Gästen gerne ein Glas Champagner dazu.

Beatrix Wittl - Genusskunst
"Boty" arbeitet mit einem Hochdruckwasserstrahl. - © Beatrix Wittl - Genusskunst

Wer eines der Törtchen ausprobieren möchte, sollte in die Konditorei vor Ort kommen oder zu einem der ausgewählten regionalen Partner wie Feinkost Käfer. "Die Produkte sind so empfindlich, dass wir sie leider nicht über einen Online-Shop anbieten können. Einen Paketversand würden sie nicht überstehen", weiß Beatrix Wittl.

Während der Roboter seine Arbeit verrichtet, bleibt den Konditoren mehr Zeit, sich anderen Aufgaben, wie dem kreativen Dekor der Törtchen, zu widmen. Aufwendige Verzierungen werden weiterhin von Hand gestaltet. So bleibt die Balance zwischen maschineller Effizienz und menschlicher Kreativität erhalten.

Imagefaktor für den Nachwuchs

Beatrix Wittl und ihr Mann Thomas sehen im Einsatz des Roboters ein Mittel, das Unternehmen wirtschaftlich für die Zukunft zu wappnen. "Wir können die Fachkräfte sinnvoller einsetzen und sie von einer zeitaufwendigen Arbeit entlasten." Dies sei gerade im Hinblick auf den sich zuspitzenden Fachkräftemangel entscheidend, der in ihrer Branche bereits stark zu spüren wäre.

Die Technologie sei auch ein Imagefaktor, um die nächste Generation von Handwerkern zu erreichen. "Als moderner Betrieb, mit zukunftsweisenden Arbeitsbedingungen, können wir Auszubildende ansprechen, die sich sonst vielleicht gegen den Beruf entscheiden würden. Wir zeigen, dass Handwerk und Technologie sich wunderbar ergänzen."