Brauerei reagiert mit Humor XXL-Bier gestohlen: Täter stellen sich nach Online-Fahndung

Fast jedes Jahr gibt es Aufrufe von Brauereien, leere Pfandflaschen zurückzugeben. Eine Brauerei aus Bayern bat nun aber um die Rückgabe einer ganz besonderen Bierflasche: Langfinger hatten bei einer Veranstaltung eine aufblasbare XXL-Bierflasche gestohlen. Für die Rückgabe bot die Brauerei in den sozialen Medien "kleine, kühle Brüder" im Tausch an – mit Erfolg. Bei einem gemeinsamen Bier beichtete das Diebes-Trio den Tathergang.

Tag der Übergabe: Die drei "Entführer" zusammen mit drei Mitarbeitern der Post Brauerei. - © Post Brauerei

"Wer unsere große Blonde im Überschwang der Gefühle ’aus Versehen’ eingepackt hat, dem möchten wir sagen: Wir vermissen sie sehr! Bringt sie bitte zurück in die Brauerei." Mit diesem Aufruf und einem "Vermisstenfoto" richtete sich die Post Brauerei aus dem bayerischen Weiler an ihre Follower in den sozialen Medien. Bei einer örtlichen Feier war eine ihrer aufblasbaren XXL-Bierflaschen aus dem Festzelt gestohlen worden. Wert: rund 1.500 Euro. Für den ehrlichen Rücktransport stünden "einige ihrer kleinen, kühlen Brüder zum Tausch" bereit, versprach die Brauerei.

Was war passiert?

Seit mehr als 20 Jahren veranstaltet der örtliche Fußballverein das "Westallgäuer Oktoberfest". Die Post Brauerei stellte auch dieses Jahr wieder Bier und Betriebshof für die Veranstaltung zur Verfügung. "Das Besondere ist, dass das Bier direkt aus dem Lagerkeller zu den Schankanlagen im Zelt kommt", erklärt Brauereichef Sebastian Zinth. Ebenfalls im Zelt: Zwei vier Meter hohe aufblasbare XXL-Bierflaschen. Doch bereits nach dem ersten von drei Veranstaltungstagen musste die Brauerei feststellen, dass eines der Werbeträger fehlte. "Da haben wir uns noch nichts gedacht", sagt Zinth. Der Geschäftsführer ging davon aus, dass ein Mitarbeiter die Flasche weggeräumt hatte. Erst am Sonntag sei er ins Grübeln gekommen: "Irgendwas stimmte nicht, erst dann habe ich den Diebstahl realisiert."

Humor und Verwirrung

Statt mit Schaum vor dem Mund reagierte Zinth gelassen. "Da findet wohl jemand unser Bier so toll, dass er dieses Souvenir mit nach Hause nehmen wollte." Wegen des hohen Wertes wollte er die aufblasbare Bierflasche trotzdem zurück.

Also startete Zinth seinen Aufruf auf Facebook und Instagram. Der Beitrag ging durch die Decke. Allein auf Facebook erhielt die Brauerei mehr als 1.000 Reaktionen und 114 Teilungen. Und sie erntete viel Zuspruch: "Es zeigt sehr viel Charakterstärke, wie ihr das macht.... Ich hoffe, ihr werdet belohnt", schrieb ein Facebook-Nutzer. Andere wunderten sich über den Tathergang: "Wie bekommt man das Monster unbemerkt raus?". Einige Nutzer zollten den unbekannten Tätern auch Respekt: "Sorry, aber wer das geschafft hat, der hat’s verdient."

Sebastian Zinth: Chef der Post Brauerei - © Post Brauerei

Aufruf geht viral

Der Brauereichef berichtet: "Die meisten reagierten positiv und waren genauso überrascht wie ich." Doch auch kritische Stimmen mischten sich in die Kommentare: "Guter Werbegag. Hatten wir bei Hornbach schon mal", schrieb ein Nutzer. "Warum wird der Dieb auch noch belohnt", fragt ein anderer. Eine Werbeaktion sei der Social-Media-Post nicht gewesen, versichert Zinth: "Im Nachhinein, wenn man sieht, wie viele Leute das interessant fanden, dann hätte man das schon fast meinen können. Aber es war tatsächlich ein Diebstahl, wir wollten einfach nur unsere Flasche zurück." Mit einer so großen Reichweite habe er nicht gerechnet. Noch nie habe der 50-Mann-Betrieb mit einem Beitrag so viele Menschen erreicht.

Täter melden sich tatsächlich

Noch in der Woche des Aufrufs meldeten sich schließlich die Täter bei Zinth. Ein Trio aus dem Nachbardorf besuchte die Brauerei und legte ein Geständnis ab. Drei Tage später kam es zum versprochenen Tausch. Im Gegenzug für den Werbeträger erhielten die Täter "Lösegeld" in Form einer Kiste Bier. Zinth erzählt: "Wir haben zusammen ein Foto gemacht, ein Bier getrunken und ich wollte natürlich unbedingt wissen, wie sie die XXL-Flasche mitgenommen haben".

Mit seiner vermuteten "Schnapsidee" lag der 32-Jährige im wahrsten Sinne des Wortes richtig. Die Jungs hätten an der Bar die riesige Flasche bestaunt und entschlossen sich spontan, sie mit nach Hause zu nehmen. Die jungen Männer hätten nicht lange über einen Plan nachgedacht, sondern seien gleich zur Tat geschritten: "Von der Bar direkt zur Flasche, den Stecker für die Belüftung gezogen, die Flasche zusammengerollt und einfach durch den Hauptausgang raus", erklärt Zinth mit einem Schmunzeln auf den Lippen. "Die Jungs haben wohl eine solche Sicherheit und Selbstverständlichkeit ausgestrahlt, dass sich niemand gewundert hat", vermutet der Brauereichef.

Am Ende war es ein Happy End für alle – die Brauerei hatte ihren Werbeträger wieder und die Jungs kamen ohne Konsequenzen, dafür aber mit Bier davon. Ein wenig Sorge hat Zinth allerdings vor Nachahmern – und will vorbeugen: Künftig will er die XXL-Flasche der Post-Brauerei mit Ösen und Drahtseilen sichern.