Ein Expertenkreis bestätigt die kritische Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung. Für Arbeitgeber und Arbeitnehmer wird es teurer. Woran das liegt.

Die Krankenkassenbeiträge werden für Arbeitgeber und Arbeitnehmer im kommenden Jahr voraussichtlich deutlich steigen. "Aus den Schätzergebnissen für das Jahr 2025 ergibt sich eine Erhöhung des rechnerischen durchschnittlichen Zusatzbeitragssatzes um 0,8 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent", erklärte das Bundesamt für Soziale Sicherheit nach der Sitzung des Schätzerkreises. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) kündigte im Anschluss eine entsprechende Erhöhung an.
Lauterbach macht steigende Kosten verantwortlich
Lauterbach machte für die Erhöhung steigende Kosten sowie das ineffiziente deutsche Gesundheitswesen verantwortlich. "Für Krankenhäuser steigen die Ausgaben in diesem und im kommenden Jahr im Rekordtempo – das ist eine wesentliche Ursache für die steigenden Krankenkassenbeiträge." Auch deshalb brauche Deutschland eine Krankenhausreform.
Experten sehen Finanzierungslücke von 14 Milliarden Euro
Der Schätzerkreis aus Experten des Gesundheitsministeriums, des Bundesamtes für Soziale Sicherung und des GKV-Spitzenverbandes schätzt jedes Jahr um diese Zeit die Einnahmen und Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für das kommende Jahr. Nach den aktuellen Berechnungen geht der Schätzerkreis jetzt von einer Finanzierungslücke von 13,8 Milliarden Euro für 2025 aus, erklärte die Vorsitzende des GKV-Spitzenverbandes Doris Pfeiffer. Um die Lücke zu schließen, sei rechnerisch eine Anhebung um 0,8 Prozentpunkte erforderlich.
IKK: Wieder tragen Beitragszahler die ganzen Lasten
Der drastische Anstieg der Zusatzbeiträge der Kassen bedeute im Klartext, dass erneut die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler, also die Versicherten und die Arbeitgeber, die ganze Finanzlast tragen müssten, betonte IKK-e.V-Geschäftsführer Jürgen Hohnl. "Bei einer Steigerung um 0,8 Prozentpunkte würde das bei einem durchschnittlichen Bruttogehalt von 45.358 Euro eine jährliche Mehrbelastung von je 181,43 Euro für den Arbeitnehmer und den Arbeitgeber bedeuten", erklärte er.
GKV-Spitzenverband: Politik darf nicht weiter zuschauen
Vor diesem Hintergrund ist es auch nach Pfeiffers Worten unerklärlich, dass die Gesundheitspolitik der sich immer schneller drehenden Beitragsspirale tatenlos zuschaut. "Dies gilt erst recht, da für das kommende Jahr auch eine spürbare Anhebung des Beitragssatzes zur Pflegeversicherung droht", sagte sie. Es müsse jetzt darum gehen, dass der Bund endlich seiner Verantwortung für bislang von den Krankenkassen getragenen gesamtgesellschaftlichen Aufgaben gerecht werde. Dazu zählten etwa kostendeckende Beiträge für Bezieher und Bezieherinnen von Bürgergeld. Außerdem müsse die Politik die Entwicklung der Ausgaben in allen Leistungsbereichen im Blick haben.