Krankmeldungen AOK-Report: Fehlzeiten in Betrieben auf Höchststand

Der Krankenstand von Beschäftigten in Deutschland hat sich laut Fehlzeiten-Report der AOK im Vergleich zum Vorjahr deutlich erhöht. Hauptgrund sind laut Bericht weiterhin Atemwegserkrankungen. Aber auch arbeitsbezogene psychische Belastungen nehmen weiter zu. Doch Unternehmen können gegensteuern.

Fehlzeiten im Kalender
Ein Anstieg der Fehlzeiten könnte auf Belastungen durch globale Krisen, zunehmenden Arbeitsdruck und die ständige Erreichbarkeit der Beschäftigten zurückzuführen sein. - © nmann77 - stock.adobe.com

Der Krankenstand stieg insgesamt deutlich auf 6,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (2021: 5,7 Prozent) und erreicht damit den höchsten Wert seit Beginn der Erhebungen 1998. Laut repräsentativer Befragung des Wissenschaftlichen Instituts des AOK (WIdO) kommen auf 100 Versicherte 225 Krankmeldungen.

Die meisten Fehlzeiten werden durch Atemwegserkrankungen verursacht. Ihr Anteil liegt bei 17,5 Prozent, dicht gefolgt von Muskel- und Skeletterkrankungen mit 17,4 Prozent. Weitere häufige Ursachen sind psychische Erkrankungen mit 10,3 Prozent. Dahinter folgen Verletzungen, Erkrankungen des Kreislaufsystems und der Verdauungsorgane.

Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen seit 2012 um 48 Prozent gestiegen

Besonders die Fehlzeiten bei psychischen Erkrankungen schlagen zu Buche. Sie führen im Durchschnitt zu deutlich längeren Ausfallzeiten. Genauer gesagt zu 29,6 Tagen pro Fall. Zum Vergleich: Bei Atemwegserkrankungen sind es durchschnittlich nur 7,1 Tage.

Arbeitsbedingt psychisch erkrankte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nannten Erschöpfung, Wut und Lustlosigkeit als häufigste Gründe für Fehlzeiten. Seit Beginn der Covid-19-Pandemie haben alle diese Beschwerden deutlich zugenommen.

Gründe für psychische Erkrankungen

Dazu kamen vielfältige globale Krisen aber auch konkrete Stressoren in der Arbeitswelt: "Arbeitszeitverdichtung, Kommunikationsverdichtung, Flexibilisierung sind alles Sachen, die auf die Seele drücken können", so Johanna Baumgardt, Forschungsbereichsleiterin für Betriebliche Gesundheitsförderung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK. 

Einen Zusammenhang sieht Baumgardt auch zwischen Fehltagen und Zukunftsfähigkeit des Arbeitgebers: "Beschäftigte, die ihren Arbeitgeber als weniger gut gewappnet für zukünftige Entwicklungen bewerten, berichten über mehr gesundheitliche Beschwerden, häufigere krankheitsbedingte Fehlzeiten und gehen häufiger krank zur Arbeit", so Baumgardt.

Jens Martin Hoyer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, betont, dass gerade in Zeiten des Fachkräftemangels die Gesundheit der Beschäftigten ein zentrales Anliegen jedes Unternehmens sein müsse.

Kein Hinweis aus Missbrauch der telefonischen Krankmeldung

Finanzminister Christian Lindner (FDP) sprach sich kürzlich angesichts der steigenden Fehlzeiten dafür aus, die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung abzuschaffen. Baumgardt stellte jedoch klar, dass es keine Hinweise auf einen missbräuchlichen Einsatz dieser Methode gibt. Vielmehr könnte ein weiterer Grund für die erhöhten Fehlzeiten die dauerhafte Einführung der telefonischen Krankschreibung und die automatische Übermittlung der Krankmeldungen an die Krankenkassen sein, wodurch Krankheitsfälle nun umfassender erfasst werden. Zuvor hatten nicht alle Patienten ihre Krankenscheine an die Versicherung weitergeleitet.

Der Fehlzeiten-Report 2023 basiert auf Daten von 15,1 Millionen AOK-versicherten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern.