Damit das Lernen in der Ausbildung gelingt, gibt es verschiedene Techniken, die Auszubildende anwenden können. Ausbildungsberater Peter Braune stellt einige vor.

Zunächst sollte für ein passendes Umfeld gesorgt werden. Der ausgewählte Platz sollte störungsfrei und gut beleuchtet sein. Soweit es möglich ist, sollte zu festen Zeiten gelernt werden. Möglichen Störungen und Ablenkungen sollte bereits im Vorfeld vorgebeugt werden, etwa indem das Smartphone ausgeschaltet wird. Eine positive Grundeinstellung hilft, auch schwierige Themen zu verstehen und zu behalten. Der Lernstoff muss im Gedächtnis abgelegt, so lange wie möglich gespeichert und bei Bedarf abrufbar sein.
Die Grundlage für die Auswahl der Lerntechniken ist der betriebliche Ausbildungsplan. Hier finden Sie einige Beispiele, mit welcher Lerntechnik Lehrlinge arbeiten können.
Lerntechniken, um Inhalte zu verstehen und abzuspeichern
Mindmap
Ein junger Mann lernt den Beruf des Augenoptikers und will heute die Mindmap-Technik anwenden.
Mit dieser Mindmap-Technik oder Gedankenlandkarte hat er die Möglichkeit, seine Ideen zu einem Thema sichtbar zu machen. Dafür schreibt er auf ein DIN-A4-Blatt mittig in einen Kasten beispielsweise das Wort Ausbildungsvertrag. In den vier Abzweigungen setzt er in die Kästchen die Worte Dauer, Beteiligte, Pflichten und Rechte ein. In die daran anschließenden Äste schreibt er erste Stichworte, die ihm dazu einfallen.
Lerntechnik Lernkartei
Eine junge Frau wird zur Fachlageristin ausgebildet. Sie nutzt zum Lernen ungern den Computer. Daher hat sie sich eine Lernkartei angelegt.
Die Lernkartei ist hier für sie ein gutes Hilfsmittel. Sie kann darin die Begriffe sammeln. Bei der Nutzung wird das Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis gefordert. Als Werkzeug dient ihr ein Karteikartensystem und ein kleiner Sammelkasten. Darin gibt es drei Fächer.
Am Anfang befinden sich alle Karten in Fach 1. Diese Karten wiederholt sie täglich. Die Karten in Fach 2 bearbeitet sie jeden zweiten Tag und die Karten in Fach 3 jeden vierten. Wenn sie die Lösung einer Karteikarte kennt, wandert sie in das hintere Fach. Wenn sie bei der Lösung noch nicht sicher ist, steckt sie die Karte wieder in Fach 1.
Das Lernplakat
Ein Metzgerlehrling soll für eine Besprechung mit den anderen Auszubildenden ein Lernplakat vorbereiten. Sein Ausbilder hat vorgegeben, dass er seine Argumente sachlich darstellen soll. Das Plakat soll klar gegliedert, die Schrift deutlich lesbar und ohne Rechtschreibfehler sein. Er informiert sich über das vorgegebene Thema, erstellt das Plakat und bittet die anderen Auszubildenden um Ergänzungen.
Die ABC-Liste
Ein junger Mann lernt Schornsteinfeger. Er hat im Internet recherchiert und die Lernmethode der ABC-Liste entdeckt. Dafür muss er das Thema als Überschrift auf ein Blatt oder elektronisches Dokument schreiben. Dann schreibt er darunter, von oben nach unten, eine nach dem Alphabet geordnete Liste. Rechts lässt er Platz, um ein paar Wörter einzufügen, die ihm später einfallen.
Er probiert die Methode für das Arbeitsrecht aus und wählt dafür folgendes Lernziel: Die für den Ausbildungsbetrieb geltenden arbeits-, sozial-, tarif- und mitbestimmungsrechtlichen Vorschriften erläutern.
Lerntechniken: Inhalte wiederholen und sinnvoll ordnen
Das Lesen und Unterstreichen
Karin wird zur Friseurin ausgebildet. Sie will heute die Lernmethode Lesen und Unterstreichen ausprobieren. Es geht um folgendes Lernziel: Informationen im Internet recherchieren und beschaffen sowie Informationen – auch fremde – prüfen, bewerten und auswählen.
Im Internet hat sie einen Fachbericht über die sichere Anwendung von Haarkosmetika im Friseursalon ausgedruckt. Beim sorgfältigen Lesen muss sie nun darüber nachdenken, was sie unterstreichen möchte. Anhand der Unterstreichungen kann sie dann den wichtigsten Teil des Textes wiederholen. Sie nimmt einen roten Stift und beginnt mit der Arbeit.
Die Orte-Methode
Einem Gebäudereiniger im zweiten Lehrjahr geht es um folgendes Lernziel: Abfälle vermeiden sowie Stoffe und Materialien einer umweltschonenden Wiederverwertung oder Entsorgung zuführen. Zur Vorbereitung von einem Lehrgespräch hat ihm der Ausbilder geraten, einmal die Orte-Methode auszuprobieren.
Das ist eine Merktechnik, die es ihm ermöglichen würde, viele Informationen einfacher zu merken. Der Lernstoff wird mit einem bekannten Ort verbunden, zum Beispiel dem Heimweg, Restaurant oder einem Möbelladen. Der Junge denkt an den Heimweg. Im Gedanken ordnet er die Stichworte bestimmten Orten an der Strecke zu.
Ihr Ausbildungsberater Peter Braune
Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.