Der sogenannte "Pygmalion-Effekt" besagt, dass Erwartungen einer Person das Verhalten anderer Personen beeinflussen können. Auch in der Berufsausbildung können Ausbilder durch positive Überzeugungen und gezielte Unterstützung dazu beitragen, dass Auszubildende über sich hinauswachsen.

Der "Pygmalion-Effekt" kann einem geheimnisvollen König aus griechischen Erzählungen zugeordnet werden. Pygmalion von Zypern war ein sehr begabter Bildhauer. Enttäuscht von den Frauen schuf er eine weibliche Statue aus Elfenbein, die seinen Vorstellungen entsprach. Sie war so perfekt, dass er sich in sie verliebte. Zum Glück erbarmte sich Aphrodite, die griechische Göttin der Liebe, und erweckte die Statue zum Leben. Damit wurden die Erwartungen des Pygmalion letztendlich zur Wirklichkeit.
Die Wissenschaftler Rosenthal und Jacobson ermittelten, dass Lehrkräfte, denen eingeredet wurde, einige Schülerinnen und Schüler wären besonders begabt, diese unbewusst so förderten, sodass sie am Ende auch tatsächlich ihre Leistungen steigerten.
Der Begriff "Pygmalion-Effekt" soll somit die Idee vermitteln, dass Erwartungen und Überzeugungen einer Person tatsächlich Auswirkungen auf das Verhalten anderer Personen haben kann.
Wie lässt sich der Pygmalion-Effekt auf die Ausbildung übertragen?
Auf die Berufsausbildung übertragen kann es sich um eine Wahrnehmung handeln, bei der eine Ausbilderin oder ein Ausbilder bestimmte Überzeugungen über Fähigkeiten und Entwicklungen der Lehrlinge hat. Diese Erwartungen können dazu beitragen, dass die jungen Leute sich so verhalten oder Leistungen zeigen, wie es von ihnen erwartet wird. Sie versuchen alles dafür einzusetzen, um den Erwartungen gerecht zu werden. Es ist daher sehr wichtig, dass die Lehrlinge positiv unterstützt und ermutigt werden, um Selbstvertrauen und den Glauben in sich selbst zu steigern.
Wird davon ausgegangen, dass alle Lehrlinge einsatzfreudig sind und die Lehrzeit erfolgreich abschließen wollen, wird genau das passieren. Umgekehrt können negative Erwartungen zu Selbstzweifeln und einer schlechteren Leistung führen.
Die Ausbildungsverantwortlichen sollten sich dieser Verantwortung bewusst sein und versuchen, alle Lehrlinge zu hoher Leistung anzuregen. Insbesondere in Betrieben mit mehreren Lehrlingen im gleichen Lehrjahr könnte so vermieden werden, dass sich nur einzelne verbessern und andere zurückbleiben.
Durch wertschätzenden Umgang mit den Lehrlingen, eine passende Motivation und wirkungsvollen Umgang mit Streitigkeiten wird mehr erreicht als in einer vergifteten Arbeitsumgebung. Hier werden alle Möglichkeiten mit beiden Händen verschenkt.
Ihr Ausbildungsberater Peter Braune
Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.