Aldi Nord ermuntert derzeit Bäcker und Friseure zum Quereinstieg beim Discounter. Der Friseurverband reagiert empört. Die Kampagne sei "herabsetzend". Bäcker und Friseure kontern bewusst in einem anderen Ton.

"Früher in der Bäckerei – Heute im Verkauf." – unter anderem mit diesem Slogan wirbt Aldi Nord seit ein paar Wochen um neue Arbeitskräfte. Der Discounter verspricht dabei ein Top-Branchengehalt, einen unbefristeten Arbeitsvertrag und einen sicheren Arbeitsplatz.
Fabian Fricke, Director People Acquisition & Business Partnering bei Aldi Nord Deutschland erklärt dazu: "Mit der neuen Kampagne möchten wir das Bewusstsein dafür schärfen, dass Aldi Nord nicht nur Fachkräften, sondern auch Quereinsteigenden hervorragende berufliche Perspektiven bietet. Durch die authentischen Geschichten der Mitarbeitenden zeigen wir, dass bei uns alle die Chance haben, erfolgreich zu sein und sich weiterzuentwickeln."
Handwerk reagiert
Auf einem anderen Plakat wird eine ehemalige Friseurin gezeigt. Daneben der Spruch: "Hat ihr Leben umgestylt. Früher Friseurin, heute Verkäuferin." Beim Zentralverband des Friseurhandwerks (ZV) kommt das gar nicht gut an. "Offensichtlich sind die eigenen Argumente derart schwach, dass man nicht davor zurückschreckt uns und andere Branchen zu diffamieren", schimpft ZV-Hauptgeschäftsführer Holger Stein. Er hält es für bedenklich, dass die Kampagne des Discounters das Friseurhandwerk und die Menschen darin zum eigenen Vorteil herabsetzt. "Das ist der eigentliche Skandal dieser Kampagne", so Stein.
Sein Verband wolle die Kampagne bewusst nicht in derselben herabsetzenden Art und Weise beantworten. Stattdessen wolle man sich dafür einsetzen, jeden Beruf als gleichwertig zu erachten – und weder eine Tätigkeit im Salon noch eine im Supermarkt gegeneinander aufzuwiegen. "Was zählt, ist die Leidenschaft und die Überzeugung, mit der der Beruf ausgeübt wird", so der ZV.
Auch Bäcker mit eigener Kampagne am Start
Und auch der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks bezieht Stellung und schreibt: "Einige Marktteilnehmer sehen sich augenscheinlich mittlerweile gezwungen, ungewöhnliche Wege zu gehen, die in sozialen Netzwerken auf viel Gegenwind stoßen", so Friedemann Berg, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks. Um langfristig Nachwuchs an das Bäckerhandwerk zu binden, habe der Verband vor mehr als 13 Jahren die Nachwuchskampagne "Back dir deine Zukunft" entwickelt. "Wir konzentrieren uns dabei auf die vielen positiven Aspekte des Bäckerhandwerks, die für sich stehen und junge Menschen in besonderem Maße ansprechen", so Berg. Das Bäckerhandwerk sei eine "sinnstiftende und sympathische" Branche.