Statt eines minimalen Wachstums sagt das Herbstgutachten der Wirtschaftsinstitute nun ein Absinken des Bruttoinlandsprodukts von 0,1 Prozent voraus. Die Stimmung der Unternehmen trübt sich ein, die Aussichten zeigen nur sehr langsam in Richtung Erholung.

Die Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Konjunkturprognose gesenkt. Zweimal im Jahr geben sie eine Einschätzung, wie sich das Bruttoinlandsprodukt entwickelt. Hieß es im Frühjahr noch, dass im Herbst ein minimales Wachstum von 0,1 Prozent erwartet werden könnte, so hat sich dies jetzt doch anders entwickelt – und zwar negativ. Die aktuelle Konjunkturprognose liegt bei minus 0,1 Prozent. Das Herbstgutachten bescheinigt der Wirtschaft insgesamt eine schlechte Stimmung. Aus dem Stimmungstief heraus kommen die Unternehmen demnach auch nur langsam.
Die sogenannte Gemeinschaftsdiagnose im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz rechnet ab 2025 mit einem Wachstum von 0,8 Prozent und erst ab 2026 mit Werten, die bei 1,3 Prozent liegen. In ihrer Bewertung schreiben die Wirtschaftsforscher, dass die Konjunktur schon seit zwei Jahren geprägt sei von einem Stillstand. Auch wenn ab 2025 wieder eine leichte Erholung einsetzt, rechnen sie nicht damit, dass das Wirtschaftswachstum auf absehbare Zeit wieder an das von vor der Corona-Pandemie anknüpfen kann.
Herbstgutachten: Wirtschaft im Umbruch
Als wichtigen Grund dafür beschreibt das Gutachten einen grundsätzlichen Umbruch und die damit verbundene Verunsicherung. "Dekarbonisierung, Digitalisierung, demografischer Wandel und wohl auch der stärkere Wettbewerb mit Unternehmen aus China haben strukturelle Anpassungsprozesse ausgelöst, die die Wachstumsperspektiven der deutschen Wirtschaft dämpfen", heißt es in der aktuellen Mitteilung zur Gemeinschaftsdiagnose. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) kommentiert die schlechten Aussichten, die das Herbstgutachten der Wirtschaft bescheinigt, allerdings mit Gründen, die in der aktuellen Politik liegen.
So spricht DIHK-Präsident Peter Adrian davon, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland unternehmerische Aktivitäten zunehmend unattraktiv machen. Dabei beklagte er immer weitere Auflagen, Regulierungen und Kosten. Er sprach sich für spürbare Sofortsignale aus. So dürften das Energieeffizienzgesetz und das Gebäudeenergiegesetz in der bisherigen Form nicht weiterbestehen. "Anreize für technologische Innovationen statt Detailregelungen sind der richtige Weg", mahnte er. Zudem müssten Bund und Länder ihren Pakt für Beschleunigung von Genehmigungsverfahren endlich kurzfristig komplett umsetzen. Überfällig sei eine investitionsfreundliche Unternehmenssteuerreform.
Herbstgutachten: Schwächen bei Investitionen, im Konsum und auf dem Arbeitsmarkt
Laut Gutachten zögern sowohl Unternehmen als auch Privathaushalte derzeit stark mit Investitionen – nicht zuletzt wegen des hohen Zinsniveaus. Deutlich werde das im Bau von Wohnungen und Häusern, aber auch bei den Konsumgütern. Ganz besonders schlecht sehen aber die Wachstumsaussichten im verarbeitenden Gewerbe aus. Betroffen sind vor allem die Investitionsgüterhersteller und energieintensive Industriezweige. "Ihre Wettbewerbsfähigkeit leidet unter den gestiegenen Energiekosten und der zunehmenden Konkurrenz durch hochwertige Industriegüter aus China, die deutsche Exporte auf den Weltmärkten verdrängen", heißt es von den Wirtschaftsforschern.
Schwächen sehen diese derzeit auch auf dem Arbeitsmarkt. Denn hier wirke sich nun der Stillstand der Wirtschaft aus. So ist die Zahl der Arbeitslosen zuletzt weiter leicht gestiegen. Auch hier sehen die Institute erst im Verlauf des kommenden Jahres eine allmähliche Erholung. jtw/dpa