Wie Frankreich, Dänemark und die Schweiz vorgehen, um möglichst viele Wärmepumpen in kurzer Zeit zu installieren und dabei die Qualität zu sichern.

Deutschland und Frankreich waren 2023 die größten europäischen Märkte für Wärmepumpen, die Schweiz hat innerhalb der vergangenen zehn Jahre den Anteil an Wärmepumpen extrem gesteigert und Dänemark zählt im Hinblick auf die Wärmepumpe seit vielen Jahren zu den wachstumsstärksten Ländern Europas. Jedes dieser Länder musste sich etwas einfallen lassen, wie möglichst schnell viele Monteure geschult werden können, ohne dass die Qualität leidet.
Wärmepumpen in Frankreich
Frankreich versucht, über Fördermittel die Qualität am Wärmepumpenmarkt zu kontrollieren. Zwar darf theoretisch jeder Heizungsmonteur Wärmepumpen installieren. Doch staatliche Fördermittel bekommen Auftraggeber nur, wenn der ausführende Betrieb das Zertifikat "QualiPAC" hat.
Um dieses Zertifikat zu erhalten, muss der Unternehmer einiges tun, erklärt Christian Meyer, der bis August Obermeister der Spengler- und Installateur-Innung Straßburg war. "Zuerst muss der Installateur eine fünftägige Schulung besuchen und sie mit einer Prüfung abschließen." Mit diesem "Wärmepumpenreferenten" an der Spitze hat der Betrieb danach ein Jahr Zeit, um auf dokumentierten Baustellen zu beweisen, dass er die Installation beherrscht. Erst, wenn das durch einen Kontrolleur bestätigt wurde, bekommt der Betrieb anschließend das QualiPAC-Zertifikat. Das Zertifikat bezieht sich nur auf die Installation. Wartungstechniker müssen weitere Anforderungen erfüllen.
Schulungen, Prüfungen und Audits kosten die Betriebe Zeit und Geld, was Christian Meyer angesichts des Fachkräftemangels besonders schmerzt. "Aber in der Praxis ist es fast unmöglich, daran vorbeizukommen", beobachtet Jean-Philippe Dolt, Generalsekretär der Straßburger Innung. Die öffentlichen Hilfen bei der energetischen Sanierung seien nur ein halber Erfolg. Selbst Eigentümer von Immobilien, die wegen mangelnder Dämmung nicht für die Wärmepumpe geeignet sind, wollten um der Zuschüsse willen auf eine Wärmepumpe umsteigen – und es gibt viele Betrugsfälle. Allein 2024 wurden der französischen Verbraucherzentrale DGCCRF schon 30.000 Verdachtsfälle gemeldet.
Wärmepumpen in Dänemark
Dänemark hat in den vergangenen zehn Jahren laut dem European Heat Pump Market and Statistics Report 2024 den Marktanteil von Wärmepumpen im Verhältnis zu Heizkesseln um mehr als 40 Prozent gesteigert. Über 91 Prozent der neu verkauften Heizungen sind Wärmepumpen. Allerdings sind mehr als die Hälfte davon reversible Splitgeräte, die im Sommer der Klimatisierung im Winter als Heizung dienen.
Um genügend Fach- und Arbeitskräfte für die Transformation am Heizungsmarkt zu bekommen, hat das Land die bestehenden Strukturen im Ausbildungsmarkt durch ein Kurssystem ergänzt. Nur zugelassene Kältetechniker dürfen Wärmepumpen installieren und an ihnen arbeiten. "Aber das Land ist schnell darin, flexible Lösungen zu finden", beobachtet Andrea Zigahn, Außenwirtschaftsberaterin an der Handwerkskammer Flensburg.
Die Ausbildung zum Kühltechniker oder Kälteanlagenbauer dauert in Dänemark 3,5 Jahre. Der Großteil des Unterrichts findet in Schulen statt, praktische Erfahrungen werden in Betriebspraktika erworben. "Für spezielle Tätigkeiten müssen sich Fachkräfte anschließend extra zertifizieren lassen", erklärt Zigahn. Wer beispielsweise an Kälteanlagen mit mehr als 2,5 Kilogramm Füllmenge arbeitet, braucht ein ISO-9001-Zertifikat, das ein Qualitätsmanagement nachweist. Für Arbeiten mit Brauchwasser und Wasserkreisläufen benötigen Unternehmen eine Betriebszulassung für SHK, für Arbeiten mit Strom eine Elektrozulassung.
"Die Kurse dauern von wenigen Tagen bis zu sechs Wochen und finden an Bildungsstätten statt, die sich über eine Arbeitgeberumlage finanzieren", so Zigahn. Angelernte Personen dürfen zwar in dem Bereich arbeiten, sie müssen aber unter der Aufsicht eines zugelassenen technischen Betriebsleiters stehen. In Dänemark gibt es nur wenige zulassungspflichtige Gewerke, Elektro und SHK gehören dazu.
Wärmepumpen in der Schweiz
Noch extremer als in Dänemark ist der Zuwachs an Wärmepumpen in der Schweiz. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre hat die Schweiz den Marktanteil an Wärmepumpen von deutlich unter zehn Prozent auf 82 Prozent gesteigert, so die EHPA.
Der Zugang zum Wärmepumpenmarkt ist nicht reglementiert. Theoretisch darf jeder Wärmepumpen installieren, so lange er für Aufgaben am Kälte- und Wasserkreislauf und der Elektrik einen ausgebildeten Fachmann hinzuzieht. Insbesondere in grenznahen Gebieten nutzen viele Anbieter den freien Zugang aus. "Leider“, sagt Georges Guggenheim, der in der Fachvereinigung Wärmepumpen Schweiz (FWS) die Abteilung Aus- und Weiterbildung leitet. "Wir haben in den Nullerjahren Feldmessungen gemacht. Die Wärmepumpen selber waren absolut okay. Aber die Planung, Auslegung und Installation waren teilweise mangelhaft, der Stromverbrauch im Schnitt zehn bis 20 Prozent zu hoch“, erinnert sich Guggenheim.
Um die Qualität zu verbessern, entwickelten in der Schweiz Branchenvertreter aus Herstellern, Lieferanten, Installateuren und Verbänden ab 2010 ein "Wärmepumpen-Systemmodul“ (WPSM). Alle Komponenten der Anlage, also Wärmepumpe, Speicher, Hydraulik, Pumpen und so weiter müssen im WPSM aufeinander abgestimmt sein, alle Prozesse von der Planung über die Inbetriebnahme bis zur Betriebskontrolle sind festgelegt. In 20 Prozent der Anlagen mit WPSM-Zertifikat werden vor Ort Stichproben durchgeführt und die Lieferanten sind verpflichtet, nach drei Jahren eine Betriebsoptimierung in Form einer Nachkontrolle durchzuführen.
Installateure, die das System nutzen, verpflichten sich zu regelmäßigen Schulungen bei der FWS. Neun Module dieser nicht formalen Weiterbildungen bietet der Verband aktuell, mit jeweils einer Dauer von ein bis zwei Tagen.Zwar gibt es in der Schweiz keinen Zwang, das System zu nutzen. Doch wer Fördermittel vom jeweiligen Kanton für die Umrüstung auf eine Wärmepumpe bis 15 kW beantragen möchte, muss das WPSM verwenden.