Der Markt für Wärmepumpen ist 2024 massiv eingebrochen. Trotzdem können sich spezialisierte Betriebe weiter behaupten. Wie sie mit solider Aus- und Weiterbildung punkten und wo es noch hakt.

Für Oliver Nick sind Wärmepumpen alles andere als neu. Schon sein Vater baute Mitte der 1980er-Jahre die Technik ein. Als Nick 2008 den Familienbetrieb übernahm, verlagerte er sich ganz auf erneuerbare Energien. Seither installiert die Nick GmbH in Leonberg ausschließlich Wärmepumpen, Lüftungsanlagen und PV-Anlagen.
Obwohl die Nachfrage nach Wärmepumpen 2024 eingebrochen ist, hat Oliver Nick alle Hände voll zu tun. "Wir haben unsere Kunden Ende des vergangenen Jahrs intensiv beraten, sodass sie ihre Förderanträge noch 2023 gestellt haben." Aktuell arbeitet der Betrieb im Schwerpunkt also Aufträge mit der letztjährigen Förderung ab, nahezu hundert Prozent Sanierung; doch auch unter den neuen Förderbedingungen kommen Aufträge hinzu.
In seinem Betrieb vertritt der 52-jährige Chef drei Gewerke. Als gelernter Elektroinstallateur hatte er nach der Ausbildung elektrische Energietechnik studiert, dann die Zusatzausbildung nach § 7a Handwerksordnung für Ölkessel und Sanitärtechnik absolviert und schließlich ein zweites Studium in Versorgungs- und Umwelttechnik, Schwerpunkt Heizung und Klimatechnik angehängt, um auch die Kältetechnik abdecken zu können.
Azubis können nicht im Schwerpunkt geprüft werden
Vier Auszubildende hat der Betrieb aktuell, zwei im Elektro-, zwei im Sanitär-Heizung-Klima-Handwerk (SHK). Doch darf Nick seine angehenden Anlagenmechaniker nicht mit dem Schwerpunkt "Erneuerbare Energien" anmelden. "Vor etwa zwei Jahren kam vierzehn Tage vor der Gesellenprüfung eines Azubis ein aufgeregter Anruf vom Prüfungsausschuss", erinnert sich Nick; den von ihm gewählten Ausbildungsschwerpunkt "Erneuerbare Energien und Umwelttechnik" könne niemand vor Ort prüfen. "Die Schulen sind bisher nicht dafür ausgestattet, die Lehrer nicht dafür ausgebildet", erkennt Nick. Kurzfristig meldete er seinen Auszubildenden bei der Handwerkskammer um und lässt jetzt notgedrungen immer den Schwerpunkt Heizungstechnik eintragen, obwohl "Erneuerbare Energien und Umwelttechnik seit 2016 Bestandteil der Ausbildungsordnung sind.
Auch aus dieser Erfahrung heraus würde er sich einen eigenen Ausbildungsberuf wünschen, der alle drei Gewerke verbindet: "Das Wichtigste aus der Heizungstechnik, der Kältetechnik und der Elektrotechnik." Von kurzen Qualifikationsmaßnahmen hält er dagegen wenig, viel zu komplex seien die Inhalte. Nach seiner Erfahrung falle es schon manchem voll ausgebildeten Anlagenmechaniker schwer, sich die nötigen Kenntnisse anzueignen, um den Überblick über die Gesamtanlage einer Wärmepumpe zu haben. "Wenn er sich nicht wirklich gut fortbildet, ist der nicht der Richtige für die Wärmepumpe."
Wärmepumpenkunden über optimierte Website
Umut Özdemir hat genau das erlebt. Als Meister im SHK-Handwerk arbeitete er anfangs als Angestellter, später im selbst gegründeten Betrieb. "Meine Jungs dort waren gut. Trotzdem hat doch immer ein gewisses Bisschen gefehlt, ich musste draußen immer mithelfen." Mittlerweile hat er sich mit Freunden aus seiner Schulzeit unter dem Namen "Greenblocks" zusammengeschlossen. In Bad Homburg decken sie die drei Bereiche Photovoltaik, Wärmepumpe und energetische Sanierung ab.
Özdemir, ein weiterer Meister, fünf Gesellen und zwei Auszubildende sind für den Bereich Wärmepumpen zuständig. Vertrieb, Buchhaltung, aber auch die Heizlastberechnung übernehmen Kollegen aus dem Team. Außerdem gibt es einen Energieberater, der prüft, ob Sanierungen an Fassade, Dach oder Fenstern nötig sind, damit eine Wärmepumpe wirtschaftlich ist. "Das funktioniert ziemlich gut, weil meine Kollegen die Webseite entsprechend optimiert haben", freut sich der 34-Jährige über viele Aufträge.
Das Wissen um die Wärmepumpe musste sich Özdemir nach und nach selbst aneignen. Denn auch in seiner Ausbildungszeit sei das Thema nicht behandelt worden, bestätigt er. Herstellerschulungen, Schulungen nach VDI 4645 zur Planung von Heizungsanlagen mit Wärmepumpen in Ein- und Mehrfamilienhäusern, vor allem aber die praktische Erfahrung in der täglichen Arbeit haben ihn immer tiefer in die Wärmepumpentechnik eindringen lassen.
Aber auch nach mehr als zehn Jahren Berufserfahrung mit Wärmepumpen besucht er weiterhin regelmäßig Schulungen. "Die Wärmepumpe ist einfach schwieriger als Gas. Man muss da am Ball bleiben."