Geldanlage für Senioren Ruhestand: So sieht eine gute Vermögensplanung aus

Wie soll ich mein Geld anlegen, wenn ich das Rentenalter erreicht habe? Eine schnelle Antwort wäre: Reduzieren Sie Ihr Risiko. Das wird oft mit einer Senkung der Aktienquote gleichgesetzt. Schließlich möchte man nicht stark schwankenden Börsenkursen ausgesetzt sein, wenn das angesparte Kapital dazu dienen soll, die Rentenlücke im Alter zu schließen. Das klingt erst einmal vernünftig, greift aber zu kurz.

Hand steckt Geldmünzen in Sparschwein.
Wer sorgenfrei den Ruhestand genießen will, sollte bei der Geldanlage nicht nur die Lebenserwartung, sondern auch die eigenen Lebensumstände beachten. - © Wellnhofer Designs – stock.adobe.com

Oft wird die Faustformel "Aktienquote ist gleich 100 minus Lebensalter" für die Geldanlage herangezogen. Der Gedanke dahinter: Wer jung ist, hat einen langen Anlagehorizont und kann damit Schwankungen am Aktienmarkt besser aussitzen. Für den Renteneintritt mit 65 bedeutet dies nach obiger Formel eine Aktienquote von 35 Prozent bei 65 Prozent Anleihen. Im Durchschnitt der letzten 50 Jahre ließe sich damit eine Rendite von rund 4,75 Prozent erzielen. Konsequenterweise müsste mit zunehmendem Alter die Aktienquote immer weiter gesenkt werden. Mit entsprechenden Auswirkungen auf die Rendite. Nach Abzug der Inflation ist schnell der Punkt erreicht, wo das Vermögen nicht weiter wachsen kann und die Entnahmen den Kapitalstock abschmelzen.

Langlebigkeit wird zu selten beachtet

Besser ist es, die Langlebigkeit zu beachten. Die durchschnittliche Lebenserwartung für Männer beträgt in Deutschland aktuell rund 78 Jahre, für Frauen rund 83 Jahre. Rechnet man das leider immer noch relativ hohe Sterberisiko von Kindern im ersten Lebensjahr heraus, werden die meisten Männer statistisch gesehen heute bereits 87 Jahre alt, die meisten Frauen 90 Jahre.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit muss daher das Kapital nach dem Renteneintritt nicht nur 20, sondern 30 oder mehr Jahre reichen. Die gute Nachricht: Senioren haben nach dem Renteneintritt noch einen beachtlichen Anlagehorizont. In dieser Phase darf Ihr Geld mit unterschiedlichen Anlagehorizonten arbeiten.

Das müssen Sie bei der Vermögensplanung beachten

Mein Tipp: Erstellen Sie eine Vermögensplanung. Das Geld, das Sie zur Aufbesserung Ihrer Rente in den ersten zehn bis 15 Jahren benötigen, legen Sie defensiver und schwankungsarm an. Abhängig von der persönlichen Risikotoleranz kann die Aktienquote zwischen 30 und 50 Prozent liegen. Eine Notfallreserve sollte auf einem anständig verzinsten Tagesgeldkonto schwankungsfrei und jederzeit verfügbar sein.

Was erst später benötigt wird, darf stärker schwanken und mehr erwirtschaften. Wie hoch die Aktienquote konkret sein kann, entscheidet das persönliche Risikoempfinden und die Schwankungstoleranz. Einige meiner älteren Kunden fühlen sich mit Aktienquoten zwischen 60 und 80 Prozent wohl.

Planung regelmäßig anpassen

Wie in jedem Alter gilt: Passen Sie Ihre Planung regelmäßig an die Lebensumstände an. Dazu gehören veränderte Wünsche und Bedürfnisse im fortschreitenden Alter, familiäre Veränderungen, die Gesundheit und das möglicherweise veränderte Risikoempfinden. Es kann sinnvoll sein, die Notfallreserve sukzessive aufzustocken, um einer eventuellen Pflegebedürftigkeit besser begegnen zu können. Zudem gilt: Breit gestreut in einzelne Aktien, Fonds oder ETFs zu investieren, reduziert das Risiko.

Zum Autor: Dörte Mehlhorn ist Vermögensverwalterin bei der Ringelstein & Partner Vermögensbetreuung in Essen.