Je nach Alter und Berufsstand spornen unterschiedliche Dinge zum Tun an. Arbeitgeber können diese Job-Motivatoren nutzen, um Mitarbeiter langfristig an ihren Betrieb zu binden. Karrierecoach Attila Albert verrät, wie das geht.

"Beim beruflichen Einstieg machen sich Berufstätige oft noch wenige Gedanken darüber, warum sie überhaupt arbeiten. Man tut es einfach", sagt Karrierecoach und Buchautor Attila Albert (51, Buch: "Ich brauch keinen Purpose, sondern Geld"). "Gerade in jungen Jahren sind die Ziele und Wünsche meist sehr praktisch: Ein gutes Einkommen, sich eine Wohnung und ein Auto leisten können. Natürlich soll die Arbeit auch interessant sein und die Möglichkeit bieten, sich einbringen und weiterentwickeln zu können." Später verändert sich das: "Wer verheiratet ist und Kinder hat, achtet stärker auf Sicherheit und Vereinbarkeit mit Familie. Und ab der Lebensmitte kommt die Sinnfrage auf: Wofür rackere ich mich eigentlich ab?"
Was ist mein "Purpose"? 8 wesentliche Job-Motivatoren
Attila Albert hat in seinem Buch über Purpose (deutsch: Grund, Absicht, Ziel oder Sinn) acht Job-Motivatoren identifiziert:
- Geld
- Vereinbarkeit mit der Familie
- ein gutes Team
- Karrierechancen
- die Möglichkeit, dazuzulernen
- Vereinbarkeit mit gesundheitlichen Bedürfnissen
- Spaß
- Sinnhaftigkeit
"Sie haben alle ihre Bedeutung, sind aber je nach Persönlichkeit und Lebenssituation unterschiedlich wichtig", meint Albert. "Nur wenige sprechen dagegen die weltverbesserischen Slogans – globale Sozialfragen, Klima, Gender – an, wie sie große Konzerne häufig auf ihren Karriereseiten und in der PR einsetzen."
1. Auszubildende
Für Auszubildende sind aus seiner Sicht ein gutes Einkommen, Aufstiegsmöglichkeiten und die Möglichkeit, die Arbeit mit dem Privatleben (Sport, Freunde, Hobbys) verbinden zu können, besonders wichtig. "Arbeitgeber tun gut daran, die Ideen der jungen Mitarbeiter ernst zu nehmen, insbesondere, wenn es um digitale Werkzeuge und modernere Abläufe geht. Man kann nie alles umsetzen, sollte aber prüfen, was sinnvoll und hilfreich wäre."
2. Jüngere Gesellen
Gesellen würden sich verstärkt mit Fragen der Lebensplanung beschäftigen, da die erste eigene Wohnung, ein Auto und eine feste Beziehung typisch wären. "Materielle Sicherheit wird hier wichtig, etwa ein Vertrag ohne Befristung, weil man sonst keinen Bankkredit für private Anschaffungen erhalten würde. Aber die jungen Männer wollen sich heute auch mehr einbringen, wenn sie Väter werden, wünschen sich also flexiblere Arbeitszeiten."

3. Angestellte Handwerker
Für angestellte Handwerker ist es einerseits befriedigend, wenn sie materiellen Erfolg haben und ihn auch genießen können (Urlaub, eventueller Hauskauf). "Aber nicht wenige bereiten sich darauf vor, den elterlichen Betrieb oder ein anderes Unternehmen übernehmen zu können." Wichtig dafür: Möglichkeiten der Weiterbildung (Betriebswirtschaft, Marketing) sowie eine echte Perspektive, also die schrittweise Übernahme von mehr Verantwortung.
4. Selbstständige Handwerker
Selbstständige Handwerker sehen sich vielen starken Herausforderungen gleichzeitig ausgesetzt, von den veränderten Kunden- und Mitarbeiterwünschen über Kostendruck bis Marktveränderungen. "Hier ist oft der größte Wunsch, Unterstützung zu erhalten, einmal durchatmen und sich erholen können", sagt Albert. "Zumal auch Partner bzw. Partnerin und Kinder ihre Ansprüche stellen." Wichtig hier: Regelmäßig Zeit für sich (zum Beispiel ein- bis zweimal wöchentlich Sport).

5. Handwerker im höheren Alter
Handwerker im höheren Alter müssen einerseits aus gesundheitlichen Gründen häufig etwas zurücktreten, wollen andererseits ihre erlernten Fähigkeiten und einmal den Betrieb weitergeben. "Dabei geht es darum, dass die eigene Anstrengung und das Lebenswerk gewürdigt und weitergeführt werden." Hervorragend geeignet ist dafür, als Mentor oder Ausbilder aktiv zu werden, früh viele Kontakte zur jungen Generation zu knüpfen.
"Wer lange genug im Berufsleben ist, wird sich in jeder dieser Situationen mit ihren jeweils eigenen Herausforderungen einmal wiederfinden", sagt Albert. "Daher zahlt es sich für einen beruflich und persönlich aus, in jungen Jahren von den Älteren zu lernen, auch wenn man dann selbst manches anders macht. Die Älteren wiederum profitieren davon, nicht die Vergangenheit zu verklären, auch wenn manches vielleicht wirklich besser war, sondern sich vor allem den Themen und Menschen von heute und morgen zu widmen."
Warum das Handwerk einen hohen Purpose hat
Viele Unternehmen stellen sich inzwischen die Sinnfrage – und definieren ihren eigenen Unternehmenszweck, ihre eigene Triebfeder und ihren positiven Beitrag für die Gesellschaft. Das Trendthema "Purpose" hat aus Alberts Sicht auch im Handwerk seine Berechtigung, aber anders, als in der oft hochmoralischen Konzern-Eigenwerbung. "Wer gute Produkte und Dienstleistungen zu einem angemessenen Preis anbietet, tut bereits ausreichend viel dafür, dass die Welt jeden Tag ein wenig besser wird", meint Albert. "Er löst damit konkrete Probleme seiner Kunden, schafft Arbeitsplätze und Einkommen für seine Mitarbeiter, Erlöse für weitere Investitionen, sorgt für Steuereinnahmen und das praktische Funktionieren der Gesellschaft. Das macht den eigenen Job wirklich sinnvoll." ew