Befehle wirken alles andere als motivierend. Sie bringen Menschen eher zu einer abwehrenden Haltung als dazu, mit Freude und eigenen Ideen Aufgaben zu erledigen. Ausbildungsberater Peter Braune erklärt, was Ausbilder mit einem Befehlston bewirken.

Ich fürchte, während der Ausbildungszeit gibt es immer noch Meisterinnen oder Meister, die in Feldherrenmanier ihrer "Lehrlingskompanie" Befehle zubrüllen. Sie haben nie gelernt, dass befehlende Anweisungen an Lehrlinge, der Ausdruck von Machtgefälle ist. So ein Befehl ist erzieherisch wenig wertvoll.
Dieser direktive Führungsstil, auch autoritärer oder autoritär-direktiver Führungsstil genannt, ist eine Art von Personalführung, bei der Vorgesetzte alle Entscheidungen alleine treffen. Diese geben sie als Anweisungen auf eine Art an das Personal und die Lehrlinge weiter, sodass sie ähnlich wie Kommandos wirken. Andere Meinungen werden nicht berücksichtigt.
Zu viele Befehle: Ausbilder mit schlechter Laune
Bei der Berufsausbildung kann das beim Lehrpersonal jedoch dazu führen, dass sie ihre Launen sozusagen an der Gruppe bzw. den Azubis auslassen. Unter Umständen mündet das in ein unheilvolles Verhalten, bis zur Unterdrückung oder zum Mobbing.
Anweisungen – als Befehl gegeben – können Unzufriedenheit bei den Lehrlingen verursachen. Fehlende Rückmeldungen bergen das Risiko, dass etwas falsch verstanden wurde. Für die Ausbilder ist es also nicht erwünscht, dass die Lehrlinge Ideen einbringen, über eine erfolgreiche Ausführung der Aufgabe nachdenken oder selbst Entscheidungen treffen. Ein Befehl schließt aus, dass sich die Lehrlinge, bei gestalterischen oder schwierigen Aufgaben, aus freien Stücken an eine neue Lage anpassen oder einmal etwas aus dem Stegreif ausführen.
Lehrlinge, die in einem engen Rahmen ausgebildet werden und immer wieder erleben, dass ihre Anmerkungen nicht erwünscht sind, geben es auf, eigene Ideen einzubringen. Dadurch wird der Einfallsreichtum stark eingeschränkt.
Eine kleine Ausnahme gilt für gefahrgeneigte Tätigkeiten, die Unfallverhütung oder Qualitätssicherung. In diesen Bereichen gibt es Aufgaben, die auch von den Lehrlingen nach bestimmten Vorschriften immer gleich zu erledigen sind, da sonst Probleme, Mängel und Verzögerungen auftreten könnten.
Hier handelt es sich jedoch auch nicht um einen Befehl, sondern um direkte Anweisungen und Ausführungen ohne Diskussionen. Natürlich erklärt man den Lehrlingen dann auch, warum das so ist. Das gilt auch für Berufe und Arbeitsbereiche, in denen Notfälle passieren können oder ein korrekter Ablauf rechtlich relevant ist.
Kommunikation statt Befehl
Eine Ausbildung im Befehlston ablaufen zu lassen und damit die Azubis auszubremsen in ihrer Kreativität und dabei selbstständig zu denken, wird sich also auch auf den gesamten Betrieb eher negativ auswirken. Ausbilder sollten sich deshalb immer mal wieder selber überprüfen, ob sie den richtigen Ton finden in der Kommunikation und im Umgang mit ihren Azubis.
Ihr Ausbildungsberater Peter Braune
Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.