Geschäftsklima im Handwerk Wie es dem Handwerk geht

Verbraucher sparen beim Konsum, Unternehmen zögern mit Investitionen – wie schlägt sich das Handwerk in diesem Umfeld? Eine aktuelle Analyse und ein Blick in einzelne Handwerksbranchen.

Nach der spürbaren Erholung im ersten Quartal 2024 hat sich die Stimmung unter Bäckern, Metzgern und Konditoren zuletzt deutlich eingetrübt. - © javiindy - stock.adobe.com

Die Wirtschaftsforscher rechnen im laufenden Jahr nicht mit einem spürbaren Wachstum in Deutschland. Blickt man der Konjunktur unter die Motorhaube, dann stellt man fest, dass der Konsum bislang nicht als der erhofft starke Antrieb funktioniert. Die verunsicherten Verbraucher halten sich trotz deutlich steigender Realeinkommen zurück.

Aber auch die Unternehmen wirken gehemmt. Sie zögern bei Investitionen in neue Anlagen. Dabei wären Ausgaben zugunsten der Digitalisierung sowie der Energieeffizienz dringend geboten. Aus Verbandskreisen ist zu hören, dass die schwer kalkulierbaren wirtschafts- und finanzpolitischen Rahmenbedingungen den Motor stottern lassen. Natürlich spielen auch teure Kredite eine Rolle. Der Fachkräftemangel sowie die im internationalen Vergleich hohen Lohn- und Energiekosten sind laut einer Umfrage der Bundesbank ebenfalls gewichtige Gründe für die schwache Investitionsdynamik.

Handwerk kämpft sich aus dem Stimmungstief

Diese Grundtendenzen lassen sich auf das Handwerk übertragen. Um mit dem Erfreulichen zu beginnen: Trotz vieler negativer Vorzeichen verfällt das Handwerk nicht in Pessimismus. In den von der DHZ untersuchten Umfragen im Juni 2024 gaben 17 Prozent der Betriebe zu Protokoll, ihre aktuelle Lage sei schlecht. 40 Prozent beurteilten sie mit gut, 43 Prozent mit befriedigend. Aus diesen Angaben resultiert ein Indexwert von knapp 123 Punkten. Damit steigt das Stimmungsbarometer um nicht ganz einen Punkt gegenüber dem Befund zu Beginn des Frühlings. Mit Blick auf die Branchen geht es – von teilweise tiefem Niveau aus – im Bau- und im Kfz-Gewerbe nach oben, außerdem stagnieren die privaten Dienstleister. Die übrigen Branchen fallen zurück.

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Betrachtet man die Umsatzentwicklung, wird aber deutlich, dass die Konjunkturrisiken weiter hoch bewertet werden müssen. Jeder vierte Teilnehmer berichtet von schwindenden Einnahmen im zweiten Quartal 2024. Das ist nicht nur ­saisonuntypisch, sondern verglichen mit dem langjährigen Mittelwert für ­diesen Zeitraum (19 Prozent) auch ernüchternd. Im ersten Quartal 2024 waren die nominalen Umsätze im deutschen Handwerk um 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr geschrumpft.

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Zeichen stehen auf Personalabbau

Leider geben die Umfragewerte in puncto Personalentwicklung ebenfalls keine Entwarnung. Jede sechste Handwerksfirma registrierte zwischen März und Juni ein Minus. Dabei gerät die Beschäftigung sowieso unter wachsenden Druck, weil mehr und mehr Babyboomer in Rente gehen und die Bindung der Arbeitnehmer an ihren Betrieb abnimmt.

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Auftragseingang für die Jahreszeit zu schwach

Quer über alle Branchen meldeten im Frühjahr 29 Prozent der Betriebe einen Rückgang bei den Bestellungen. Diese Quote markiert eine erhebliche Verschlechterung gegenüber dem Zehn-Jahres-Durchschnitt. Die Reichweite der Auftragsbestände bewegte sich mit 2,3 Monaten nur noch knapp darüber. Drei von zehn Befragten erachteten die Reserven als zu niedrig für die Jahreszeit.

Branchentrends: Nur müdes Interesse an E-Autos

Im Bauhauptgewerbe ist die Nachfrage gespalten. Vor allem im gewerblichen Tiefbau kommen noch Bestellungen herein. Auslöser sind Großprojekte, insbesondere im Bereich der Energieversorgung und im Schienenausbau. Dagegen herrscht im Wohnungsbau Tristesse bei allen Beteiligten.

Auch Heizungsbauer und Elektrotechniker registrierten im laufenden Jahr Umsatzeinbußen. Zwar haben die Branchen mit der Installation von PV-Anlagen, Batteriespeichern, Wallboxen oder Wärmepumpen wachstumsstarke Geschäftsfelder im Portfolio. Die fehlenden Neubauaufträge lassen sich aber nicht mehr durch das Sanierungsgeschäft kompensieren. Aus Sicht der Fachverbände herrscht seit Inkrafttreten des Gebäudeenergiegesetzes Verunsicherung. Die Frage nach der kommunalen Wärmeplanung oder der am besten geeigneten Technologie treibt viele Heizungskäufer um.

Nach dem kompletten Wegfall der staatlichen Kaufprämien finden Elektroautos im laufenden Jahr weniger Abnehmer als 2023. Die Nachfrage nach neuen Verbrennern und Plug- in-Hybriden gleicht dies jedoch aus. Zudem läuft es am Gebrauchtwagenmarkt besser. Die Kfz-Werkstätten sind gut ausgelastet, auch weil der Kfz-Bestand älter wird.

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Die handwerklichen Zulieferer durchlaufen eine Auftragsdelle. 2,2 Monate reichten die Bestellungen Ende Juni in die Zukunft; damit sinkt die Reichweite im Vorjahresvergleich um 0,2 Monate. Ursächlich ist die schwache Industriekonjunktur.

Die Stimmung unter Bäckern, Metzgern und Konditoren hat sich zuletzt deutlich eingetrübt. Nach der spürbaren Erholung im ersten Quartal 2024 wurden die Betriebe bitter enttäuscht. Mutmaßlich lassen sich die kräftige Teuerung im Einkauf und bei den Lohnkosten nicht mehr so einfach auf die Kunden überwälzen.

Die privaten Dienstleister waren zuletzt nicht optimistischer als Ende März. Steigende Insolvenzzahlen und ein nicht mehr so aufnahmefähiger Arbeitsmarkt machen die Konsumenten vorsichtiger.

Gesamtwirtschaft steckt fest

"Die deutsche Wirtschaft steckt in der Krise fest", sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der Konjunktur­umfrage beim Ifo-Institut in München. Auch für das dritte Quartal sei kaum Besserung zu erwarten. In der Industrie fehle es vor allem an Neuaufträgen. Die Beurteilung der aktuellen Lage war im Juli auf den tiefsten Wert seit September 2020 gesunken. Die Geschäftserwartungen für die kommenden Monate hätten sich deutlich eingetrübt. Ebenso schleppend laufe es beim privaten Konsum. Einzig der Pkw-Absatz sei im Juni überraschend hoch gewesen. Entsprechend zurückhaltend seien die Unternehmen auch bei der Personalplanung. Die Bereitschaft, Leute einzustellen, sinke. Umgekehrt werde der Abbau von Arbeitsplätzen diskutiert. fm