"Ich möchte andere inspirieren" Tom Klein: Vom Problemschüler zum Raumgestalter und TV-Gesicht

Heute ist Tom Klein selbstständiger Handwerker, tritt in Fernsehsendungen wie "Guidos Deko Queen" oder dem "ZDF-Fernsehgarten" auf und gibt Do-it-yourself-Kurse bei einer großen Möbelhaus-Kette. Dabei waren seine Kindheit und Schulzeit alles andere als einfach und vorbildlich. Mit seiner Geschichte will er anderen "Problemkindern" Mut machen und einen Ausweg aufzeigen.

Tom Klein im ZDF Fernsehgarten
ZDF-Fernsehgarten: Seinen letzten Auftritt hatte Tom Klein am 7. Juli dieses Jahres. - © Privat

"Damals war ich ein Problem-Sonderschüler ohne wirkliche Perspektive", erinnert sich Tom Klein an seine Kindheit zurück. Doch der 29-Jährige hat sich gefangen. Ein Umdenken während der Schulzeit legte dafür den Grundstein. Aber auch das Handwerk und eine befreundete Malermeisterin spielten eine wichtige Rolle. Inzwischen blickt Klein stolz auf das Erreichte: Er ist selbstständiger Raumausstatter, hat tausende Follower auf Instagram und regelmäßige Fernsehauftritte bei Vox und ZDF.

Problemschüler von Anfang an

Kleins Kindheit war begleitet von Geldsorgen. Er lebte mit seiner alleinerziehenden Mutter und seiner älteren Schwester zusammen. Als Kind sei er "zu aktiv, aufgedreht und laut" gewesen, sagt Klein über sich selbst. Deshalb habe er sowohl die Grundschule als auch die Vorschule verlassen müssen. Klein landete in einer Sonderschule und absolvierte hier die erste bis vierte Klasse. Danach wechselte erst auf die Hauptschule, wo es wieder Probleme mit Mitschülern gegeben habe. Es folgte ein weiterer Schulwechsel.

In der siebten Klasse wurde ihm klar, dass es mit seinem Verhalten und seinen schulischen Leistungen so nicht weitergehen könne. Er habe gemerkt, dass er etwas ändern müsse und dass Schule wichtig sei. Und seine neue Einstellung zeigte Wirkung: "In der achten und neunten Klasse war ich Klassensprecher und auch stellvertretender Schulsprecher." In der zehnten Klasse wechselte er in das Modell seiner Schule, in dem er den Realschulabschluss machen konnte. Klein bestand mit einem Notendurchschnitt von 1,3.

Tom Klein: "Ich will nicht ins in Büro, ich will etwas Handwerkliches machen"

Nach der Schule begann Klein eine Ausbildung zum Hotelfachmann. Nach erfolgreichem Abschluss arbeitete er zunächst weiter im Hotel, bevor er in den Einzelhandel wechselte. "Das wurde aber immer mehr zu einer Bürotätigkeit und ich bin überhaupt kein Büromensch", erzählt er. Unsicher über seine berufliche Zukunft begann er ein Praktikum bei einer befreundeten Malermeisterin: "Sie war Soloselbstständige und hatte den Betrieb von ihrem Vater übernommen." Dort entdeckte Klein seine Leidenschaft für das Handwerk: "Ich habe nicht nur bei Malertätigkeiten geholfen." Die Aufgaben drumherum hätten ihm viel Spaß gemacht. Er habe Gardinenstangen angeschraubt, Lampen montiert und Möbel aufgebaut. Der Raumgestalter erzählt: "Oft waren wir bei Studenten oder Studentinnen, die selbst nicht in der Lage waren, Löcher in die Wand zu bohren, etwas Aufwändiges zu montieren oder zu befestigen."

Dabei merkte Klein, dass ihm diese Aufgaben Spaß machten und auch eine große Nachfrage bestand. So kam er auf die Idee, diese Tätigkeiten als Raumgestalter anzubieten. Corona und der Renovierungs-Hype spielte ihm bei der Existenzgründung in die Karten: "2020 habe ich mich während der Corona-Zeit selbstständig gemacht und das war die beste Entscheidung meines Lebens". Seine Kunden kommen vor allem aus dem privaten Bereich, als Beispiele nennt er Studenten und alleinerziehende Mütter.

Tom Klein bei Deko Queen
"Guidos Deko Queen": Seit drei Jahren ist Tom Klein ein fester Bestandteil der Vox-Sendung. - © Privat

"Ich möchte meinen Kunden helfen, ihre Wünsche und Träume zu verwirklichen", sagt Klein. Als Raumgestalter erstellt er das komplette Raumkonzept: "Der Kunde teilt mir seine Wünsche mit und gibt mir ein Budget". Der Düsseldorfer überlegt dann, wie er den Raum schön gestalten kann, kauft unter anderem Möbel, Vorhänge, Lampen, Besteck, Kissen, Handtücher, Schüsseln, Teller, Tapeten und Farben. Wenn alles geplant und eingekauft sei, bringt er Fußleisten an, richtet alles ein und baut Möbel und anderes zusammen. Seine Arbeitsbereiche sind meist Wohnzimmer, Küchen, Schlafzimmer und andere typische Räume des täglichen Lebens.

Bei größeren Projekten, beispielsweise in Hotels, arbeitet er mit Handwerkern anderer Gewerke zusammen. Und bei der Einrichtung von Ferienwohnungen ist er auch mal in der Schweiz oder in Portugal unterwegs. "Das ist natürlich für Handwerker richtig cool, da ist die Sprachbarriere das kleinste Problem. Wenn du mit deinen Händen etwas machen kannst, dann geht das überall auf der Welt." Das habe auch seine Reise mit der Eurwanda Handcraft Foundation nach Ruanda gezeigt, wo er beim Bau und der Einrichtung eines Kinder- und Jugendzentrums mitwirkte.

Über 30.000 Menschen folgen Tom Klein auf Instagram

In den sozialen Medien ist Klein als "Raumgestalter Tom" bekannt, sein Hauptfokus liegt auf der Plattform Instagram: "Dort ist einfach die größte Masse an potenziellen Kunden." Seine 30.800 Follower (stand 14. August 2024) kämen größtenteils aus Nordrhein-Westfalen und auch viel aus Düsseldorf und Umgebung, was ihm sehr in die Karten spiele.

Durch seinen Instagram-Account sind auch Fernsehsender wie Vox und das ZDF auf den Raumgestalter aufmerksam geworden. Seit drei Jahren ist der Raumgestalter fester Bestandteil der Vox-Sendung "Guidos Deko Queen". "In der Sendung haben die Kandidatinnen acht Stunden Zeit, einen Raum umzugestalten. Am Ende bewertet Kretschmer den Raum. Die einzige Vorgabe ist ein Motto, das variiert: "Das kann zum Beispiel eine bestimmte Farbe für den Raum sein", erklärt Klein. Dann müsse er mit seiner Kandidatin den Raum entsprechend gestalten und am Ende das schönste Ergebnis der Sendung abliefern. Dafür steht ihnen ein Budget von 2.500 Euro zur Verfügung. Kleins Aufgabe als "Deko-Boy" besteht darin, die Kandidatin handwerklich zu unterstützen, alles aufzubauen und zu montieren. Mittlerweile sei er bei rund 50 Episoden dabei gewesen. "Für eine 45-minütige Folge bin ich auch mal vier Tage unterwegs", gibt er Einblicke in die aufwändige Produktion.

Auftritte im "ZDF-Fernsehgarten"

Tom Klein und Andrea Kiewel
ZDF-Fernsehgarten: Tom Klein neben der Moderatorin Andrea Kiewel. - © Privat

Zuletzt war Klein auch häufiger beim ZDF-Fernsehgarten zu sehen. Dort präsentierte er den Zuschauern und dem Live-Publikum Do-it-yourself (DIY)-Projekte zum Nachmachen für zu Hause. Etwa wie man aus Bierkisten, Kabelbindern und einer Bambusmatte eine temporäre Bar baut. Überrascht zeigt sich Klein vom Publikum vor Ort: "Ich dachte, die meisten wären etwas älter, aber der Altersdurchschnitt hat eher etwas von einem Festival." Seinen letzten Auftritt hatte er am 7. Juli dieses Jahres.

DIY-Kurse in Zusammenarbeit mit Ikea

In Zusammenarbeit mit dem Möbelhaus bietet Klein außerdem DIY-Kurse in drei Ikea-Filialen an. Jeden Monat findet an einem Samstag in jedem Einrichtungshaus ein Kurstag statt: "Ein solcher Tag besteht aus drei einzelnen Terminen, die jeweils 90 Minuten dauern." Der Raumgestalter arbeite dabei mit Gruppen von maximal 30 Besuchern zusammen. Thema und Inhalt bestimme er selbst. "Ziel ist es, die Produkte persönlich und individuell zu gestalten, sodass sie nicht mehr typisch Ikea aussehen, sondern eine eigene Note haben." Der 29-Jährige gibt zu Beginn ein kurzes Briefing, dann gibt er Tipps für die Gestaltung und steht den Teilnehmern bei Bedarf helfend zur Seite.

Bisher hat Klein im Kurs zum Beispiel Teppiche oder Kissen bemalt, Möbel lasiert, Wandteppiche gestaltet oder Teller und Gläser beschriftet. Unter Themen wie "Sommer", "Urlaub" oder "Sonne" entstehen so Geschenke und Dekorationen für verschiedene Veranstaltungen oder die eigene Wohnung. Für manche Teilnehmer ist es auch ein kleiner Fanmoment: "Viele kennen mich aus dem Fernsehen, dementsprechend werden auch nach den Kursen regelmäßig Fotos mit mir gemacht."

Arbeitsalltag und Zukunftspläne

Trotz seines abwechslungsreichen Berufslebens, stehe sein Handwerk für ihn immer an erster Stelle. Danach richte sich auch sein Arbeitsalltag: "Als Soloselbstständiger ist es eigentlich immer stressig". Sein Tag beginne immer mit Büroarbeit, Terminplanung, Kundenanfragen und anderen organisatorischen Aufgaben. Tagsüber nehme er Kundentermine wahr und arbeite auf seinen Baustellen: "Meine Social-Media-Arbeit läuft dann nebenbei." Für seine Termine bei Ikea blocke er sich seine drei Samstage im Monat und für das Fernsehen sei er immer auf Abruf. Hier bekomme er, wenn es gut läuft, erst zwei Wochen vor dem Dreh die Anfrage. Für die Zukunft könne sich der Raumgestalter eine eigene Fernsehsendung vorstellen: "Das wäre schon sehr cool. Aber es muss auf jeden Fall eine Sendung rund ums Handwerk sein."