Waschen, schneiden, fliegen Der Friseur, der 10.000 Euro für einen Haarschnitt nimmt

Einmal Haare schneiden, 10.000 Euro bitte! Dieses Angebot klingt erstmal überteuert. Doch Friseurmeister Tim Schädlich aus Hessen punktet damit bei seinen Kunden. Und auch seinen Mitarbeitern macht er exklusive Angebote. Einblicke in ein besonderes Geschäftsmodell.

10.000 Euro Haarschnitt
Eine Fahrzeugfolierung, die neugierig macht: der "10.000 Euro-Haarschnitt" auf dem Smart von Friseurmeister Tim Schädlich. - © Schädlich

In den Friseursalons von Tim Schädlich werden nicht nur Haare geschnitten. Für jeden Kunden gibt es ein individuelles Verwöhnprogramm – ein Komplettpaket, das sich von vielen anderen Salons unterscheidet. "Es ist wie bei einer teuren Luxustasche. Die Menschen kaufen sie nicht, weil sie so hochwertig ist, sondern, weil sie Teil von etwas Besonderem sein wollen. Deshalb kommen sie zu uns", sagt Schädlich.

Neben einem Begrüßungstee stehen ein Kopfhautcheck, eine individuell abgestimmte Kopfhautlotion, warme Kompressen, Handcreme und ätherische Öle auf dem Programm. Zweimal im Jahr gibt es sogar ein kostenloses Trend-Make-Up. Die Kunden geben dafür oft mehr als hundert Euro aus und kommen wieder.

"Wir bringen unseren Kunden Wertschätzung entgegen und binden sie so an unseren Betrieb", sagt Schädlich. "Das gesamte Programm ist sehr umfangreich. Ich vergleiche es gerne mit einem guten Hotel. Dazu gehören auch Frühstück, Mittag- und Abendessen."

Wertschätzung auch für Mitarbeiter

Auch seinem 30-köpfigen Team bietet Schädlich besondere Extras an: Firmenwagen, exklusives Essen oder Yoga-Kurse. Seine Azubis dürfen so viele Kurse buchen, wie sie wollen – egal, ob Schnitte, Farbtechniken oder Kosmetik. "Und ich finanziere ihnen auch den Make-up-Artisten parallel zur Ausbildung", sagt Schädlich. Eine private Zusatzausbildung, die mehrere tausend Euro kosten kann.

Dennoch ist die Azubi-Suche auch für Schädlich nicht immer einfach. Dafür kann er die meisten seiner Azubis übernehmen. Die letzten sechs Friseure, die er fest eingestellt hat, haben alle bei ihm gelernt.

Seine Mitarbeiter bezahlt er nach einem Provisionsmodell. "Nehmen wir ein Beispiel, einer meiner Friseure verdient 3.000 Euro brutto. Dann muss er schauen, dass er 12.000 Euro Umsatz im Monat erwirtschaftet. Alles darüber hinaus darf er behalten", erklärt Schädlich. Seine Mitarbeiter würden direkt bei der Abrechnung an der Kasse sehen, wie viel sie in dem Monat schon erwirtschaftet haben. Das sei eine zusätzliche Motivation. Wichtig ist Schädlich zu betonen, dass keiner seiner Mitarbeiter für den Bonus Überstunden leisten muss.

Besonders gerne stellt Schädlich Mütter ein. "Mütter sind super Mitarbeiter. Die sind motiviert und froh, wenn sie arbeiten dürfen und mal raus sind von zu Hause." Daher zahlt Schädlich zum Beispiel auch die Kinderbetreuung.

Friseurmeister Tim Schädlich
Friseurmeister Tim Schädlich

1.000 Euro für einen Haarschnitt in New York, 10.000 Euro für eine neue Frisur in Los Angeles

Eine besondere Aktion, die seinen Salon ebenfalls von anderen Salons abhebt, ist der 1.000 Euro Haarschnitt. "Ich wollte mal etwas anderes machen und habe einfach nur '1.000 Haarschnitt – Tim Schädlich' auf meinen Smart geschrieben. Das hat viele neugierig gemacht."

Den Haarschnitt gab es allerdings nicht in seinem Salon in Eltville in Hessen, sondern in New York. Flug, Übernachtung, Essen und Begleitprogramm – unter anderem eine Fahrt im Ferrari durch New York – zählten zum Programm. Der Friseur und seine Kunden waren begeistert von dem einmaligen Erlebnis. "Klar werden die Kosten mit den 1.000 Euro nicht gedeckt", sagt Schädlich. "Aber man muss auch mal was Neues ausprobieren und aus dem Alltag ausbrechen."

Ein Jahr später bot der Friseur dann den 10.000 Euro Haarschnitt an. Für den Preis gab es einen Flug in der Businessclass nach Los Angeles und ein ausgefallenes Programm dazu. Auch diese Reise könne man so nur bei ihm buchen, was unter anderem an Schädlichs exklusiven Kontakten vor Ort liege. In diesem Jahr steht die vierte Aktion an. Wahrscheinlich geht es nach Miami.