Zu viel Verantwortung, wenig Routine, die Angst, etwas falsch zu machen. All das kann Azubis unter Druck setzen. Ausbildungsberater Peter Braune erklärt, woran Ausbilder eine Überforderung erkennen und wie ein klärendes Gespräch mit dem Azubi ablaufen sollte.

In einer Bäckerei erhalten die Bäckerlehrlinge schon bald nach der Probezeit verantwortungsvolle Aufgaben. Während einer Unterrichtsstunde in der Berufsschule tauschen sie ihre Erfahrungen mit den Lehrlingen aus anderen Betrieben aus. Gegen Ende der Stunde bekommen sie von der Lehrerin einen Rat.
Wer sich noch nicht für qualifiziert genug hält, um bestimmte Tätigkeiten im Zusammenhang mit einem Lernziel aus dem betrieblichen Ausbildungsplan gerecht zu werden, sollte das unbedingt mit den Meisterinnen und Meistern besprechen.
In diesem Rahmen machen die Bäckerlehrlinge dann ganz deutlich, dass sie sich von so viel Verantwortung unter Druck gesetzt fühlen. Außerdem würde nach ihrer Einschätzung in Berufen mit gefahrengeneigten Tätigkeiten eine gewisse Unfallgefahr bestehen.
Die Auszubildenden sollten vereinbaren, etwas von der Verantwortung abgeben zu dürfen. Wenn sie die entsprechende Berufserfahrung gesammelt haben und sich sicherer fühlen, könnte das entsprechende Lernziel noch einmal in Angriff genommen werden.
Ein in aller Ruhe geführtes Gespräch sollte nicht mit dem Satz enden: "Das schaffst du schon!"
Alle Beteiligten müssen immer daran denken, dass den Lehrlingen natürlich nur Aufgaben übertragen werden dürfen, die dem Ausbildungszweck dienen. Im Lehrbetrieb ist auch immer dafür zu sorgen, dass es ihnen geistig und körperlich gut geht.
Merkmale der Überforderung
Es gibt verschiedene Merkmale, an denen die Ausbildungsverantwortlichen eine Überforderung ihrer Lehrlinge erkennen können:
- Es bestehen unklare Vorstellungen vom Leben und der Arbeitswelt.
- Die Umstellung von der Schule in die Arbeitswelt fällt schwer.
- Die Azubis sind freudlos, lustlos und mutlos.
- Auch Krankheitssymptome könnten auf Überforderung hinweisen: Es wird immer wieder über Kopfschmerzen geklagt oder die Azubis sind anfällig für Infektionskrankheiten.
- Es gibt manchmal eine Denkblockade bei den Unterweisungen.
- Die Lehrlinge leiden unter Konzentrations- und Gedächtnisstörungen.
- Bei einer wirtschaftlich schlechten Lage hat der Betrieb die Anforderungen erhöht.
- Nicht alle Aufgaben gelingen, wenn sie eigenständig auszuführen sind.
- Es hagelte immer wieder Kritik und Standpauken gegenüber dem Azubi.
- Die Wortwahl und der Tonfall gegenüber dem Lehrling war verletzend.
- Es gab zu wenig Zeit für das Erlernen oder Ausführen der Tätigkeiten.
- Die übertragene Verantwortung war zu groß.
- Das Fachwissen reicht noch nicht aus, um selbstständig zu erarbeiten.
- Rufe nach Hilfe wurden überhört.
- Es wird über einen Abbruch der Lehre gesprochen.
Was kann unternommen werden, wenn Lehrlinge überfordert sind?
Ein Gespräch hilft, um zu genauer ermitteln, warum sich die Lehrlinge den aktuellen Aufgaben nicht gewachsen fühlen. Ein paar Beispiele, was dabei zu klären wäre:
- Gibt es vielleicht eine private Belastung, die eine Leistung beeinträchtigt?
- Liegt die Überforderung an zu vielen oder schwierigen Ausbildungsinhalten?
- Reicht die Schulbildung aus?
- Wie steht es mit der geistigen und persönlichen Reife?
- Sind die Fähigkeiten vorhanden, die für den Beruf vorausgesetzt werden?
- Gibt es im Betrieb die Möglichkeit, auf die Mängel einzugehen?
- Steht genügend Personal und Zeit zur Förderung zur Verfügung?
- Was ist möglich, um eine Überforderung der Lehrlinge zu vermeiden?
Weitere To-dos:
- Klar besprechen, was gefordert wird.
- Lernziele wiederholen, deren Vermittlung zu schnell war.
- Eine Ausbildungseinheit in zwei Einheiten aufteilen.
- Mehr Übungs- und Wiederholungsphasen einplanen.
- Zu mehr Fragen anregen.
- Den Zusammenhang von Lernziel und späterer Arbeit erklären.
- Eine andere Methode zur Vermittlung wählen.
Ihr Ausbildungsberater Peter Braune
Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.