Studie Mittelstand: Belastung durch Bürokratie so hoch wie nie

Mehr als 80 Prozent der Mittelständler sagen, dass die steigende Bürokratie ihren Geschäftserfolg belastet. Das zeigt eine aktuelle Umfrage. Auch sinkt die Bereitschaft, zu investieren. Andere Probleme nehmen jedoch ab.

Figur in Anzug von Papier überschüttet. Symbolbild Bürokratie.
82 Prozent der Mittelständler beklagen, dass die steigende Bürokratie ihren Geschäftserfolg belastet. - © Ulia Koltyrina - stock.adobe.com

Im Mittelstand klettert die Belastung durch Bürokratie auf ein Allzeit-Hoch. So geben 82 Prozent der Firmen an, dass sie zunehmende Bürokratie hemmt. Vor einem halben Jahr war dies bei knapp 75 Prozent der Fall. Das zeigt eine aktuelle repräsentative Umfrage der DZ Bank und des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) unter mehr als 1.000 mittelständischen Unternehmen. Die Sorge klettert auf den höchsten Wert seit Herbst 2013, als die DZ Bank zum ersten Mal nach den aktuellen Problemfeldern im Mittelstand gefragt hat.

Bürokratie belastet auch Mittelständler im Handwerk

Die Angst vor steigender Bürokratie umtreibt Mittelständler aller Größen und Branchen. Der Agrarsektor (93 Prozent) und das Ernährungsgewerbe (92 Prozent) fühlen sich besonders betroffen. Aber auch im Baugewerbe (82 Prozent) der Elektrobranche sowie im Metall-, Kfz- und Maschinenbaugewerbe (81 Prozent) ächzen die Firmen unter den Lasten. Damit ist das Bürokratieproblem im Mittelstand sogar größer geworden als der Fachkräftemangel, den drei Viertel der Mittelständler beklagen. Erstmals beklagt sich auch jeder zweite Mittelständler über eine zu hohe Steuerbelastung.

Auch Investitionsbereitschaft sinkt

Und auch ein weiteres Problem gewinnt laut der Studie zunehmend an Bedeutung: Die Investitionsbereitschaft im Mittelstand sinkt erneut leicht auf mittlerweile 67 Prozent. Das ist weniger als im Herbst 2020, als viele Firmen angesichts der Pandemie Investitionen zurückschraubten. Nur 19 Prozent der Firmen planen, ihre Investitionsvolumina in den kommenden sechs Monaten auszubauen.  

In den beiden vergangenen Jahren habe sich die Investitionsneigung auf einem Niveau festgefahren, das angesichts des massiven Transformationsbedarfs deutlich zu niedrig sei, so Uwe Berghaus, Firmenkundenvorstand der DZ Bank. "Das liegt daran, dass viele Mittelständler weiterhin vor allem aus einem Motiv heraus investieren: um perspektivisch Kosten zu senken."

Branchen des Handwerks wollen wieder mehr investieren

Der Blick in die einzelnen Branchen zeigt allerdings, dass sich die Unternehmen bei ihrer Investitionsneigung nicht einig sind. So nimmt sie beispielsweise bei Mittelständlern aus der Elektrobranche von 71 Prozent auf 73 Prozent zu und auch im Metall-, Kfz- und Baugewerbe (68 auf 70 Prozent) dürften in den nächsten Monaten mehr Gelder in Investitionen fließen. Im Agrarsektor hingegen werden die Investitionen in den kommenden Monaten vermutlich einbrechen – nur noch etwas mehr als die Hälfte der Firmen plant zu investieren.

Dass insbesondere energieintensive Sektoren wieder mehr investieren wollen, liegt laut der Studienmacher daran, dass ihnen die Energiekosten weniger stark aufs Budget drücken als noch vor eineinhalb Jahren. Heute sind sie noch für knapp zwei Drittel der Unternehmen ein Problem – im Herbst 2022 beklagten sich noch fast 88 Prozent darüber. Auch teure Rohstoff- und Materialkosten stellen nur noch für jeden Zweiten ein Problem dar, während es im Herbst 2022 noch bei vier von fünf Befragten so war. ew