Mehr Schüler, weniger Lehrer – viele Schulen sind am Limit. Das zeigt der Nationale Bildungsbericht. Der Handwerksverband fordert einen besseren Übergang in die Ausbildung.

Die Bildungseinrichtungen in Deutschland arbeiten am Limit. Das macht der Nationale Bildungsbericht deutlich. Auf der einen Seite wurde das deutsche Bildungssystem in den vergangenen Jahren ausgebaut und mehr Geld investiert. Auf der anderen Seite machen steigende Schülerzahlen – nicht zuletzt durch die Integration von Geflüchteten – eine zunehmende Heterogenität der Schülerschaft und fehlendes Fachpersonal den Schulen zu schaffen.
Dittrich: Besserer Übergang in Ausbildung nötig
Oder wie Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger sagt: "Der Bildungsbericht zeigt, dass wir vor großen Herausforderungen stehen." Für Handwerkspräsident Jörg Dittrich bestätigt der Bericht, dass der Übergang von der Schule in die Ausbildung verbessert und die Berufsorientierung praxisnäher gestaltet werden muss. Bevor eine Ausbildung aufgenommen werde, müssten Lerndefizite in den Schulen behoben werden.
Höhere Bildungsinvestitionen sind relativ
Wie der Leiter der Studie, Kai Maaz, berichtete, sind die Bildungsinvestitionen in den vergangenen zehn Jahren um 46 Prozent auf 264 Milliarden Euro im Jahr 2022 angewachsen. Der Anteil am Bruttoinlandsprodukt habe sich im gleichen Zeitraum aber nur um 0,2 Prozent erhöht, betonte der geschäftsführende Direktor des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation.
Wieder mehr Schulabgänger ohne Abschluss
Maaz wies darauf hin, dass der Anteil der Schulabgänger ohne Schulabschluss gestiegen ist. Insgesamt hätten 2022 rund 52.300 Jugendliche ohne Abschluss die Schule verlassen. Dies seien knapp sieben Prozent. Ein Jahr zuvor seien es erst 6,2 Prozent gewesen. In der Realität dürfte die Zahl noch höher sein, denn alle die während eines Schuljahres die Schule verlassen, werden in der Statistik nicht mitgezählt. Daneben beklagten Maaz, Stark-Watzinger sowie die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Christine Streichert-Clivot (SPD), dass der Bildungserfolg in Deutschland nach wie vor stark von der sozialen Herkunft abhängt.
Schwerpunkthema: Berufliche Bildung
Mit Blick auf das Schwerpunktthema – die berufliche Bildung – forderte die Ministerin ein verstärktes Berufsbildungssystem: ein System, das junge Menschen konsequent fördert und das an die speziellen Anforderungen der modernen Arbeitswelt angepasst ist. Sie verwies dabei auf die Exzellenzinitiative berufliche Bildung. Für Maaz zeigt der Bericht, dass junge Menschen in den allgemeinbildenden Schulen nicht gut genug auf den Übergang in die berufliche Bildung vorbereitet werden. Und im Bericht heißt es: Viele fühlten sich unzureichend über Studien- und Ausbildungsmöglichkeiten informiert, und Praktika würden als hilfreich wahrgenommen.
Dittrich: Praxisnahe Berufsorientierung wichtig
Für Dittrich untermauert das Studienergebnis die "langjährige Forderung des Handwerks nach einer praxisnahen Berufsorientierung – flächendeckend und bundesweit an allen allgemeinbildenden Schulen". Auch sollten Praktikumsangebote in der gymnasialen Oberstufe ausgebaut werden. Außerdem sollten Kooperationen mit der regionalen Wirtschaft und den Kammern verbindlich in den Schulgesetzen für alle Schulformen verankert werden. Zusätzlich müssten die Länder ausreichend Zeit- und Personalkontingente für die Berufsorientierung bereitstellen. Zum erfolgreichen Übergang von der Schule in eine Ausbildung sollte seiner Ansicht nach die Einstiegsqualifizierung stärker genutzt werden. Dies gelte insbesondere für Geflüchtete.
Stark-Watzinger: Akademisierung stagniert
Wie der Bildungsbericht weiter zeigt, stagniert die "Akademisierung", also die Tatsache, dass immer mehr Schulabgänger ein Studium beginnen. Auch absolvieren immer mehr junge Menschen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit eine duale Ausbildung, betonte Stark-Watzinger. Die duale Ausbildung sei auch hier ein Erfolgsmodell.
Personalmangel in Berufsschulen wird stärker
Allerdings kämpft die Berufsbildung wie andere Bildungszweige mit einem Personalmangel. "Aktuellen Prognosen zufolge ist für Deutschland mit einer deutlichen Unterdeckung von Lehrkräften für berufliche Schulen zu rechnen", heißt es im Bericht. Die Hälfte sei über 50 Jahre alt. Für Dittrich braucht es deshalb sowohl auf Bundes- als auch auf Länderebene bildungspolitische Strategien, um Lernorte und die Qualität der Berufsausbildung zu verbessern. "Dazu gehört auch die ausreichende personelle Ausstattung in den Berufsschulen, wobei der Bedarf an Lehrkräften auch durch qualitätsgesicherte Quereinsteiger gedeckt werden kann", fügte er hinzu.