Ausbildungsabbrüche sind für Azubis und auch die Ausbildungsbetriebe nicht schön. Dennoch können sie lehrreich sein. Verschiedene betriebliche Gründe können dazu führen. In seiner Kolumne berichtet Ausbildungsberater Peter Braune über Signale, die auf einen sich anbahnenden Ausbildungsabbruch hindeuten können.

Laut Berechnungen des Bundesinstituts für Berufsbildung wurden im Jahr 2022 155.325 Ausbildungsverträge vorzeitig aufgelöst. Im Jahr 2021 waren es noch 141.207. Damit stieg die Lösungsquote auf 29,5 Prozent. Im Jahr davor lag sie noch bei knapp 27 Prozent. Ein Drittel der Ausbildungsabbrüche erfolgte in der Probezeit, ein weiteres Drittel danach, aber noch im ersten Ausbildungsjahr und weitere rund 23 Prozent im zweiten Lehrjahr. Spätere Vertragsauflösungen sind seltener.
Unterscheidet man nach Zuständigkeitsbereichen, gibt es mehr Lösungen im Handwerk (36,7 Prozent). Im Friseurhandwerk liegt die Abbruchquote sogar über 60 Prozent. Diese Zahlen sollten ein Alarmsignal sein. Das gilt nicht nur für alle Schicksale, die mit jedem der Ausbildungsabbrüche verbunden sind. Das gilt auch, wenn es um den Fachkräftemangel geht.
Ausbildung abbrechen: Azubis sehen betriebliche Gründe
Für die meisten Lehrlinge lösen betriebliche Gründe die Ausbildungsabbrüche aus.
- Da wird der betriebliche Ausbildungsplan nicht eingehalten,
- die Betreuung beim Lernen ist mangelhaft,
- zur Vermittlung der Lernziele werden ungeeignete Methoden eingesetzt,
- hilfreiche Rückmeldungen vom Ausbildungspersonal fehlen,
- mangelnde Wertschätzung.
- Es werden sehr oft ausbildungsfremde Tätigkeiten verlangt,
- Über- oder Unterforderung ist die Regel,
- es gibt immer wieder Streit mit den Beschäftigten sowie
- schlechte Eingliederung in die Arbeitsgruppe.
Diese Signale deuten auf Ausbildungsabbrüche hin
Bei den Lehrlingen sind echte Ausbildungsabbrüche kein plötzlich eintretendes Ereignis. Sie kündigen sich durch schwache Signale an. Dazu gehören:
- hohe Fehlzeiten,
- schlechte Schulnoten,
- mangelhafte Arbeitsergebnisse,
- Unpünktlichkeit,
- zunehmende Aggressivität,
- Unzufriedenheit,
- Zurückgezogenheit,
- Leistungsabfall und
- ein verändertes Verhalten.
Einige dieser Anzeichen bemerkte eine Geschäftsführerin, in deren Betrieb eine junge Frau zur Kosmetikerin ausgebildet wurde. In so einem Fall gibt es für sie verschiedene Möglichkeiten, um das Unheil abzuwenden.
Die Meisterin sucht Hilfe bei der Agentur für Arbeit. Dort wird ihr die Möglichkeit einer Kooperation vorschlagen. Im Betrieb der Kosmetikmeisterin können an vier von fünf Arbeitstagen die Praxisanteile der Ausbildung abgedeckt werden. Am fünften Tag kann die Auszubildende einen Bildungsträger besuchen, der sie gezielt bei den Dingen unterstützt, die ihr schwerfallen.
Ausbildungsabbrüche kosten Zeit, Geld und Energie
Manchmal liegen die Gründe für einen Ausbildungsabbruch bei den Lehrlingen viel tiefer. Irgendwelche ungelösten Probleme sorgen dafür, dass es nicht so richtig klappt. Und wenn diese nicht erkannt und gelöst werden, hilft der Abbruch gar nichts. Dann wird vermutlich auch der nächste Ausbildungsversuch scheitern. Die Probleme zu erkennen, dabei können bei Minderjährigen auch die Erziehungsberechtigten sehr gut helfen.
In vielen Fällen ist die Lage gar nicht so verfahren. Einige Abbrüche könnten mit einem vernünftigen Gespräch verhindert werden. Das kann auch finanziell lohnenswert sein. Nach Berechnungen des Bundesinstituts für Berufsbildung fallen für jeden Auszubildenden bis zum Ausbildungsabbruch im Durchschnitt 6.826 Euro an.
Ihr Peter Braune
Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.