Weiterbildung mit über 40 Jahren Für den Meistertitel ist es nie zu spät: 3 Beispiele

Der Meistertitel nach der Gesellenprüfung bringt viele Vorteile. Vielfach scheitert das Vorhaben aber an den Kosten, der Familienplanung oder dem Lernstress. Sind die Hürden beseitigt, lohnt sich ein zweiter Anlauf. Drei Handwerker erzählen, warum.

Giovanni Bonvissuto
Giovanni Bonvissuto macht sich bereit für die Fahrt zu Kunden. - © privat

Für Giovanni Bonvissuto war eigentlich immer klar, dass er einmal den Meister machen will. Schon in der achten Klasse hatte er einen Lehrvertrag für die Ausbildung zum Gas- und Wasserinstallateur beim SHK-Betrieb Klaus Hackert in Heilbronn in der Tasche. Nach seiner Ausbildung arbeitete er dann bei verschiedenen Firmen und blieb schließlich bei einem Sanitär-Heizung-und-Klima-Betrieb in Heilbronn hängen.

"In der Zeit bei diesem Betrieb und auch in den Jahren danach habe ich festgestellt, dass es für jeden Betrieb wichtig ist, zu schulen, weiterzubilden, die eigene Mannschaft auf dem neuesten Stand zu halten", sagt Giovanni Bonvissuto. 2007 wollte er eigentlich mit dem Meister starten. Aus privaten Gründen musste er dieses Vorhaben jedoch erstmal zurückstellen.

Schwieriger Online-Unterricht

2018 packte er es nochmal an und bereitete sich auf die Meisterprüfung vor. Dann kam Corona. "Der Online-Unterricht war für mich nicht leicht", sagt er im Rückblick. Aber er biss sich durch, lernte, mit dem Computer umzugehen, und hat es schließlich geschafft. Gleich nach bestandener Meisterprüfung meldete er seinen eigenen Betrieb an.

Über zu wenig Arbeit kann er nicht klagen. Noch schafft er es als Einzelkämpfer, die Aufträge abzuwickeln. Mitarbeiter einzustellen, eine GmbH zu gründen und auszubilden sind seine nächsten Ziele. "Gas- und Wasserinstallateur ist ein schöner Beruf. Da will ich die Jugend gern an die Hand nehmen und sie für den Beruf begeistern", sagt Bonvissuto. Mit Schulen hat er schon gesprochen. Er will Infotage anbieten und auch Praktika. Der Handwerker aus Leidenschaft kann sich auch gut vorstellen, als Dozent im Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer Heilbronn-Franken (BTZ) tätig zu werden. Ein erster Kontakt ist bereits geknüpft.

Erst die Familie

Daniel Wingerter
Daniel Wingerter in der Werkstatt der Susanne-­Finkbeiner-Schule. - © privat

Junge Leute fürs Handwerk zu gewinnen, ist auch der Antrieb von Daniel Wingerter gewesen, mit Ende 40 noch den Meister zu machen. Die Selbstständigkeit stellte er wegen der Familienplanung erstmal hinten an und war für verschiedene Fahrzeug- und Metallbau-Firmen in der Region in der Produktion und auf Montage tätig.

Der Gedanke an den Meistertitel ließ ihn jedoch nicht los. Als seine Kinder volljährig wurden und ein finanzielles Polster vorlag, griff er noch einmal an und meldete sich zur Meisterprüfung an. Parallel zur Meistervorbereitung arbeitete er an der Susanne-Finkbeiner-Schule in Heilbronn im Bereich Sonderberufsfachschule/Metalltechnik. Die Susanne-Finkbeiner-Schule hat ihm schon nach kurzer Zeit eine Festanstellung in Aussicht gestellt − nach bestandener Meisterprüfung zum Metallbauer.

Lehrbefähigung erhalten

Die Genehmigung bekam er schließlich nach einer mehrstündigen Überprüfung bei einem Unterrichtsbesuch durch das Regierungspräsidium Stuttgart. "Nach der Überprüfung wurde mir die Lehrbefähigung erteilt, seitdem darf ich offiziell als Lehrer an einer Berufsschule unterrichten", freut er sich. "Ich liebe meine Arbeit mit den Jugendlichen und die Möglichkeit, ihnen meine Leidenschaft zum Handwerk weiterzugeben", sagt er.

Als Klassenlehrer unterrichtet Daniel Wingerter heute das Fach "Handwerk und Bau". "In der Werkstatt fertigen wir kleine Werkstücke. Mir macht es große Freude, die jungen Menschen im Umgang mit Werkzeugen und Materialien zu schulen und ihnen zu zeigen, dass Handwerk vielseitig und kreativ ist und vor allem Freude bereitet", erklärt er. Der Vater von drei Kindern ist überglücklich, seine Berufung gefunden zu haben.

Bald Obermeister

Patrick Sitter
Patrick Sitter beim Tausch der Heckscheibe eines Transporters. - © privat

Sein Chef Werner Schürz hat Patrick Sitter gut zugeredet. Und ihm in Aussicht gestellt, ihn für das Amt des Obermeisters der Innung Karosserie- und Fahrzeugbau Göppingen vorzuschlagen. "Das hat mir sehr geschmeichelt und mich motiviert, nochmal die Schulbank zu drücken", gibt Sitter zu. Der Werkstattleiter Karosserie und Lack beim Autoservice Schürz in Donzdorf hat seine Ausbildung bei dem Betrieb absolviert. Im Jahr 2000 ist er zu einer Göppinger Autohaus-Gruppe gewechselt. Der Kontakt zu Schürz blieb aber bestehen.

Schürz-Geschäftsführer und Fahrzeugbaumeister Werner Schürz hat den ehemaligen Auszubildenden dann immer wieder mal im Ort angesprochen und ihn schließlich überredet, wieder bei Schürz einzusteigen. 2010 kehrte Patrick Sitter zu Schürz zurück und meldete sich bei der Handwerkskammer Heilbronn-Franken zur Meisterprüfung als Karosserie- und Fahrzeugbauer an, die er erfolgreich bestand. Nun brennt er darauf, sein Gewerk in der Innung zu vertreten.