Finanzielle Transformation Wie Handwerksbetriebe sich erfolgreich verändern können

Ein Wandel bieten auch neue Chancen für das Handwerk. Marcus Betz, stellvertretendes Mitglied des Vorstandes und Leiter Unternehmens-, Firmenkunden und Bauträger bei der Stadtsparkasse München, erklärt, wie sich Betriebe finanziell auf die Transformation vorbereiten können. Interview: Alexander Tauscher

Marcus Betz
Marcus Betz, Direktor Unternehmens-, Firmenkunden und Bauträger bei der Stadtsparkasse München. - © Marcus Schlaf

Ohne Handwerk wäre die Transformation im Mittelstand nicht möglich. Handwerker installieren Photovoltaik-Anlagen oder setzen die energetische Haussanierung um. Gleichzeitig müssen die Betriebe selbst auch einen Transformationsprozess durchlaufen. Nur dann schaffen sie es, sich an veränderte Marktbedingungen, technologische Entwicklungen oder gesellschaftliche Trends anzupassen. Tipps zu den finanziellen Aspekten der Transformation gibt Marcus Betz von der Stadtsparkasse München:

Herr Betz, viele oberbayerische Handwerksunternehmen empfinden Transformation als Belastung. Welche Chancen sehen Sie?

Ich höre das auch oft und kann es nachvollziehen. Auf den zweiten Blick bietet Transformation aber sehr viele Chancen. Nehmen Sie zum Beispiel digitale Technologien im Arbeitsprozess. Digitalisierung hilft, Zeit und Ressourcen zu sparen, zum Beispiel durch den Einsatz einer Online-Plattform bei der Kundenakquise. Außerdem bietet sich jetzt die Möglichkeit, das Serviceangebot zu erweitern oder neue Geschäftsfelder zu erschließen.

An welche Geschäftsfelder denken Sie dabei, die für unsere Handwerksunternehmen in Frage kämen?

Zunächst fallen mir Angebote aus dem Bereich erneuerbarer Energien ein, die von Unternehmen und Privathaushalten gleichermaßen stark nachgefragt werden. Die Umstellung auf Online-Vertriebskanäle, die Partnerschaft mit anderen Unternehmen oder die Ausweitung des Serviceangebots auf spezifische Nischenmärkte helfen, neue Märkte zu erschließen und das Geschäftsgebiet zu erweitern – regional, national oder sogar international. Ich denke auch an den klimaneutralen Umbau der Wärmeversorgung der Kommunen.

Wie sieht es laut Ihren bisherigen Erfahrungen in der Beratungspraxis im Bereich der Nachhaltigkeit aus?

Handwerker berichten uns, dass Nachhaltigkeit ein Alleinstellungsmerkmal oder zumindest ein Zusatznutzen sein kann, der neue Kunden anspricht. Auch für Bewerberinnen und Bewerber ist die nachhaltige Ausrichtung des Betriebs ein wichtiges Entscheidungskriterium bei der Wahl des Arbeitsgebers. Der Gesetzgeber verlangt ja die Verwendung umweltfreundlicher Materialien, die Implementierung energieeffizienter Technologien oder die Reduzierung von Abfall und Ressourcenverbrauch.

Wie unterstützt die Stadtsparkasse München ihre Kunden bei der Transformation?

Wir befassen uns schon seit mehreren Jahren inhaltlich mit der Transformation, um zu wissen, was von den Unternehmen gefordert wird. Nur so können wir ein hilfreicher Sparringspartner sein. Zudem gibt es Veranstaltungen zum Beispiel zur Nachhaltigkeit oder zur energieeffizienten Sanierung von Ein- und Mehrfamilienhäusern. Diese Termine sind gut besucht. Demnächst bieten wir unseren Firmenkunden den S-Energie-Check an. Er zeigt, welche Energieoptimierung im Unternehmen möglich ist.

Welche Dienstleistungen und Produkte bieten Sie als Stadtsparkasse München an? Welche staatlichen Förderungen gibt es, die Sie unseren Handwerksbetrieben empfehlen können?

Für die Transformation gibt es natürlich dieselben Finanzierungsangebote wie für sagen wir mal klassische Unternehmensinvestitionen. Natürlich prüfen wir bei der Finanzierung auch den Einsatz staatlicher Fördermittel. Interessante Programme zur Finanzierung der Energiewende in Unternehmen bieten zum Beispiel die KfW oder die LfA Förderbank. Dort können Kunden Gründungs-, Wachstums- oder Universalkredite beantragen. Ich denke zum Beispiel an die Sanierungskredite für Nichtwohngebäude oder Förderkredite für Innovation und Wachstum für kleine und mittlere Unternehmen. Neugründungen unterstützen wir in unserem Start-up-Center im Bereich ESG und deren Technologien.

Welcher Handwerksbetrieb fällt Ihnen spontan ein, der es geschafft hat, Nachhaltigkeit zu einem Teil seines Geschäftsmodells zu machen?

Da fällt mir ein Kunde aus dem Bereich Elektro, Heizung und Sanitär ein. Er hat nicht nur sein Firmengebäude mit Wärmepumpen ausgestattet, sondern auch seinen Fuhrpark auf E-Fahrzeuge umgerüstet. Natürlich stehen auch die entsprechenden E-Ladesäulen auf dem Firmengelände bereit. Außerdem bietet das Unternehmen seinen Mitarbeitenden ein Firmengebäude mit Wohnungen für Angestellte. Dieses Gebäude haben sie mit Photovoltaik-Anlagen nachgerüstet, für den Betrieb der E-Ladesäulen.

Wie fängt man am besten an? Nachhaltigkeit lässt sich meines Erachtens doch schwer konkretisieren?

Eine große Herausforderung ist, dass das Thema ESG umso detailreicher wird, je mehr man sich damit beschäftigt. Daher sollte man sich erst einmal in Ruhe hinsetzen und die eigene Ausgangslage analysieren.

Anhand welcher Kriterien kann ich denn meine eigene Ausgangslage analysieren?

Stellen Sie sich Fragen wie: Wo verbrauche ich die meiste Energie? Wie hoch ist mein Wasserverbrauch und wie kann ich ihn reduzieren? Was bringen womöglich eine PV-Anlage auf dem Dach oder eine Wasserwiederaufbereitung? Man könnte zum Beispiel für die Toilettenspülung auch Regenwasser verwenden.

Empfehlen Sie, dann alles auf einmal umzusetzen?

Nein, das geht nicht. Außerdem entwickeln sich Technologien. Machen Sie einen Masterplan und berücksichtigen Sie auch die Buchstaben S und G von ESG, also Soziales und die Governance, also Unternehmensführung. Soziale Maßnahmen ziehen potenzielle Bewerber und Bewerberinnen an und erhöhen die Attraktivität Ihres Betriebes.

Für eine individuelle Beratung steht Marcus Betz unter Telefon 089 2167-12700 oder per Mail: willkommen@sskm.de zur Verfügung. Mehr Infos gibt es unter www.sskm.de/de/home.html