Kolumne Panikattacken bei der Arbeit: So kann man helfen

Erkrankungen aus Scham zu verschweigen, kann Folgen haben – auch, wenn es sich um psychische Probleme handelt. Ausbildungsberater Peter Braune berichtet von einer Auszubildenden mit Panikattacken und wie ihr geholfen wurde.

Panikattacken
Panikattacken können völlig unerwartet und plötzlich auftreten. Sie stehen nicht zwingend mit der aktuellen Arbeitssituation im Zusammenhang. - © terovesalainen - stock.adobe.com

In einem Autohaus wird eine Automobilkauffrau ausgebildet. Im Verlauf des ersten Lehrjahres hat sie immer öfter Panikattacken. Ihr Herzschlag und die Atmung sind nicht normal. Sie beginnt zu schwitzen, wird blass und zittert. Manchmal plagt sie Übelkeit und Brechreiz. Es gibt Situationen, in denen sie sich verwirrt fühlt oder glaubt nicht am Ausbildungsplatz zu sein. Schwindel- und Ohnmachtsgefühle lassen sie fürchten, gleich das Bewusstsein zu verlieren.

Panikattacken bei der Arbeit ohne Zusammenhang mit der Ausbildung

Diese Vorgänge treten plötzlich und unvorhergesehen auf. Sie stehen nicht im Zusammenhang mit einer bestimmten Ausbildungssituation im Betrieb oder in der Berufsschule. Es beginnt sehr plötzlich, erreicht innerhalb weniger Minuten einen Höhepunkt und hält meist auch nur wenige Minuten an. Danach ebbt alles wieder ab. Ein Zustand der Erschöpfung tritt ein. Diese Erlebnisse bereiten ihr große Sorgen.

Weder die Geschäftsführung noch ihre Ausbilderin bemerken zunächst etwas davon. Eines Tages kommt sie in das Büro, als sich die junge Frau übergibt. Sie hilft ihr natürlich sofort. Denn sie ist auch Ersthelferin.

Hilfe gegen Panikattacken: Verständnis nötig statt Verurteilung

Die erfahrene ältere Dame spürt sofort, dass hier irgendetwas nicht stimmt. Sie beruhigt die Auszubildende. In einem bestimmenden Ton veranlasst sie die Frau tief durch die Nase zu atmen sowie lang durch den Mund auszuatmen und bittet sie dort zu bleiben, wo sie gerade ist. Sie spricht klar, langsam in kurzen und verständlichen Sätzen mit ihr. Statt Vermutungen anzustellen, fragt sie direkt, was helfen könnte.

Die Merkmale einer Panikattacke ähneln manchmal denen eines Herzinfarktes oder eines anderen medizinischen Problems. Es ist nicht möglich, ganz sicher zu sein, dass eine Person gerade eine Panikattacke erlebt. Nur eine medizinische Fachkraft kann feststellen, ob es sich um einen körperlichen Notfall handelt. Wenn die Person noch nie eine Panikattacke hatte und selbst nicht glaubt, dass sie eine hat, sollten zunächst die Vorgaben für Erste Hilfe befolgt werden. Das gilt, auch wenn sie das Bewusstsein verliert. Die Atmung sowie der Puls werden geprüft und ein Rettungsdienst verständigt (112).

Die Ausbilderin informiert die junge Frau, dass sie bei solchen Panikattacken und den damit verbundenen Folgen, fachliche Hilfe in Anspruch nehmen sollte. Dann kommen beide ins Gespräch. Die junge Frau schildert ihre Sorgen und Nöte, die von ihr bisher, aus Angst vor den betrieblichen Folgen und Auswirkungen auf die Lehre, verschwiegen wurden. Recht schnell wird der Ausbilderin klar, dass es sich hier um Panikattacken handelt, denn sie hat zufällig einen vergleichbaren Fall in der Familie. Am Anfang der folgenden Behandlung steht der Besuch bei einer Fachkraft.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.