Pro und Contra Amazon und Co. Verkaufen bei Amazon: Zwei Metzger, zwei Meinungen

Amazon ist der große Player im Onlinehandel. Wer seine Waren im Internet anbietet, muss sich entscheiden: Will ich große Plattform nutzen, oder bewusst meiden? Eine Onlinestrategie kann beides sein. Zwei Fleischer berichten, wie sie erfolgreich online verkaufen – mit und ohne Amazon und Co.

Amazon und Co. für den Verkauf von Fleisch und Wurst
Fleisch- und Wurstwaren auch online zu verkaufen, gehört bei vielen Fleischereien zur Gesamtstrategie. Dabei gehen die Betriebe dennoch verschiedene Wege. - © amazingfotommm - stock.adobe.com

Fleischermeister Claus Böbel verkauft Wurst- und Fleischwaren online, allerdings nur über eigene Portale und mit einer Strategie ohne die Big Player. Bernhard Schiessl dagegen ist mit der Marke der Landmetzgerei Schiessl auf Amazon, Ebay, Kaufland.de und vielen anderen der großen Onlinehandels-Plattformen aktiv und sagt, dass man Kunden dort erreichen müsse, wo sie sowieso einkaufen.

Aber eines vorweg: Die Auseinandersetzung, ob und wie man als kleine Fleischerei überhaupt im Onlinehandel mitmischen und mithalten sollte, ob es sich lohnt und ob das für das eigene Geschäft nötig und sinnvoll ist, ist eine, die präsent ist. Wo liegen die Geschäfte der Zukunft, wie kann man am Markt bestehen und wie kann man sich selbst dennoch treu bleiben und Überzeugungen und Werte behalten, die einem wichtig sind? Diese Fragen sind in Gesprächen über das Thema sofort mit dabei und waren auch Teil der Telefonate mit den beiden Gesprächspartnern.

Die technischen und vor allem organisatorischen Möglichkeiten, auch Fleisch- und Wurstwaren gut gekühlt und sehr schnell zu versenden, sind eine Grundvoraussetzung für den Onlinehandel mit diesen Produkten. Dass dies funktioniert, steht mittlerweile außer Frage und auch die meisten Verbraucher haben ihre Skepsis abgelegt. Was zählt, sind die Gewohnheiten. Kaufe ich lieber beim Metzger um die Ecke, den ich kenne und dem ich vertraue? Oder kommt es mehr auf das Produkt an? Und welche Rolle spielt die Anonymität, die ein Online-Kauf oft mit sich bringt?

Bewusst und nachhaltig einkaufen ohne Amazon und Co.

Claus Böbel ist ein Fleischermeister, der das Onlinegeschäft schon früh für sich entdeckt hat. Davon profitiert er noch heute. Seiner Meinung nach kann man auch bewusst und nachhaltig online einkaufen. Amazon und andere der Big Player im Onlinehandel lehnt er allerdings bewusst ab. "Amazon macht die kleinen Händler kaputt und auf Dauer auch die Gesellschaft", sagt er und kritisiert die Mentalität, dass alles immer möglichst einfach und schnell gehen müsse. Denn dabei würde man die Folgen des eigenen Handelns aus dem Blick verlieren.

Mit seiner Website und seinem Webshop ist Claus Böbel schon seit Anfang der 2000er online – und damit sogar früher als Amazon in Deutschland. Seine Seite umdiewurst.de und seine Idee, einen Wurstbrief als Grußkarte zu versenden, wurden schon früh in der Branche und auch außerhalb bekannt. So gehört es heute auch zum Alltag des Fleischers, andere beim Aufbau einer Internetpräsenz zu beraten. Außerdem führt er ein Bratwursthotel, er bietet Wurstkurse und Vorträge an. Vielleicht ist es unter anderem auch diese Bekanntheit, die es ihm erlaubt, bewusst zu sagen: "Nein, ich verkaufe und kaufe nichts bei Amazon und den anderen Großen des Onlinehandels."

Er kritisiert, dass die meisten Menschen ständig davon reden würden, wie wichtig das bewusste Einkaufen sei, die Regionalität und dass man die kleinen Händler unterstützen müsse. Beim Onlineshopping werden diese Vorsätze dann aber schnell über Bord geworfen. "Die Kaufkraft der Menschen ist ein so wichtiger Hebel und damit kann man viel bewirken", sagt Böbel. Dass diese Kaufkraft immer mehr übers Internet eingesetzt werde, bewertet er als Fortschritt, den auch die kleinen Händler nutzen sollten.

Online präsent sein und dennoch eigenständig – contra Amazon und Co.

Bewusstes Einkaufen bedeutet für ihn, dass man auch hier möglichst direkt einkauft – ohne zu viele Zwischenhändler und Dritte, die mitverdienen wollen. "Das ist manches Mal vielleicht etwas unbequemer. Man muss im Impressum nachsehen, wer hinter einem Webshop steckt und von wo ein Versand erfolgt, aber natürlich muss man sich erst einmal Anbieter suchen, denen man vertraut und von denen man weiß, wer sie sind", sagt er. Den Betrieben wiederum rät er, dass sie natürlich auch online die Vorteile aufzeigen müssten vom Einkauf in ihrem Shop statt über die großen Plattformen – Produktionsbedingungen offenlegen, berichten, wo die Tiere herkommen, aus denen die Produkte gemacht sind.

"Man kann auch erst einmal ganz einfach starten und übers Internet Bestellmöglichkeiten für die Kunden vor Ort anbieten, die die Waren dann abholen kommen", sagt er. Online präsent sein müsse man heute – aber dennoch eigenständig bleiben. Von Werbeversprechen von Amazon und Co., dass sie kleine Händler unterstützen, dort zu verkaufen, hält er wenig: "Das Grundprinzip von Amazon liegt darin, dass die selbst Geschäfte machen wollen. Das muss man immer bedenken."

Pro Amazon: Dort Regionales anbieten, wo die Leute sowieso einkaufen

Auch wenn Bernhard Schiessl dieses Argument ebenfalls nennt und die Verkaufsgebühren der Plattform durchaus kritisch sieht – "es fallen sogar zusätzlich welche aufs Porto an" – ist er mit seiner Marke "Landmetzgerei Schiessl" dort präsent. Er nutzt Amazon, Ebay und Handelsportale wie Kaufland.de und auch noch Kanäle wie das Teleshopping bewusst, um dort die Masse der Menschen zu erreichen, die es gewohnt sind, dort einzukaufen. Hatte er einst eine Fleischerei, die selbst Fleisch- und Wurstwaren produzierte, so ist er mittlerweile dazu übergegangen, die Produkte anderer – "kleiner regionaler Fleischereien", wie er betont – über die großen Portale zu verkaufen. Seit sechs Jahren produziert sein Betrieb selbst nicht mehr. Mit einem Webshop und Shops auf anderen Portalen ist auch er allerdings schon seit vielen Jahren aktiv.

Seine Erfahrungen zeigen ihm, dass man online "nur Erfolg haben kann, wenn man die Menschen dort trifft, wo sie sowieso sind – und einkaufen." Zwar verdienen die Plattformbetreiber mit, aber als Unternehmen müsse man das eben in seiner Strategie berücksichtigen und in seinen Preisen. Wichtig sei, dass die Menschen auch hier die Möglichkeit haben, regionale Waren von kleinen Herstellern zu bekommen. "Die Leute kaufen doch sowieso bei Amazon, dann sollen sie eben hier die Waren der kleinen Firmen bekommen", sagt er. Die Betriebe selbst würden profitieren, wenn sie sich zu einer Marke zusammentun und gemeinsam auftreten.

Verbraucher achten auf ihre Daten

Bernhard Schiessl selbst hatte vor Jahren die Möglichkeit, beim Aufbau seiner Marke direkt von Amazon Deutschland unterstützt zu werden. Die Landmetzgerei Schiessl hatte einen der ersten Testshops bei Amazon und wurde anfangs von Mitarbeitern des Big Players betreut. Das ist einige Zeit her. Schiessl erzählt von damals: "Vor 20 Jahren haben mich alle für einen Spinner gehalten und gesagt, dass man Wurst und Fleisch nicht online verkaufen kann. Heute ist es für viele normal und die Betriebe kämpfen um die besten Rankings, damit sie online gefunden werden." Stark befeuert habe den Onlinehandel auch die Pandemiezeit.

Gleichzeitig steige bei den Käufern die Skepsis. "Die Leute sind vorsichtiger und geben ihre Daten – vor allem die Bankdaten – nicht mehr überall an. Wenn sie bei einem Händler einmal ein Konto eingerichtet haben, bleiben sie dort. Oft sind das eben Amazon und Co." Außerdem fehlt es vielen an Zeit, sich mit jedem Webshop einzeln und bis ins Detail zu beschäftigen. Heute müssten Onlineangebote eben auch einfach, schnell und bequem sein. Wer online Erfolg haben möchte, muss Bernhard Schiessl zufolge Knowhow aufbauen in Sachen Suchmaschinenoptimierung und Marketing. Es seien Investitionen nötig, die man leisten können muss. "Das kann nicht jeder kleine Betrieb einzeln umsetzen", ist Onlinehändler Schiessl überzeugt.

Zwei Fleischer, zwei Meinungen zu Amazon und Co. – einfach ist die Entscheidung nicht, über welchen Weg man den eigenen Onlinehandel als Fleischer aufbauen möchte. Mitentscheidend ist dabei aus Sicht von Bernhard Schiessl auch der Fachkräftemangel – und zu welchen Aufgaben man als kleiner Betrieb überhaupt kommt und wo man Zeit und Geld investieren kann. Sowohl für einen eigenen Webshop als auch für den Verkauf gemeinsam mit anderen muss man Ressourcen haben.