Junges Handwerk 4 junge Handwerker berichten: Wir sind Handwerk, weil...

Ob Auszubildender, angehende Gesellin oder Jungunternehmer: Vier junge Menschen berichten, warum sie ihre Zukunft im Handwerk sehen und was sie anders machen wollen als die Generationen vor ihnen.

Johannes Brandl, Zoé Bötzer, Maximilian Schirmaier und Benedikt Altmann (im Uhrzeigersinn) sprechen über ihre Motivation ins Handwerk zu gehen. - © WorldSkills Germany/Martin Klindtworth/privat/Marcus Rebmann/André Wirsig

Zoé Bötzer

Obwohl Zoé Bötzer ihren Freunden immer "die Haare gemacht hat", dachte sie zunächst nicht daran, Friseurin zu werden. Bis sie sich irgendwann fragte, warum sie ihr Hobby eigentlich nicht zum Beruf machen sollte. Nach dem Abitur "war es dann nicht schwierig, einen Ausbildungsplatz zu bekommen", erinnert sich die 21-Jährige aus Wiesloch. Im Mai 2024 legt Zoé Bötzer nun ihre Gesellenprüfung ab.

Doch gibt sie zu: "Ich bin erst mal mit Vorurteilen in den Beruf gegangen." Vorurteile wie niedriger Lohn und mangelnde Karrierechancen. In der Ausbildung habe sie dann aber erfahren, wie kreativ und vielseitig Friseure sind. "Wir lernen so viel fürs Leben und über uns selbst – menschlich wie handwerklich." Auch der Individualität und Selbstverwirklichung seien keine Grenzen gesetzt.

Weil sie jungen Menschen genau dieses Berufsbild nahebringen möchte, engagiert sich Zoé Bötzer als Ausbildungsbotschafterin der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald. "Jugendliche bekommen durch uns einen Eindruck, welche Berufe es überhaupt gibt." Auf Messen oder an Schulen stellt sie das Friseurhandwerk vor. Als angehende junge Gesellin begegnet sie den Schülern auf Augenhöhe. "Ich sehe, dass meine Arbeit eine Wirkung hat. Viele suchen das Gespräch mit mir."

Um die Zukunft im Handwerk macht sie sich keine Sorgen. "Die Nachfrage ist überall groß. Menschen brauchen schließlich immer Haarschnitte." Zoé Bötzer rechnet damit, dass sich die Wertschätzung für das Handwerk erhöhen wird. Durch KI und Social Media habe die neue Generation viele Möglichkeiten, um individueller und flexibler arbeiten zu können. "Ich bin offen, was noch alles kommt. Im Handwerk sind wir da genau am richtigen Platz."

Johannes Brandl

Die Motivation für seinen Beruf wurde Johannes Brandl in die Wiege gelegt. Er wuchs in der elterlichen Fahrzeuglackiererei in Eggenfelden auf. "Schon mit 14 Jahren habe ich neben der Schule immer in der Werkstatt geholfen", erinnert sich der 22-Jährige. "Es hat mir einfach Spaß gemacht, wenn Kunden nach einer Instandsetzung wieder glücklich waren." Johannes Brandl ging bei seinem Vater in die Lehre. Es folgte die Prüfung zum Fahrzeuglackierermeister und nach der Übernahme eines Mitbewerbers aus dem Ort, wurde Johannes Brandl dessen Geschäftsführer.

Nun konkurriert er mit der Industrie um Dingolfing und das "Chemiedreieck" um die Fachkräfte der Region. Weil das Handwerk bei deren Konditionen nicht mithalten kann, will der Jungunternehmer junge Menschen vor Ort von der Schönheit und Vielseitigkeit des Handwerks überzeugen. Denn "die sehen leider nur wenige". Dabei spiele neben dem Lackieren von Fahrzeugen und Motorrädern Design eine große Rolle. "Wir arbeiten mit Folien, applizieren Logos und Schriften", erzählt der Vize-Europameister im Fahrzeuglackieren von 2023.

Für ihn hat Handwerk immer noch goldenen Boden. "Klar zahlt die Industrie bessere Löhne, aber bis Dingolfing ist es eine halbe Stunde. Hier verdienst Du vielleicht etwas weniger, dafür bist Du aber im Ort." Auch Johannes Brandl rechnet damit, dass Handwerk in den nächsten Jahren an Ansehen in der Gesellschaft gewinnen wird. Weil viele Betriebe schließen, der Markt aber groß sei, werde "ein Handwerker zu einem begehrten, raren Gut".

Benedikt Altmann

Für Benedikt Altmann war immer klar, dass er Handwerker werden wollte, am liebsten Zimmerer wie sein Vater. Doch während der auf zwei Standbeinen stand, angestellt in einem Betrieb und mit einer eigenen kleinen Zimmerei im Nebenerwerb, setzt Sohn Benedikt alles auf eine Karte: "Ich wollte in den eigenen Geldbeutel wirtschaften und meine Ideen umsetzen", erklärt der 26-Jährige aus Schmidgaden in der Oberpfalz. Nie wieder Sprüche wie: "Das haben wir immer schon so gemacht, so machen wir es auch weiter."

Nach der Mittelschule begann er die Ausbildung zum Zimmerer, arbeitete nach seinem Abschluss für vier Jahre als Geselle und besuchte dann die Meisterschule in Bayreuth. Schon mit 23 Jahren wurde er sein eigener Herr. Er übernahm die Nebenerwerbs­zimmerei des Vaters, außerdem einen Betrieb aus dem Nachbarort.

Dass er mit rund 50 Arbeitsstunden pro Woche wesentlich mehr Zeit als viele seiner Altersgenossen der Generation Z für die Arbeit aufwendet, stört ihn nicht. "Ich verstehe das Gerede von der Work-Life-Balance nicht so ganz, ich bin anders erzogen worden", sagt er lapidar. Dennoch packt er Dinge anders an als viele der älteren Generation. Man bleibe als Chef auf der Strecke, wenn man alles allein machen will. Deswegen gibt er Aufgaben ab.

Seiner Entscheidungsfreiheit als Selbstständiger seien aber auch Grenzen gesetzt: Strikte Vorgaben öffentlicher Auftraggeber, immer strengere Auflagen im Arbeitsschutz und hohe Anforderungen der Bank machten es ihm nicht leicht. Wenn Altmann sich etwas wünschen könnte, so wäre es eine geringere Steuerlast, eine bessere Zahlungsmoral und mehr Wertschätzung für das Handwerk in der Gesellschaft. "Aber eigentlich passt schon alles. Es ist ein schöner Beruf und ich habe bisher nichts bereut."

Maximilian Schirmaier

Maximilian Schirmaier ist genau da, wo er sein wollte. "Ich war hobbymäßig schon immer handwerklich unterwegs. Dass es der Anlagenmechaniker werden würde, habe ich aber erst ein halbes Jahr vor meinem Realschulabschluss entschieden", erinnert sich der 19-Jährige. Ihm sei zu dem Zeitpunkt zwar bewusst gewesen, dass der Beruf sich wegen der Energiewende wandeln würde; bei seiner Wahl habe das aber keine Rolle gespielt.

Obwohl er die Suche nach einem Ausbildungsplatz spät startete, kam er noch bei dem mehrfach ausgezeichneten Ausbildungsbetrieb Haus­technik und Service GmbH Dresden (HTS) unter. Ein Glücksfall, wie er selber findet. "Die Ausbildung war hier sehr vielfältig, mit den netten Kollegen hat es richtig Spaß gemacht, sie haben mir viel mit auf den Weg gegeben. Deswegen wollte ich hier auch nach der Ausbildung bleiben."

Während der ersten beiden Lehrjahre durchlief er verschiedene Abteilungen, dann besprach sein Chef mit ihm, welcher Unternehmensbereich ihm am meisten lag. Schirmaier entschied sich für den Kundendienst. Ab dann wurde er gezielt geschult und bekam immer mehr Verantwortung. Im vierten Lehrjahr durfte er schon kleinere Aufträge allein bearbeiten. "Der Umgang mit den Kunden macht mir am meisten Spaß. Und dass die Arbeit so viel Abwechslung bietet."

Seine Zukunft sieht er auf jeden Fall im Handwerk. "Ich möchte jetzt erstmal Berufserfahrung sammeln", sagt er und freut sich, dass ihm seine Firma weiter Lehrgänge bietet. "Und irgendwann werde ich bestimmt auch den Meister machen."