Das Verbändebündnis Wohnungsbau fordert mehr staatliche Hilfen und niedrigere Standards für mehr bezahlbare Wohnungen. Viel Hoffnung macht ihnen die Ampel-Politiker Klara Geywitz und Robert Habeck allerdings nicht.

Anders als die Politik sieht das Verbändebündnis für Wohnungsbau noch keine Trendwende am Wohnungsmarkt: "Wir sehen dieses Licht am Horizont nicht", sagte Axel Gedaschko, Präsident des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, beim Wohnungsbautag in Berlin. "Es kommen ganz wenige Aufträge nach. Es wird ein riesiges Loch geben", warnte auch Wolfgang Schubert-Raab, Präsident des Deutschen Baugewerbes (ZDB). Die Branche forderte deshalb höhere staatliche Hilfen. Viel Hoffnung machten ihnen die Ampel-Politiker Klara Geywitz (SPD) und Robert Habeck (Grüne) allerdings nicht.
Schubert Raab: Mehr Tempo für den Gebäudetyp E
Auch niedrigere Baustandards könnten helfen, die Baukosten zu senken. Schubert-Raab mahnte deshalb mehr Tempo bei der Umsetzung des Gebäudetyps-E an. "Einfach Bauen" müsse endlich auch zivilrechtlich abgesichert werden, damit das Bauen nach Mindeststandards breit angewendet werden könne. Darüber hinaus forderte das Verbändebündnis, staatliche Förderung nicht nur an sehr hohen Effizienzstandards wie den EH40 zu knüpfen. Es geht darum, "nicht Zuckerguss zu fördern, sondern das bezahlbare Schwarzbrot", sagte Gedaschko.
Verbände fordern mehr Geld für bezahlbaren Wohnraum
Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) betonte unterdessen, das Programm klimafreundlicher Neubau werde gut nachgefragt. Sie werde mit Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) alles daransetzen, dieses Programm bis zum Jahresende zu finanzieren. Sie verwies außerdem auf weitere Förderprogramme wie jenes für den bezahlbaren Wohnungsbau, für den die Ampel rund eine Milliarde Euro zur Verfügung gestellt hat. Nach Einschätzung des Verbändebündnisses reicht das Geld bei einem Zinssatz von einem Prozent aber höchstens für 34.000 Wohnungen im Jahr. "Wir brauchen aber 100.000 Wohnungen, also drei Milliarden pro Jahr", erklärte Gedaschko. Die Baukosten legten derzeit zwar nicht mehr ganz so stark zu, dennoch rechneten sich viele Bauprojekte immer noch nicht.
Katharina Metzger: Kipppunkt ist erreicht
Wie absurd die Lage am Wohnungsmarkt ist, betonte Katharina Metzger, Präsidentin des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel. Auf der einen Seite fehlten 800.000 neue Wohnungen, auf der anderen Seite erlebe die Branche einen dramatischen Einbruch: Die Baugenehmigungen hätten im vergangenen Jahr 25 bis 40 Prozent unter dem Vorjahr gelegen. "Der Kipppunkt ist erreicht", warnte sie mit Blick auf eine einsetzende Welle an Insolvenzen. Als Grund für die schwierige Lage nannten die Baufachleute massiv gestiegenen Baukosten und Bauzinsen. Aufträge wurden daraufhin storniert, Bauten erst gar nicht geplant.
Habeck: Müssen noch ein bisschen durchhalten
Mittlerweile fallen die Preissteigerungen nicht mehr so hoch aus und auch der allgemeine Rückgang der Inflation lässt auf Zinssenkungen durch die Europäische Zentralbank hoffen. "Wir müssen noch ein bisschen durchhalten", zeigte sich Habeck mit Blick auf die steigende Kreditnachfrage optimistisch. Denn auch er weiß: "Ohne eine Wohnungswirtschaft im Aufschwung oder unter Last kann kein ökonomischer Aufschwung gelingen."