Kolumne Umgang mit gereizten Azubis: So beschwichtigen Ausbilder

Auch Azubis sind mal gereizt oder ängstlich. Wichtig ist, dass diese Gefühle im Berufsalltag nicht Überhand nehmen. Ausbildungsberater Peter Braune erklärt, auf welche Frühwarnsignale Ausbilder bei Lehrlingen achten sollten und wie sie in Konfliktsituationen besänftigen können.

Illustration: Frau und Mann in Konfliktsituation.
Ist der Azubi aufgebracht, müssen Ausbilderinnen und Ausbilder umso entspannter bleiben. - © autumnn - stock.adobe.com

Aus meiner Sicht ist es eine falsche Entwicklung, wenn immer mehr englische Begriffe genutzt werden. Manchmal werden auch deutsche und englische Begriffe vermischt, was als "Denglisch" bezeichnet wird. Ohne jemandem nahe treten zu wollen: Ich frage mich, warum in einem Text für Ausbilderinnen und Ausbilder der Begriff "Appeasing" verwendet werden muss. Ich bin sicher – wie auch ich – müssen viele erst einmal recherchieren, um herauszufinden, dass es sich um das allgemein bekannte Wort "beschwichtigen" handelt.

"Appeasing" zielt darauf ab, den aufgewühlten Auszubildenden ihre Ängste und Sorgen zu nehmen. Es wird versucht, die Dinge wieder in eine normale und machbare Richtung zu lenken. In der Sprache hätten wir dafür eine große und allgemein verständliche Auswahl, wie z.B. "besänftigen", "dämpfen", "entkrampfen", "entschärfen", "entspannen" oder "Öl in die Wogen gießen".

So besänftigen Ausbilder aufgebrachte Azubis

Aber von diesem sprachlichen Ausflug zurück zur Ausbildung und Situationen, in denen die Verantwortlichen Lehrling besänftigen oder beschwichtigen müssen.

Unter Umständen wird bei einem Gespräch oder während einer Unterweisung die sachliche Ebene verlassen, Gefühle kommen ins Spiel oder es wird beleidigend. Hier beginnt der Moment, in dem der Ausbilder oder die Ausbilderin einwirken muss. Ansonsten ist eine positive Lösung nicht mehr möglich.

Je früher auf die beteiligten Lehrlinge eingewirkt wird, desto besser kann die Lage bereinigt werden. Im Idealfall wird in dem Moment eingegriffen, wenn Vorboten von Unmut, Anspannung oder Gereiztheit auftreten. Am Anfang sind kritische Situationen meist wesentlich besser zu regeln, als zu einem späteren Zeitpunkt. Daher ist es ratsam, auf bestimmte Signale zu achten, um rechtzeitig tätig zu werden. Frühwarnsignale, die auf eine hohe Anspannung und Erregung hinweisen können, sind unter anderem:

  • gesteigerte Aktivitäten 
  • große Unruhe
  • zielloses Arbeiten
  • erhöhte Körperanspannung
  • verzerrte Gesichtszüge
  • verkrampfte Hände
  • abwesende Blickrichtung 
  • gesteigerte Tonhöhe

Wie sieht das in der Praxis aus und was sollten die Ausbildungsverantwortlichen beachten?

  • Mit dem Lehrling sollte in einer ruhigen Umgebung gesprochen werden.
  • Ein Gespräch findet nicht im Beisein von dritten Personen statt.
  • Alle möglichen Reize werden vermieden.
  • Die Meisterin oder der Meister bleibt entspannt.
  • Es herrscht eine wertschätzende Haltung.
  • Hektische Bewegungen wirken reizend und werden vermieden.
  • Die Stimmlage bleibt in einem angemessenen Ton.
  • Es besteht immer ein Augenkontakt.

Noch etwas: Für alle Beteiligten beginnt die Beschwichtigung in der Regel mit ruhiger Atmung. Langsames, tiefes Atmen wird mit einem Gefühl der Ruhe in Verbindung gebracht. Die Bauchatmung ist hier eine Form der langsamen und tiefen Atmung.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.