Kolumne Inspiration: So arbeiten Azubis selbstständiger

Um selbstständig zu arbeiten und eigene Ideen zu entwickeln, brauchen Auszubildende Anregung von außen. Dabei spielt das Verhalten der Ausbilder eine große Rolle. Ausbildungsberater Peter Braune erklärt in seiner Kolumne, wie Azubis geistig angeregt werden können.

Inspiration und eigene Ideen
Inspiration und eigene Ideen zu entwickeln braucht in der Ausbildung auch Unterstützung von den erfahrenen Menschen im Betrieb. - © Thapana_Studio - stock.adobe.com

Cicero verwendete den lateinischen Ausdruck afflatus im poetischen wie im religiösen Sinne für "Inspiration" oder "göttliche Eingebung". Er beschreibt die Inspiration als einen unerwarteten Hauch, der den Poeten ereilt. Laut dem Cambridge Dictionary bedeutet Inspiration: "Jemand oder etwas, das einen auf die Idee bringt, etwas zu tun."

Weiter will ich den Gedanken anderer Autoren nicht folgen. Aus meiner Sicht genügt es, wenn die Lehrlinge ab und zu eine Eingebung haben. Allgemeinsprachlich ist das ein unerwarteter Einfall oder eine erhellende Idee. Das ist hilfreich für ihre positive Entwicklung, wenn bei ihnen eine solche Grundhaltung vorhanden ist. Oft sind es einzelne in einer Gruppe, die andere anstecken, aber im positiven Sinn.

Doch wie können die Lehrlinge geistig angeregt werden, etwas zu tun oder zu unterlassen und selbstständig zu arbeiten?

Inspiration als Anregung, selbstständig zu arbeiten

Es beginnt mit einem Abgleich zwischen dem betrieblichen Ausbildungsplan und dem Ausbildungsnachweis. Regelmäßig finden Lernerfolgskontrollen statt. Danach gilt es für die Ausbilderin oder den Ausbilder abzuwägen, auf welchen Kenntnissen und Fertigkeiten aufgebaut werden kann. Ist der aktuelle Ausbildungsstand bekannt, beginnt das Nachdenken über die Möglichkeiten. Hier heißt es fördern, aber nicht überfordern.

Das Verhalten der Ausbildungsverantwortlichen bildet die Grundlage, ob die Lehrlinge eigene Ideen entwickeln und sich motiviert an der Ausbildung beteiligen. Wer sich selbst prüft und immer wieder eigene Einstellung zur Ausbildung und den anvertrauten Lehrlingen bewertet, wird in der Regel erkennen, warum die jungen Leute selbstständig oder unselbstständig sind, mitdenken und selbstständig arbeiten können.

Ein einfacher Weg wäre, den Lehrling zu fragen. Wenn es mehrere im Betrieb gibt und noch dazu in verschiedenen Berufen, kann die Mischung sehr erfolgreich sein. Es wird ein "Brainstorming" veranstaltet. Diese Methode ist sehr hilfreich, um die Lehrlinge zum Mitdenken anzuregen. Es entstehen interessante Gespräche, mit guten Ergebnissen.

Hilfreich sind auch regelmäßig Entwicklungsgespräche mit den Lehrlingen, um ihre Fortschritte zu verfolgen und Unterstützung anzubieten. Die finden möglichst außerhalb der regelmäßigen Zwischengespräche statt. Bei diesen Terminen wird dann mehr darüber gesprochen, wie die Lehrlinge ihre Ideen einbringen können.

In Gruppen und mit Projektarbeit zu mehr Inspiration und eigenen Ideen

Geeignet ist auch die Projektarbeit, um die bis zu diesem Zeitpunkt erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten praktisch anzuwenden und durch eigene Ideen zu ergänzen. In die Arbeit an den Projekten wird inhaltlich nicht eingegriffen.

Gut ist auch der Austausch von Erfahrungen und über gute Beispiele, zwischen den Lehrlingen und erfahrenen Beschäftigten. Fragen mit einem offenen Ende stellen, auf die es keine richtige oder falsche Antwort gibt. Es folgen weitere Fragen, um die Neugierde hervorzuheben oder Fragen, die zum Nachdenken anregen. Einige Aspekte:

  • Eine Materialliste, um daraus etwas zu erschaffen, das alles auf der Liste enthält.
  • Um die geistige Beweglichkeit zu fördern, können die Lehrlinge ungewöhnliche Lösungen erarbeiten.
  • Die Lehrlinge müssen verstehen, dass es nicht nur viele Möglichkeiten gibt, ein Problem zu lösen, sondern auch viele verschiedene Sichtweisen, um alles zu betrachten. 

Die Natur ist übrigens eine gute Inspirationsquelle. Für mich gilt daher, mit offenen Augen wandern gehen. In der Ruhe liegt nicht nur viel Kraft, sie bringt mich auch auf neue Gedanken. Die Quelle einer Inspiration sollte man nie ganz auszuschöpfen, sondern immer aufhören, solange noch etwas übrig ist.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.