Anja Bukowski leitet bei der KfW das Team für Gründungs- & Innovationsfinanzierung im Geschäftsbereich Mittelstandsbank. Die DHZ-Redaktion wollte wissen, was die Förderbank fürs Handwerk bereithält.

Ist die KfW überhaupt fürs Handwerk interessant?
Anja Bukowski: Unbedingt, würde ich sagen. Auch wenn wir nicht nach Branchen differenzieren. Wir haben derzeit elf Programme für die mittelständische Wirtschaft. Unser Geschäftsbereich KfW-Mittelstandsbank hat im vergangenen Jahr Kredite im Umfang von 20,4 Milliarden Euro zugesagt.
Wofür können die Kredite eingesetzt werden?
Das ist unterschiedlich. Der ERP-Förderkredit KMU ist ein universelles Programm, das für fast alle Investitionen genutzt werden kann (siehe Kasten). Es bietet zusätzlich den Vorteil, dass wir uns in bestimmten Fällen das Risiko mit der Hausbank teilen. Dann gibt es noch Programme für Gründer, Digitalisierung und Innovationen sowie Nachhaltigkeit.
"Mit der guten Vorbereitung sollte es mit dem richtigen Finanzierungsmix inklusive Förderdarlehen klappen."
Sind all diese Programme denn auch genügend bekannt?
Wir tun viel, um unsere Förderprogramme bekannt zu machen, beispielsweise über die Kammern und Verbände. Aber unsere Erfahrung ist, dass sich die meisten Interessenten erst damit beschäftigen, wenn es einen Investitionsanlass gibt. Das ist ja auch verständlich. Aber in diesem Fall raten wir zu einer gründlichen Vorbereitung. Dazu stellen wir die wichtigsten Informationen auf der Homepage zur Verfügung und haben auch ein kostenfreies Infocenter. Erreichbar sowohl telefonisch als auch per Mail.
Bekomme ich die wichtigsten Informationen denn nicht von meinem Bankmitarbeiter?
Grundsätzlich ja. Aber man kann nicht davon ausgehen, dass sich jeder Bankberater mit allen Details auskennt. Deshalb haben die Banken in der Regel Experten für Förderkredite. Daher ist es immer sinnvoll, nach einem solchen Spezialisten zu fragen. Mit der schon angesprochenen guten Vorbereitung sollte es mit dem richtigen Finanzierungsmix inklusive Förderdarlehen klappen.

Welche Argumente sprechen für einen KfW-Kredit?
Im Wesentlichen natürlich die in der Regel günstigeren Zinsen. Außerdem sind die langen Laufzeiten und die tilgungsfreie Anlaufzeit ein Vorteil. Die Möglichkeit der Risikoteilung zwischen KfW und Hausbank beim Förderkredit KMU habe ich schon erwähnt. Diese erleichtert der Bank die Kreditzusage. Zudem haben wir insbesondere im Umweltbereich Programme, bei denen es über Bundesmittel finanzierte Tilgungszuschüsse gibt, mit denen die Kreditschuld reduziert wird.
"Investitionen in die digitale Transformation sind auch für das Handwerk wichtig."
Zum Beispiel?
Zum Beispiel die Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft. Ein Kredit, der gerade auch für einige Handwerksbetriebe wie Bäckereien oder Fleischbetriebe interessant sein kann. Je mehr Energie oder Ressourcen man einspart, desto stärker ist die Förderung. Hier wurde gerade die Beantragung vereinfacht. Früher brauchte man dafür deutlich mehr technisches Know-how.
Derzeit ist ja das Thema Künstliche Intelligenz in aller Munde. Haben Sie hier auch spezielle Angebote?
Investitionen in die digitale Transformation sind auch für das Handwerk wichtig. Dazu zählt auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz, obwohl wir hier noch keine große Nachfrage sehen. Solche Investitionen können über den ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit mit Krediten zwischen 25.000 und 25 Millionen Euro finanziert werden.
Wie sieht es denn aus, wenn ich im Ausland investieren möchte? Ist das auch ein Thema für die KfW?
Ja. Grundsätzlich finanzieren wir auch Investitionen im Ausland. Es gilt eigentlich für alle Programme, dass sie auch weltweit eingesetzt werden können. Wichtig ist, dass das Unternehmen seinen Sitz in Deutschland hat oder maßgeblich an einem Joint Venture mit einem ausländischen Unternehmen beteiligt ist.
"Es gibt viele andere Hemmnisse für Unternehmen, ganz unabhängig von der Finanzierungsfrage wie zum Beispiel Bürokratie oder Sprachbarrieren."
Ist die Bewilligung kompliziert?
Nein, nicht komplizierter als für Inlandskredite. Aber es gibt viele andere Hemmnisse für Unternehmen, ganz unabhängig von der Finanzierungsfrage wie zum Beispiel Bürokratie oder Sprachbarrieren. Die Nachfrage ist gering. Ich würde schätzen, sie liegt unter ein Prozent.
Es gibt ja derzeit im eher privaten Bereich einige Programme, die gerade nicht beantragt werden können, weil das Geld alle ist. Gilt das auch für die Wirtschaft?
Nein, für gewerbliche Programme gilt das nicht.
Und wie sieht es bei Thema Nachfolge aus? Unterstützen Sie da auch?
Das ist ein wichtiges Thema. Schon seit vielen Jahren engagieren wir uns hier zum Beispiel mit dem KfW-Startgeld, das auch für Übernahmen genutzt werden kann. Unternehmensgründer brauchen nicht einmal Eigenkapital oder Sicherheiten, die KfW übernimmt bis zu 80 Prozent des Risikos. Allerdings ist die Summe in diesem Programm auf 125.000 Euro gedeckelt.
Das reicht bei Übernahmen oft nicht.
Ja, daher arbeiten wir gerade an einem ergänzenden Angebot, das sich allerdings bezüglich der EU-Vorgaben in der Prüfung befindet. Aber es wird kommen.
Die wichtigsten KfW-Kredite fürs Handwerk
ERP Förderkredit KMU
Zweck: Anschaffungen (z.B. Maschinen, Firmenfahrzeuge, Software), laufende Kosten, Material und Warenlager, Unternehmensgründung, -nachfolge oder -beteiligung
Umfang: bis zu 25 Mio. Euro
Konditionen: bis zu 20 Jahre Rückzahlung, drei Jahre tilgungsfrei, bis zu 50 Prozent Risikoübernahme der KfW
Erneuerbare Energien – Standard
Zweck: Errichtung, Erweiterung oder Erwerb von Anlagen zur Erzeugung von Strom und Wärme, für Netze und Speicher, Photovoltaik, Wasser, Wind, Biogas etc.
Umfang: bis zu 150 Mio. Euro pro Vorhaben
Konditionen: Mindestlaufzeit zwei Jahre, übernommen werden bis zu 100 Prozent der Investitionen, ab 5,21 Prozent effektivem Jahreszins
ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit
Zweck: Investitionen und Betriebsmittel, den gesamten Finanzierungsbedarfs eines innovativen Unternehmens
Umfang: 25.000 bis 25. Mio. Euro pro Vorhaben, bis zu 7,5 Mio. Euro pro Finanzierungsbedarf innovativer Unternehmen
Konditionen: Mindestlaufzeit zwei Jahre, übernommen werden bis zu 100 Prozent der förderfähigen Investitionen, ab 2,7 Prozent effektivem Jahreszins
ERP-Gründerkredit – StartGeld
Zweck: Investitionen und laufende Kosten
Umfang: bis zu 125.000 Euro, davon bis zu 50.000 Euro für Betriebsmittel
Konditionen: kein Eigenkapital erforderlich, Übernahme von bis zu 80 Prozent des Kreditrisikos und bis zu 100 Prozent der Investitionskosten und Betriebsmittel, ab 4,16 Prozent effektivem Jahreszins