Die Unzufriedenheit mit der Ampelregierung wächst und ist in vielen Bevölkerungsgruppen zu hören. Zunehmend mischen sich auch rassistische und demokratiefeindliche Stimmen darunter. Der Handwerksverband spricht sich nun in einer Resolution für Vielfalt und Zusammenhalt aus.

"Das deutsche Handwerk ist stolz auf seine Vielfalt und seinen Zusammenhalt", heißt es in einer Resolution, die die Vollversammlung des Zentralverbands des Deutschen Handwerks am Donnerstag, 29. Februar, einstimmig verabschiedet hat. Die Handwerksvertreter beschreiben darin die wichtige Rolle von Toleranz und Weltoffenheit und den hohen Stellenwert ausländischer Mitarbeiter in der Handwerksbranche.
"Es zählt nicht, wo man herkommt. Sondern was man erreichen will"
Vielfältig sei das Handwerk alleine schon wegen seiner Struktur: Eine Million Handwerksbetriebe mit 5,7 Millionen Beschäftigten und 350.000 Auszubildenden in 130 Ausbildungsberufen bildeten Deutschland in seiner Leistungskraft, in seiner ganzen Breite und in allen Regionen ab, heißt in dem Schreiben.
Standortverbundenheit und Weltoffenheit seien für das Handwerk keine Gegensätze. "Es sind die Grundlagen unseres Erfolgs. Denn bei uns zählt nicht, wo man herkommt. Sondern was man erreichen will", heißt es in der Resolution, "Wir wenden uns entschieden gegen jegliche Form von Hetze und Rassismus."
Als bedeutende Wirtschafts- und Gesellschaftsgruppe liegt den Handwerksvertretern eine Zukunft in einem geeinten und friedlichen Europa am Herzen. Das Handwerk brauche einen Standort mit einem festen demokratischen, freiheitlichen, rechtsstaatlichen und weltoffenen Fundament. Demokratiefeindliche und rassistische Debatten schadeten dem Wirtschaftsstandort Deutschland.
Sie fordern die Politik auf, die Probleme anzupacken und dadurch Vertrauen zu gewinnen. Das könnte mehr Wettbewerbsfähigkeit, größere Bildungschancen und eine bessere Integration fördern.
Dittrich warnt vor Schäden für die Wirtschaft
Angesichts anhaltender Proteste der Bauern in Deutschland warnte Handwerkspräsident Jörg Dittrich ebenfalls in dieser Woche vor einer Polarisierung der Gesellschaft. "Die vielen wütenden Maximalforderungen machen uns immer kompromissunfähiger und zerstören die Gemeinschaft, egal ob es beispielsweise um die Begrenzung der ungesteuerten Zuwanderung oder die wettbewerbsfähige Energieversorgung der Zukunft geht", mahnte der Handwerkspräsident im Interview mit der "Augsburger Allgemeinen".
"Zweitens will ich deutlich sagen, dass wir im Handwerk zu den Betroffenen zählen, wenn Menschen Angst bekommen durch eine Diskussion über das Maß der Weltoffenheit". "In unserer Branche haben wir schon seit Jahren einen hohen Anteil von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Migrationshintergrund", sagte Dittrich.
"Wenn Kräfte an die Macht kommen, die mit dem Begriff Remigration Menschen Angst machen, die hier schon lange verankert sind, dann ist das für Deutschlands Ansehen in der Welt und damit für den Wirtschaftsstandort Deutschland eine Katastrophe und schadet so letztlich auch den Handwerksbetrieben massiv."
Distanzierung zu den Bauernprotesten
Dittrich sprach sich auch dagegen aus, sich den Bauernprotesten anzuschließen. Wirtschaftspolitik sollte nicht auf der Straße, sondern in den Parlamenten und im Dialog der Politik mit den Verbänden stattfinden. "Es gibt bei uns aus verschiedenen Landesteilen einen großen Druck, dem Beispiel der Bauern zu folgen", sagte Dittrich. "Ich persönlich halte das für den falschen Weg." Viele Proteste begännen friedlich, arteten dann aber aus. jes/dpa
Zahlen zum Migrationshintergrund
Dass die Handwerksbranche vielfältig ist, zeigt sich auch an den Zahlen: Besonders viele ausländische Mitarbeiter gibt es laut Statistischem Bundesamt in der Reinigungsbranche (60 Prozent) und in der Gastronomie (46 Prozent). Auf dem Bau haben rund 36 Prozent der Mitarbeiter einen Migrationshintergrund, in Berufen der Körperpflege, zu denen Friseurinnen und Kosmetikerinnen gehören, sind es 36 Prozent.
Für die gesamte Wirtschaft betrachtet hatte 2022 ein Viertel (25 Prozent) aller Erwerbstätigen im Alter von 15 bis 64 Jahren einen Migrationshintergrund.
Als Person mit Einwanderungsgeschichte wird nach Angaben der Wiesbadener Behörde bezeichnet, wer seit dem Jahr 1950 selbst nach Deutschland eingewandert ist oder wessen beide Elternteile seit dem Jahr 1950 eingewandert sind. dpa