Begehrter Ausbildungsplatz Hier sind auch Azubis Kings and Queens

Die Friseur- und Kosmetikstudios der Kings and Queens Company erhalten etwa 300 Bewerbungen auf einen Ausbildungsplatz. Und das, obwohl die freien Stellen gar nicht ausgeschrieben werden. Was macht die Ausbildung in diesem Betrieb so begehrenswert?

Chefin Monika Gruber und Friseurin und Kosmetikerin Anastasija Martijanenko
Chefin Monika Gruber (rechts) und ihre Angestellten, wie die Friseurin und Kosmetikerin Anastasija Martijanenko, haben keine Probleme, neue Auszubildende zu finden. Etwa 300 Bewerbungen gehen im Schnitt für eine offene Lehrstelle bei der Kings and Queens Company ein. - © Handwerkskammer für Mittelfranken

Viele Betriebe beschweren sich zu Unrecht, dass sie keine Auszubildenden finden, findet zumindest Monika Gruber, Kosmetikerin und Chefin der Kings and Queens Company, zu der zwei Friseur- und Kosmetikstudios in Wendelstein und einer in Nürnberg-Reichelsdorf zählen.

Während viele Handwerksbetriebe händeringend nach Azubis suchen, wird Monika Gruber geradezu mit Bewerbungen überschüttet. Durchschnittlich etwa 300 Stück erhält sie auf eine offene Lehrstelle. Und die Bewerberinnen und Bewerber stammen nicht nur aus ganz Deutschland. Auch aus Italien, Tschechien oder sogar Großbritannien erreichen die Betriebsinhaberin Anschreiben – und das, obwohl sie ihre freien Ausbildungsstellen nicht einmal aktiv bewirbt. Was ist ihr Geheimnis?

Betriebe müssen etwas bieten

Als Ausbildungsbetrieb müsse man potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern auch etwas bieten, ist Monika Gruber überzeugt.  "Wenn Betriebe nur langweilige und nichtssagende Stellenausschreibungen beim Arbeitsamt schalten, aus denen nicht einmal hervorgeht, was Auszubildende in dem Beruf und im Betrieb lernen können, dann ist es kein Wunder, dass diese Betriebe keine Nachwuchskräfte finden", glaubt Monika Gruber. Bei ihr bewerben sich Interessierte meist eigeninitiativ.

Zu Beginn wochenlang nur zuschauen und sauber machen – das gibt es bei Monika Gruber nicht. "Bei uns können Auszubildende sofort etwas machen und dabei lernen." In der ersten Stufe können sie sich an Modellen ausprobieren, dann an Familienmitgliedern, Freunden oder Bekannten und in der dritten Stufe dürfen sie auch an Kundinnen und Kunden arbeiten – immer unter fachlicher Anleitung.

Die breite Leistungspalette ihrer Salons erlaubt es außerdem, dass jede und jeder nach seinen Talenten und Vorlieben gefördert und eingesetzt wird. Denn in den Filialen der Kings and Queens Company können sich Kundinnen und Kunden nicht nur die Haare schneiden lassen oder kosmetische Behandlungen buchen. Nagelpflege und verschiedene Spa-Anwendungen gehören ebenfalls zum Beauty-Repertoire der Company. Sogar eine eigene Linie von Pflegeprodukten vertreibt Monika Gruber in ihren Geschäften und gründete ein eigenes Modelabel. Ihre Designs präsentiert sie mittlerweile auf Laufstegen in der ganzen Welt.

Kreative Challenges

Ein weiteres Highlight in der Ausbildung bei Monika Gruber sind kreative Azubiwettbewerbe, die sie unter ihren Lehrlingen alle zwei bis drei Monate veranstaltet. Dafür bekommen alle Auszubildenden eine Projektmappe mit einer Aufgabenstellung. Beim letzten Wettbewerb mussten die Auszubildenden einen Show-Act zum Thema Halloween planen.

"Ziel der Azubiwettbewerbe ist es, dass die Auszubildenden lernen, ein Projekt selbstständig umzusetzen, weil sie alle Schritte durchdenken und durchführen müssen." Jede Aufgabe beinhaltet eine umfassende Konzeption, bei der sich die Auszubildenden beispielsweise Gedanken darüber machen müssen, welches Model für ihren Entwurf geeignet ist, wie das Kostüm gestaltet sein soll und aus welchen Materialien es bestehen soll. Auch die passenden Haare und Make-up fließen mit ein. Alle Entwürfe werden dann durch Monika Gruber und ihr Führungskräfteteam bewertet. Bei der letzten Challenge durften die Besten ihre Entwürfe umsetzen und auf der Verbrauchermesse Consumenta präsentieren.

Jeder bekommt eine Chance

Die Kings and Queens Company bietet jedes Jahr mindestens jeweils zwei Ausbildungsplätze im kosmetischen und im Friseurbereich an. Für Letzteren sind jeweils eingestellte Meister zuständig. Zwei weitere Stellen werden bewusst erst Ende Januar, Anfang Februar besetzt – also mit denjenigen, die sich entweder nicht rechtzeitig gekümmert oder eine Ausbildung angefangen und dann wieder abgebrochen haben.

"Diejenigen, die wir erst später auswählen, halte ich sogar für die besseren Auszubildenden", verrät Monika Gruber. Diese Bewerberinnen und Bewerber wüssten oftmals besser, was sie beruflich wirklich machen möchten oder was es bedeutet, einen Ausbildungsplatz aus eigenem Verschulden wieder zu verlieren, erklärt die Inhaberin. Gerade bei Auszubildenden, die vorher Schwierigkeiten hatten, setzt Monika Gruber oft sehr stark auf die Einhaltung von Regeln und eine hohe Eigenmotivation. Und sie stellt Belohnungen in Aussicht, die sie zur Not auch wieder entzieht. "Wenn jemand zweimal hintereinander ein paar Minuten zu spät zur Arbeit kommt, dann sage ich ihm zum Beispiel, dass er nicht mit zur Modenschau nach L.A. fliegen kann, weil ich nur zuverlässige Mitarbeiter mitnehme", so Gruber. "Das wurmt einen Azubi dann schon."

Notschlafzimmer und Geld von der Inhaberin

Auch wenn sie nach außen oft sehr streng wirkt, ist es Monika Gruber nicht egal, wer welchen Lebensweg bestreitet. In ihren Filialen sorgt sie dafür, dass alle die gleichen Chancen und Startbedingungen haben – notfalls auch mit dem privaten Geldbeutel. Können Auszubildende den vorgegebenen Dresscode in ihren Filialen nicht erfüllen, weil sie kein Geld für neue Schuhe oder Kleidung haben, springt sie ein. "Ich kann das aktuelle Ausbildungssystem nur dann kritisieren, wenn ich selbst auch etwas dafür tue, dass bestimmte Menschen nicht durchrutschen", ist ihr Standpunkt. Ihr Engagement geht sogar so weit, dass sie ein Notschlafzimmer in ihrer Filiale in Reichelsdorf eingerichtet hat. Mal trennt sich jemand, mal gibt es familiäre Probleme – egal aus welchem Grund, alle Mitarbeitenden können sich den Schlüssel dafür einfach nehmen.

Mit Kreativität, Empathie und einer großen Portion sozialem Engagement zeigt Monika Gruber, wie sich ein Ausbildungsbetrieb aufstellen kann, damit ihm die Herzen und Bewerbungen von potenziellen Nachwuchskräften quasi von selbst zufliegen.