Vor Beginn der Handwerksmesse meldet sich die Gewerkschaft zu Wort. Der DGB würde sich gerne enger mit den Arbeitgebern austauschen. Die Gewerkschaft glaubt, dass die Betriebe davon profitieren würden.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat die Arbeitgeber zu einem engeren Austausch aufgerufen, um den Fachkräftemangel in den Griff zu bekommen. Anlass ist der Kongress "Zukunft Handwerk" in München, auf dem vor einem Jahr der "Zukunftsdialog Handwerk" ins Leben gerufen wurde. In diesem Arbeitskreis diskutieren Arbeitgeber und Arbeitnehmer über Zukunftsfragen des Handwerks. Dabei geht es auch um die Frage, wie Innungen, die Sozialpartnerschaft sowie die Selbstverwaltung des Handwerks gestärkt werden können.
"Wo der Zukunftsdialog Handwerk seit einem Jahr stattfindet, ist er gut angelaufen", sagte Stefan Körzell, im DGB-Vorstand zuständig für Handwerksthemen. Insgesamt finde aber insgesamt noch zu wenig Austausch statt, so Körzell. "Die Arbeitgeber dürfen sich nicht länger zurücklehnen." Schon jetzt fehlten überall Handwerkerinnen und Handwerker und die Fachkräftelücke werde weiter wachsen. Körzell: "Der Zukunftsdialog ist dafür da, genau dieses Problem gemeinsam anzugehen. Unser Ziel muss sein, die im Handwerk ausgebildeten Fachkräfte in der Branche zu halten."
Starke Innungen gewünscht
Nach Ansicht Körzells bedürfe es dafür starker Innungen und starker Gewerkschaften. "Tarifbindung und starke Sozialpartnerschaft sind gut für das Handwerk", sagte das DGB-Vorstandsmitglied. "Sie verhindern, dass der Wettbewerb im Handwerk auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen wird."
Die Arbeitnehmer haben sich zum Ziel gesetzt, die Tarifbindung im Handwerk wieder stärker zu verankern. Gleichzeitig haben sie damit zu kämpfen, dass viele Innungen an Schlagkraft verlieren. Den Gewerkschaften kommt sozusagen der Partner auf Arbeitgeberseite abhanden. Der Organisationsgrad sinkt.
Sympathie für Sozialpartnerschaft
Nadine Boguslawski, im Vorstand der IG Metall zuständig fürs Handwerk, hatte zuletzt für die Tarifbindung geworben. "Mit Tarifbindung ist ein Unternehmen attraktiver für die Beschäftigten, sie ist eine Art Gütesiegel. In den Branchen, für die wir als IG Metall zuständig sind, besteht eine höhere Sicherheit für die Beschäftigten – und sie sind zufriedener", sagte sie im Interview mit der DHZ.
Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Jörg Dittrich, hatte im Sommer vergangenen Jahres seine Sympathie für eine Stärkung der Sozialpartnerschaft erkennen lassen. Im Handwerk sei zu erkennen, "dass es Gewerken, die eine stärkere Sozialpartnerschaft haben – zum Beispiel auch mit Sozialkassen – besser geht, weil sie allgemeinverbindliche Leitplanken haben", sagte er im Gespräch mit der DHZ. "Damit haben wir einen Beleg dafür, dass Sozialpartnerschaft für alle gut ist: Beschäftigte und Betriebe."