Schreinerei Wo das Zirbenholz für schöne Träume sorgt

Ein Werkstoff, ein Auftrag: gutes Schlafen. Die Schreiner Georg und Andreas Loferer haben sich auf die Herstellung von Zirbenholzbetten spezialisiert. Damit begegnen sie den Problemen vieler ihrer Kunden und sorgen für ein ganz besonderes Schlaferlebnis.

Mitarbeiter Martin Steininger bearbeitet ein Holzbrett mit einem Hobel. Die Oberfläche aller Zirbenbetten bleibt roh und wird nicht weiterbearbeitet. - © Lina Demmel

Es ist 9:30 Uhr an einem Donnerstagvormittag. Ein kalter, stürmischer Wind weht durch das Dorf. Am Ortsausgang von Sufferloh, einem kleinen Ort bei Holzkirchen zwischen München und den bayerischen Alpen, befindet sich die Schreinerei Loferer. Gleich neben der Einfahrt steht ein kleines, relativ neu wirkendes Gebäude. Beim Durchschreiten der Eingangstür umfließt einen eine angenehme Wärme und der wohlige, intensive Duft von Holz steigt in die Nase. Rechts neben der Tür steht eine glänzende neue Küche, ein Ausstellungsstück, in der Mitte ein großer Holztisch und am anderen Ende des Raumes hinter einer Art Theke stapeln sich die Aktenordner. Boden und Decke des Büros und Verkaufs- und Ausstellungsraums der Schreinerei sind mit Holz verkleidet. Hier verweilt man gerne etwas länger, um sich von den Vorzügen eines neuen Bettes oder einer neuen Küche überzeugen zu lassen.

Georg Loferer wirkt mit seinem weißen Hemd und der Brille nicht wirklich wie ein Handwerker, eher wie ein Geschäftsmann, und das ist er auch. Zusammen mit seinem Bruder Andreas Loferer leitet er die Schreinerei, die sie 1996 von ihrem Vater übernommen haben. Mittlerweile kümmern sich die beiden vor allem um den Verkauf und die Geschäftsführung. Ihre vier Mitarbeiter stellen in der Werkstatt die Möbel her.

Profis fürs Zirbenholz-Schlafzimmer

Lange will Georg Loferer nicht an dem großen Tisch sitzen bleiben und plaudern. "Am besten lasse ich die Möbel für sich sprechen", lacht er. Über eine Holztreppe kommt man in ein Obergeschoss, das als Ausstellungsraum dient. Hier findet man eine große Auswahl an Massivholzbetten, die allesamt auf ein kleines Nickerchen in dem lichtdurchfluteten Dachgeschoss einladen. Die Schreinerei Loferer stellt alles her, was sich im Repertoire eines Schreiners befindet. Doch ihr Schwerpunkt und ihre Besonderheit sind die Zirbenholz-Schlafzimmer. Dafür sind sie auch bekannt. Sogar durchreisende Urlauber bestellen schon mal ein Bett bei den Loferers.

Seit 2014 arbeiten die Brüder mit der Zirbe, nachdem sie sich in den Baum und sein Holz verliebt haben. "Das Holz und seine Wirkung haben uns gefallen, genau wie der Baum selbst. Wo er wächst, wie er wächst, über der Baumgrenze, wo sonst nichts wächst", erzählt Georg Loferer. Die Zirbelkiefer findet man in den Alpen in hohen Berglagen zwischen 1.300 und 2.850 Meter Höhe, wo sie extremen Witterungseinflüssen strotzt. Ihre ätherischen Öle haben einen intensiven, ganz besonderen und wohlhabenden Geruch, den man auch in Loferers Ausstellungsraum wahrnimmt. Das Holz beziehen Georg und Andreas Loferer aus Österreich. Vor allem aus der Steiermark, und aus Südtirol.

Georg Loferer entrindet die Kanten des Holzbrettes mit einem Zugeisen. - © Lina Demmel

Betten von Hand hergestellt

Hergestellt werden die Möbel mit viel Handarbeit in der nebenstehenden Werkstatt. Am Ausstellungsgebäude vorbei geht es eine kleine Anhöhe hinauf zum Eingang. Drinnen wartet eine typische Schreinerwerkstatt: Ein großer hoher Raum mit Holzboden und grellen Lichtröhren an der Decke. In der Mitte stehen Werkbänke und Maschinen. An der Wand lehnen Holzbretter und in Regalen reihen sich die Werkzeuge und Materialien aneinander. Durch das große Fenster kann man den blau-grauen Himmel draußen beobachten. Auch hier ist der Raum erfüllt vom herrlichen Duft des Holzes, den man sofort intensiv einatmen und in sich aufnehmen möchte, solange man die Gelegenheit dazu hat.

An diesem Donnerstagvormittag ist die Werkstatt ziemlich leer. Die meisten Mitarbeiter sind heute auf Montage und liefern Möbel aus, wie Georg Loferer informiert. Nur Martin Steininger arbeitet fleißig in der Werkstatt und bearbeitet ein Holzbrett fachmännisch mit dem Hobel. Feine Holzspäne wirbeln in der Luft, bevor sie sanft zu Boden fallen. Danach nimmt Steininger ein Zugeisen in die Hand und entrindet die Kanten des Holzbretts. Auch Georg Loferer legt heute ausnahmsweise Hand an und entfernt mit geschickten Zügen die Rinde des Holzes.

Die besondere Wirkung der Zirbe

Georg Loferer auf einem seiner Ausstellungsstücke. - © Lina Demmel

Alle Betten, die die Werkstatt der Schreinerei Loferer verlassen, werden metallfrei und naturbelassen hergestellt. Die Oberfläche bleibt roh und wird lediglich geschliffen oder handgehobelt. Dadurch entfaltet das Zirbenholz am besten seinen wunderbaren Duft, der eine beruhigende und schlaffördernde Wirkung haben soll. "Hundertprozent bewiesen ist diese Aussage aber nicht, weshalb wir auch keine Werbung damit machen dürfen", erklärt Georg Loferer.

Doch die zahlreichen Kundenfeedbacks sprechen für sich. Auf Wunsch liefert die Schreinerei Loferer ein komplettes Bettsystem mit einem Lattenrost der Firma Relax, der sich durch dreidimensional bewegliche Federkörper perfekt an den Körper anpasst. Viele Kunden berichten von Rückenverspannungen, Nacken- und Schulterschmerzen. Das neue Bett lasse sie tief und fest durchschlafen, die Schmerzen am Morgen seien verflogen und der Duft der Zirbe sei sehr wohltuend. So schreibt eine Kundin: "Die Schultern entspannten sich und der Schwindel war weg. Seitdem freue ich mich jeden Tag auf mein Bett, in dem ich mich geborgen fühle." Ein anderer Kunde freut sich nach jeder Dienstreise, wieder in seinem Bett zu schlafen. Und ein weiterer beschreibt das Bettsystem als "Traum für schöne Träume".

Ohne Schmerzen aufgewacht

Eines der Wunderwerke aus der Werkstatt der Loferers: Ein Balkenbett aus Zirbe. - © Lina Demmel

Georg Loferer erinnert sich besonders an einen Kunden. Ein Schmerzpatient rief ihn am nächsten Tag an und erzählte, dass er gleich die erste Nacht im neuen Bett verschlafen habe und kein einziges Mal aufgewacht sei, um seine Schmerztabletten zu nehmen. Werden die Beschwerden danach nicht besser, ergibt sich eventuell eine weitere Beratung. Denn auch andere Faktoren wie Elektrostörfelder, WLAN- oder Handystrahlung können den Schlaf negativ beeinflussen. "Dafür sind wir aber nicht die Experten. Die Kunden kommen in erster Linie für das Bett", stellt Georg Loferer klar. Bei Bedarf empfiehlt er aber gerne einen Experten weiter. Man sieht, das Motto der Schreinerei "G‘sund schlafen und wohnen" wird hier in jeder Hinsicht gelebt und weitergegeben.

Georg Loferer selbst schläft nicht in einem Zirbenbett. Sein Bett hat er damals zusammen mit seiner Frau gebaut. Doch vieles in seinem Haus ist aus Zirbe. Er ist quasi Tag und Nacht von der Zirbe umgeben, sodass er den Geruch gar nicht mehr bewusst wahrnimmt. Doch die Wirkung ist allemal da.

Beim Hinausgehen weht der noch stärker gewordene Wind eisig durch Gesicht und Haare und man sehnt sich sofort wieder zurück in die wohlig-warme Stube mit dem herrlichen Zirbenduft.

Dieser Beitrag ist im Rahmen eines Reportage-Projekts des Master-Studiengangs Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt entstanden. Die Deutsche Handwerks Zeitung ist Kooperationspartner für dieses Seminar.