Der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe geht weiter zurück. Der Zentralverband des Baugewerbes fordert zusätzliche Gegenmaßnahmen – andernfalls drohe Personalabbau.
Die Betriebe des deutschen Bauhauptgewerbes haben im November 2023 weniger Aufträge erhalten. "Auch nach den Novemberzahlen bleibt der Wohnungsbau das Sorgenkind der Branche: Die Aufträge brechen im Vergleich zum Vorjahresmonat real um sieben Prozent ein", sagte Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes mit Blick auf die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Insgesamt ist der Auftragseingang im Hoch- und Tiefbau im Vergleich zum Vorjahr real und kalenderbedingt um 2,7 Prozent zurückgegangen. Im Vergleich zum Vormonat sanken die Aufträge real, saison- und kalenderbedingt sogar um 7,4 Prozent. Und auch hier gab es im Wohnungsbau ein Minus von 6,8 Prozent.
Pakleppa: Auftragspolster für 2024 zu gering
Dabei machen dem Wohnungsbau seit längerer Zeit die Inflation und die gestiegenen Zinsen zu schaffen. "Seit 19 Monaten sind wir hier schon im Rückwärtsgang unterwegs", betonte Pakleppa. Im Vergleich zum Vorjahr fehlten bis November 2023 Baugenehmigungen für rund 83.000 Wohneinheiten. Dies sei ein Rückgang von insgesamt 26 Prozent. Bei Zweifamilienhäusern seien die Baugenehmigungen sogar um 50 und für Einfamilienhäuser um 40 Prozent zurückgegangen. "Die Auftragspolster für das Jahr 2024 sind zu gering", sagte Pakleppa.
Zentralverband warnt vor Kapazitätsabbau
Und der Verband warnt: "Wenn hier die Talfahrt weitergeht, Personal abgebaut werden muss oder es zu Insolvenzen kommt, werden wir auf lange Sicht die Wohnungsnot nicht in den Griff bekommen", sagte Pakleppa. "Dass bei der Haushaltsplanung 2024 auf den letzten Metern noch zusätzlich Fördermittel offensichtlich für den Mehrfamilienhausbau eingestellt wurden, ist ein Lichtblick", fügte er hinzu. Doch es reiche nicht aus.
Pakleppa fordert temporäre Förderkonzepte für EH-55-Niveau
Für potenzielle Eigenheimbauer, deren Umsatzanteil den Wohnungsneubau dominiere, bleiben die staatlichen Impulse nach Einschätzung des Verbandes zu schwach. Bauunternehmen in diesem Geschäftsfeld stünden vor enormen Herausforderungen, die aufgebaute Beschäftigung zu halten. Nötig sei eine temporäre Entlastung für den privaten Wohnungsbau, forderte Pakleppa. "Hier sollte der Bund mit Förderkonzepten auf EH-55-Niveau helfen", fügte er hinzu. Auch sollten die Länder die Grunderwerbsteuer senken.
Programm "Klimafreundlicher Neubau" kommt wieder
Zuvor hieß es aus dem Bundesbauministerium, dass das Förderprogramm für den klimafreundlichen Neubau (KFN) voraussichtlich nach dem endgültigen Beschluss des Bundeshaushaltes im Februar wieder an den Start gehe. Das Programm war Mitte Dezember wegen leerer Fördertöpfe unerwartet gestoppt worden. Das Programm sah bisher eine Förderung von Wohnimmobilien auf EH-40 Standard vor.
Umsatz geht preisbereinigt zurück
Insgesamt hat das Bauhauptgewerbe im November 2023 einen Umsatz von 101,4 Milliarden Euro verzeichnet. Das waren preisbereinigt rund drei Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Im Wohnungsbau wurden 24 Milliarden Euro umgesetzt. Ein Rückgang von real rund zehn Prozent, wie der Zentralverband weiter mitteilte.
