In der Diskussion um die Erhöhung des Bürgergeldes hat sich jetzt das Ifo-Institut zu Wort gemeldet. Die Forscher rechnen vor: Wer arbeitet, erzielt höhere Einkommen als Bezieher von Bürgergeld – allerdings unter einer Bedingung.

Arbeit führt in Deutschland zu höheren Einkommen als Nichtstun. Wer arbeite und alle ihm zustehenden Sozialleistungen in Anspruch nehme, habe immer mehr verfügbares Einkommen als jemand, der nur Sozialleistungen bekomme. "Die von manchen Politikern aufgestellte Behauptung, wer nur Sozialleistungen beziehe, bekomme netto mehr als ein Geringverdiener, ist schlicht falsch", sagt Andreas Peichl, Leiter des Ifo-Zentrums für Makroökonomik und Befragungen. "Dieser Fall ist deshalb ausgeschlossen, weil es die Freibeträge für Erwerbstätige bei der Anrechnung von Einkommen auf die Sozialleistungen gibt, um genau das zu verhindern", fügte Ifo-Forscher Maximilian Blömer hinzu.
Beispiele untermauern Lohnabstandsgebot
Anhand von Beispielen untermauern die Forscher ihr Ergebnis: Wer etwa als Alleinstehender in einer Stadt mit mittlerem Mietniveau, wie beispielsweise Dresden, wohne und 1.000 Euro brutto verdiene, bekommt nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben und unter Hinzufügung der Sozialleistungen 891 Euro heraus. Wer nur Sozialleistungen bekommt, habe 563 Euro Bürgergeld. "Es wird deutlich, dass trotz der deutlichen Anhebung der Regelsätze im Bürgergeld weiterhin ein spürbarer Lohnabstand besteht", heißt es in der Studie mit Blick auf die für das Jahr 2024 beschlossenen Anpassungen im deutschen Steuer- und Transfersystem.
Geringverdiener müssen Möglichkeit der Aufstockung nutzen
Und Forscherkollege Manuel Pannier vom CES in München wird noch deutlicher: "Nur wenn ein Alleinstehender mit 1.000 Euro Brutto-Einkommen keinerlei Sozialleistungen beantragt, die er erhalten kann, dann landet er bei 357 Euro netto", sagt er. Bei 2.000 Euro brutto seien es für einen Alleinstehenden mit Sozialleistungen netto 1.020 Euro, ohne 965 Euro. Beide Beträge seien wesentlich höher als das Bürgergeld von 563 Euro.
Nichts anderes gilt für Alleinerziehende
Und bei Alleinerziehenden ist es den Angaben der Forscher zufolge nicht anders: Wer brutto 1.000 Euro verdient, bekommt mit den Sozialleistungen sogar 2.033 Euro heraus, ebenfalls mehr als jemand ohne Arbeitseinkommen und nur mit Sozialleistungen. Der kommt auf 1.553 Euro. "Wer allerdings keinerlei Sozialleistungen beantragt, der landet mit 1.000 Euro brutto nur bei 622 Euro", sagt Ifo-Forscherin Lilly Fischer. Entsprechende Berechnungen hat das Ifo-Institut ebenfalls für Paarhaushalte und verschiedene Mietniveaus angestellt.
Problem der Niedrigeinkommensfalle
Das Ifo-Institut weist allerdings auch daraufhin, dass sich etwa für Alleinerziehende mit Transferbezug eine Erhöhung des Bruttoeinkommens von 2.000 auf 3.000 Euro pro Monat kaum auszahle. Bei Alleinerziehenden mit durchschnittlichen Mietkosten erhöhe dies das verfügbare Einkommen nur um 59 Euro. Auch bei Ehepaaren mit zwei Kindern wirke sich ein Mehrverdienst im Bereich zwischen 3.000 und 5.000 Euro an monatlichem Bruttoeinkommen kaum aus. Hier betrage der Anstieg des verfügbaren Einkommens oft weniger als 100 Euro. Eine Ausweitung der Arbeitszeit, der Wechsel in eine besser bezahlte Tätigkeit, werde dadurch oft unattraktiv.
Forscher sprechen sich für Reformen aus
Die Forscher sprechen sich deshalb trotz des existierenden Lohnabstands für Änderungen aus: "Eine Reform des bestehenden Systems halten wir aufgrund der teilweise äußerst geringen Anreize zur Ausweitung bestehender Erwerbstätigkeit oder Erhöhung des Bruttoeinkommens für niedrige und mittlere Einkommen trotz des existierenden Lohnabstandes für notwendig", heißt es.