Wenn der Arbeitsalltag eines Lehrlings ständig mit Aufgaben gefüllt ist, die nicht dem Ausbildungszweck dienen, kann dies als Diskriminierung gewertet werden. Wo diese anfängt und warum Betriebe bei dem Thema vorsichtig sein sollten, erklärt Ausbildungsberater Peter Braune in seiner Kolumne.

Schikane oder Diskriminierung können während der Lehrzeit in ganz unterschiedlichen Situationen stattfinden. Manchmal kann das dazu führen, dass Auszubildende den Betrieb verlassen. Diskriminierte Auszubildende befinden sich in einem Machtgefälle. Meist werden Auszubildende schlechter behandelt als langjährig Beschäftigte.
Eine Diskriminierung liegt auch dann vor, wenn den Auszubildenden unnötige oder nicht dem Ausbildungszweck dienende Aufgaben übertragen werden, die nicht im betrieblichen Ausbildungsplan vorgesehen sind. Wann die Grenze zur Diskriminierung überschritten ist, ist jedoch nicht so einfach zu beurteilen. Denn es ist zulässig, dass Auszubildende gelegentlich Hilfsarbeiten verrichten. So ist es beispielsweise üblich und zulässig, dass ein Tischlerlehrling eine Maschine reinigt, die der Ausbildung dient. Er darf aber nicht die Reinigungskraft ersetzen.
Diskriminierung manchmal nur, weil der Lehrling ein bisschen anders ist
Was ebenfalls nicht geht und unter die Überschrift Diskriminierung passt, sind die Erlebnisse einer angehenden, minderjährigen Friseurin, die für Kundinnen zum Bäcker gehen oder für diese die Parkuhr nachstellen musste. Regelmäßig sollte sie für die Chefin in der Apotheke Medikamente abholen und einkaufen gehen, das Altglas entsorgen oder wurde zur Änderungsschneiderei geschickt.
Überall, wo Menschen zusammentreffen, kann es zu Schikane oder Diskriminierung kommen. Menschen, die andere schikanieren, versuchen damit oft, eigene Unzulänglichkeiten zu kaschieren und von persönlichen Schwächen abzulenken. Wenn Auszubildende diskriminiert werden, kann das an einfachen Dingen wie mangelndem Selbstvertrauen liegen – oder einfach daran, dass sie etwas anders sind. Es kann sich um ein seltenes Hobby handeln oder um die Wahl der Kleidung.
Oftmals gibt es nicht einmal einen Grund für die Schikane. Dies macht es für die Betroffenen schwer zu verstehen, warum ausgerechnet sie am Ausbildungsplatz diskriminiert werden.
Diskriminierung: Gespräch mit neutraler dritter Person kann helfen
Es gibt natürlich so selbstbewusste junge Leute, die das Verhalten nicht interessiert, ihr Ding machen, und der Schikane sowie der Person nicht übermäßig viel Bedeutung zuschreiben. Sie bekommen keine Selbstzweifel und denken nicht darüber nach, die eigene Persönlichkeit zu verändern. Eine Rechtfertigung für die Diskriminierung gibt es aus ihrer Sicht nicht. Es handelt sich um ein Verhalten, dass sie einfach nicht akzeptieren.
Es kann sein, dass eine dritte Person das Geschehen beobachtet. Wenn es die Situation erlaubt, kann ein Gespräch unter neutraler Leitung mit dieser Person hilfreich sein. So kann direkt gesagt werden, worin die Diskriminierung besteht oder dass sich der Auszubildende schlecht behandelt fühlt. Das Gespräch sollte aber nicht in einen Streit ausarten. Die Beteiligten bleiben ruhig und sachlich. Schließlich geht es darum, gemeinsam eine Lösung zu finden, damit wieder Harmonie im Ausbildungsverlauf herrscht.
Führte dieses Gespräch nicht zu einer Besserung, bleibt nur noch eines übrig: ein Gespräch mit der Meisterin oder dem Meister. Die sind dazu verpflichtet, eine Lösung zu finden. Ein Lehrbetrieb, in dem so etwas geschieht, darf sich aber nicht darüber wundern, wenn so ein Verhalten der Beschäftigten den Ruf schädigt. So etwas spricht sich schnell herum. Manche überlegen sich, ob sie dort eine Bewerbung hinschicken.
Ihr Ausbildungsberater Peter Braune
Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.