Marko Gnech holt sich beim Boxen den Gürtel als WBF-Weltmeister im Halbschwergewicht. Abseits vom Boxring betreut er einen Kehrbezirk mit 2.900 Haushalten.

Ein Schornsteinfeger will hoch hinaus. Beruflich gehört das für den Marko Gnech aus Bielefeld zum Alltag. Kürzlich hat der 49-Jährige auch als Sportler den Gipfel erreicht. In der Cultura-Arena von Rietberg wurde der Handwerker zum Boxweltmeister im Halbschwergewicht gekürt.
Damit krönte Gnech seine sportliche Karriere, die keineswegs geradlinig verlief und lange Zeit unterbrochen war. Umso erstaunlicher, mit welcher Schlagkraft und Reaktionsschnelligkeit er als Herausforderer den amtierenden Weltmeister Jeff Stutt aus Neuseeland in die Schranken wies. Stutt stand schon als Profi-Boxer im Ring.
Inzwischen kämpft er wie Marko Gnech im Breitensport der World Boxing Foundation (WBF) und hat in einem Schornsteinfegermeister nun seinen Meister gefunden. "Das war schon ein toller Moment, als ich im Ring den Weltmeistergürtel umgelegt bekam", beschreibt Marko Gnech den Höhepunkt seiner sportlichen Laufbahn.
Beim Boxen in Vaters Fußstapfen
Die Leidenschaft fürs Boxen wurde bei Marko Gnech schon früh geweckt, da sein Vater aktiver Boxer war. Mit acht Jahren schloss sich auch der Sohn dem Boxverein an, als Zehnjähriger absolvierte Marko seinen ersten Kampf. 1989 wurde er für den BC Vorwärts Bielefeld deutscher Jugendmeister.
Doch anders als sein Bruder, der später in der Bundesliga kämpfte, entschied sich Marko Gnech für eine Karriere im Handwerk. "Ich habe mit dem Rauchen angefangen und mit dem Sport aufgehört", erinnert sich der Schornsteinfegermeister. 17 Jahre lang dauerte seine Abstinenz vom Boxen. Ausgerechnet eine Hypnose zur Raucherentwöhnung führte Gnech wieder zurück in den Ring.
Ein Leben zwischen Beruf, Familie und Boxsport
Seither trainiert er hart für den sportlichen Erfolg, versucht Beruf, Familie und Boxen unter einen Hut zu bringen. Als bevollmächtigter Bezirksschornsteinfegermeister mit einem Angestellten und Sohn Julian als Azubi im zweiten Lehrjahr betreut Gnech im Kehrbezirk Steinhagen im Kreis Gütersloh rund 2.900 Haushalte. Zweimal pro Woche geht es zum Training im Verein Boxsport Bielefeld. "Aber das reicht natürlich nicht aus. Um die nötige Kondition für einen Boxkampf aufzubauen, muss man jeden Tag Ausdauertraining betreiben", sagt Gnech. Die Kämpfe in seiner Altersklasse laufen über sechs Runden zu je zwei Minuten. Da braucht es ordentlich Fitness, um Gegnern wie Jeff Stutt Paroli bieten zu können.
Aus sportlicher Sicht wertet Gnech den Sieg gegen den Neuseeländer allerdings nicht so hoch ein wie den Gewinn des Europameistertitels ein Jahr zuvor. Damals bezwang er mit dem dreifachen Militärweltmeister und ehemaligen Olympiateilnehmer Steven Küchler einen profilierteren Boxer, der auf die Erfahrung von mehr als 260 Kämpfe bauen konnte. Gnech stand seit seinem Comeback nur 60 Mal im Ring, konnte den Kampf aber dennoch erfolgreich gestalten und sich damit für den WM-Kampf qualifizieren.