Handwerk und Sport Metallbauer spielt bei Vierschanzentournee bedeutende Rolle

Der Handwerksbetrieb von Peter Riedel rüstet weltweit Sprungschanzen mit modernen Anlaufsystemen aus. Für die nächste nordische Ski-WM 2025 in Trondheim haben die Erzgebirger ihr bislang größtes Projekt gestemmt.

Skiflugweltrekordler Stefan Kraft und Peter Riedel auf der Paul-Außerleitner-Schanze in Bischofshofen
Skiflugweltrekordler Stefan Kraft und Peter Riedel auf der Paul-Außerleitner-Schanze in Bischofshofen, wo jedes Jahr das Abschlussspringen der Vierschanzentournee stattfindet. Auch hier liegt eine Master Track Double-Anlaufspur für Skispringen im Sommer wie im Winter. - © Peter Riedel GmbH

Freitag der 13. sollte für Peter Riedel zum Glückstag werden. Es war Mitte Februar 2005, als der Unternehmer der Schanzenbaukommission des internationalen Skiverbandes FIS in Willingen seine Erfindung vorstellte: Eine kombinierte Sommer- und Winter-Anlaufspur für Sprungschanzen. Seither rüstete seine Metallbaufirma weltweit 113 Schanzen mit dem Spursystem aus. Für die nordische Skiweltmeisterschaft 2025 in Trondheim hat die Peter Riedel GmbH erstmals den kompletten Stahlbau der Skisprung­schanzen übernommen. Es war das bislang größte Projekt in der Ge­schichte des Unternehmens.

Der Auftrag über 1,6 Millionen Euro umfasste die gesamte Stahlkonstruktion mit Anlaufspuren für Normal- und Großschanze plus Bewässerung, Balken-, Eisfräsen- und Windensystemen, dazu sämtliche Banden, Treppen und Geländer. 44 Tonnen Stahl haben Peter Riedel und seine sechs Mitarbeiter daheim im erzgebirgischen Raschau vorgefertigt, dann mit sieben Lkw nach Norwegen transportiert und schließlich an 70 Tagen vor Ort montiert. "Wir waren bei Wind und Wetter auf der Baustelle, oft hat es geregnet. Aber ein solches Projekt zu stemmen, macht mich und meine Mannschaft unheimlich stolz, zumal alles ohne Beanstandungen abgenommen wurde", blickt Peter Riedel auf dieses Mammutprojekt zurück.

Vom Gerüstbauer bis zum Schuhmacher

Handwerk und Sport gehören zu­sammen wie ein Paar Schuhe. Denn jede Sportart benötigt individuelle Lösungen oder Produkte, die auf spezielle Anforderungen zugeschnitten sind. Im Skispringen wird das besonders deutlich. Ob im Gerüstbau für die Arbeiten an den komplexen Bauwerken, im Seilerhandwerk bei der Herstellung gigantischer Schnee­halte-Netze oder bei der Entwicklung von Schuh-Bindungs-Systemen durch pfiffige Schuhmacher – überall tüfteln Handwerker an Lösungen, um Sportlern optimale Bedingungen zu bieten.

Bei Peter Riedel liegt die Begeisterung für den Wintersport quasi in den Genen. Vater Eberhard war der einzige alpine Skirennläufer Ostdeutschlands von Weltniveau. 1961 feierte er beim Weltcup in Adelboden mit dem Sieg im Riesenslalom seinen größten Erfolg. Mittlerweile 85-jährig, wedelt "Ebs" Riedel immer noch in eleganten Schwüngen vom Fichtelberg. Auf Skiern, die in der Werkstatt von seinem Sohn seit 2019 handgefertigt werden. Eine Liebelei, die Peter Riedel als Hommage an seinen Vater versteht. Obwohl selbst mehrfacher Landesmeister, konnte er vom Weltcup nur träumen. 1968 hatten die DDR-Sportfunktionäre die Förderung für die Alpinfahrer eingestellt. Starts im westlichen Ausland blieben ihnen verwehrt.

Zimmermann, Hochbau-Ingenieur und Experte für Sprungschanzen

Aber die Liebe zum Wintersport treibt Peter Riedel auch beruflich zu Höchstleistungen. Nach einer Zimmermannslehre und einem Studium zum Hochbau-Ingenieur findet er schnell in die Erfolgsspur. Eine Machbarkeitsstudie für den Skitunnel in Oberhof, in dem seit 2009 Langläufer und Biathleten ganzjährig auf Schnee trainieren können, eröffnet dem Tüftler das Tor zur Sporttechnologie.

Seit der Vorstellung seines ersten Spursystems für Sprungschanzen treibt Peter Riedel mit stetigen Weiterentwicklungen die Anlauftechnik für Skispringer voran. Und sein Unternehmen hat sich im Laufe der Jahre von einer reinen Montagefirma zu einem hoch qualifizierten Metallbau- und zertifizierten Schweißbetrieb für Aluminium, Stahl und Edelstahl entwickelt. Bei der Ausstattung des Granåsen Skizentrums in Trondheim für WM 2025 kamen gleich drei neue Innovationen zum Einsatz.

Über das weltweit erste Fernwartungssystem kann Riedel von überall die Parameter der Kühlanlage ab­­lesen und notfalls eingreifen, wenn etwas nicht wie geplant läuft. Zudem arbeitet ein neues Kältemittel effizienter bei geringerem Energieverbrauch. „Ein absolutes Muss in Zeiten der Klimakrise“, be­tont Riedel. Bei der Spurfräse kommt erstmals ein Bürstensystem zum Auskehren der Spur zum Einsatz. Sommer wie Winter erleichtert das die Arbeit der Schanzenbetreiber und Trainer, die dafür keinen Besen mehr in die Hand nehmen müssen.

An Norwegens Sprungschanzen besonders aktiv

Mit Norwegen, speziell Trondheim, verbindet Peter Riedel eine lange Freundschaft. Zwar hat sein Unternehmen inzwischen 113 Schanzen weltweit mit Anlaufsystemen ausgestattet – vom japanischen Sapporo bis zum französischen Cour­chevell, vom finnischen Kuusamo bis zum polnischen Zakopane sowie mit Garmisch, Innsbruck und Bischofshofen drei Standorte der Vierschanzentournee. Aber in Norwegen hat Riedel seine tiefsten Spuren hinterlassen.

In Trondheim legte der sportbegeisterte Visionär das Fundament seines wirtschaftlichen Erfolges. 2007 wurde auf der Großschanze die erste von ihm entwickelte Anlaufspur installiert. Dass sie durch den Neubau für die WM 2025 nicht im Schrott landet, war Peter Riedel besonders wichtig. Und so wanderte die alte Anlaufspur zurück in die Werkstatt nach Raschau und wurde generalüberholt, um danach am Midtstubakken in Oslo ein zweites Leben zu erhalten. "Upcycling ist für mich gelebte Nachhaltigkeit. Gute Qualität muss man nicht wegwerfen", redet Riedel der Kreislaufwirtschaft das Wort.

Seit 2017 am Holmenkollen auch Skispringen im Sommer

Skiflugschanze von Vikersund
An der Skiflugschanze von Vikersund hat die Firma Riedel ihre längste Anlaufspur verlegt – 136 Meter lang. - © Peter Riedel GmbH

Am Midtstubakken trainieren die norwegischen Nachwuchsspringer in unmittelbarer Nachbarschaft zum berühmten Holmenkollen, der Wiege des Skispringens. 1892 wurde dort die erste Sprungschanze eingeweiht und später insgesamt 15 Mal umgebaut. Bis 2017 konnte dort aber nur im Winter ge­sprungen werden. Dann montierte die Firma Riedel ihr Master Track Double, ein kombiniertes Anlaufsystem mit einer Porzellanspur für Mattenspringen im Sommer und einer Eisspur für Wettkämpfe auf Schnee. Damit alle Springer im Winter die gleichen Anlaufbedingungen vorfinden, erzeugt spezielle Kältetechnik aus Schneematsch eine 7,5 Zentimeter dicke Eisschicht, die auch bei Plusgraden stabil bleibt. Um zusätzlich die Reibung zwischen Skier und Untergrund zu verringern, werden Längsrillen ins Eis gefräst. Das erhöht die Anlaufgeschwindigkeit, was wiederum weitere Sprünge ermöglicht.

Das weiß keiner besser zu schätzen als Stefan Kraft. Der zweimalige Ge­samtweltcupsieger aus Österreich erzielte beim Skifliegen 2017 in Vikersund mit 253,5 Metern die größte Weite, die je ein Skispringer gestanden hat. "Die Eisspur funktionierte perfekt und sorgte für faire Verhältnisse. Danke an Peter Riedel und sein Team für die gute Arbeit", lobte der Weltrekordler die Anlaufspur.

Unmittelbar vor dem Rekordspringen in Vikersund, bei dem zunächst der Norweger Robert Johansson auf 252 Meter gesegelt war, hatten die Metallbauer aus dem Erzgebirge am sogenannten Monsterbakken ihre mit 136 Metern längste Anlaufspur verlegt. In Stefan Krafts Weltrekord sieht Peter Riedel einen Sprung für die Ewigkeit. "Aus Sicherheitsgründen wurde der Absprungwinkel am Tisch der Sprungschanzen inzwischen leicht ab­geflacht, was zu geringeren Flug­höhen führt. Selbst bei perfekten Bedingungen halte ich einen neuen Weltrekord nicht mehr für möglich", sagt Riedel, der auch schon als Autor in Erscheinung getreten ist. Das Buch "Spuren des Erfolgs", das er zusammen mit seinem Vater verfasst hat, lässt die sportlichen wie unternehmerischen Erfolge der Familie Riedel Revue passieren. Aber das letzte Kapitel ist noch nicht geschrieben.