Die Drechslerei Bernd Hoxhold existiert seit 130 Jahren. Der klassische Familienbetrieb ist die letzte Drechslerei in Dresden und manchmal die letzte Hoffnung für ambitionierte Hobby-Handwerker.

Die große Weihnachtspyramide fällt auf zwischen all den Drehbänken. Sie ist das Werk eines Hobby-Handwerkers, der in seiner Freizeit mit viel Liebe zum Detail das dreistöckige Werk geschaffen hat. Das Problem: Die Pyramide dreht sich nicht so wie vorgesehen. Daher steht sie nun in der Werkstatt von Drechslermeister Bernd Hoxhold in Dresden. Er ist manchmal die letzte Hoffnung für ambitionierte Bastler.
Weihnachtliche Volkskunst
"Die Pyramidenreparatur ist ein Ganzjahresgeschäft, nicht nur zur Weihnachtszeit", erzählt der 59-Jährige. "Viele Leute bauen in ihrer Freizeit an ihnen. Allein letzte Woche wurden drei weitere Pyramiden bei uns abgegeben." Gemeinsam mit den Erschaffern der weihnachtlichen Volkskunst macht sich der Drechslermeister dann auf die Suche nach möglichen Schwachstellen in der Konstruktion, denkbaren Abhilfen und Lösungsmöglichkeiten. "Wir sind immer auch Forscher und Bastler. Wir werkeln, bis etwas dauerhaft läuft", so der Firmenchef. Wenn Bernd Hoxhold über sein Handwerk spricht, sprudelt es nur so aus ihm heraus. Mit Leidenschaft erzählt der 59-Jährige über seine Aufträge und die Herausforderungen, die er und sein Team für ihre Kunden meistern.
Damals: Tisch- und Schrankfüße
Dabei ist die Drechslerei ein klassischer Familienbetrieb. Neben seiner Frau und seinen beiden Söhnen David und Simon, die beide in der Ausbildung zum Drechsler sind, gehört noch eine Angestellte zur traditionsreichen Firma mit 130-jähriger Geschichte. Bernd Hoxhold führt heute an der Dresdner Stauffenbergallee in vierter Generation den Betrieb, den sein Urgroßvater Richard 1890 in der Neustadt gegründet hatte. Waren damals typische Produkte zum Beispiel Kegel für Kegelanlagen, Tisch- und Schrankfüße und Zigarettenverlängerungsrohre sogenannte Reservenspitzen, sind es heute neben Geländersprossen und Antrittspfosten auch Pfeifenfüße und Registerzüge für den Orgelbau sowie Drehteile für andere Musikinstrumente.
Heute: Unikate und historische Details
Neben Kleinserien stellen Bernd Hoxhold und sein Team immer wieder auch Unikate her. Zum Beispiel für eine junge zeitgenössische Künstlerin. Während diese ihre mitunter großen Plastiken und Formen aufs Papier bringt, schaut Bernd Hoxhold, wie er diese Ideen zur Realität werden lassen kann. Zusammengesetzt und auffällig lackiert entstehen später Hingucker in Überlebensgröße.
Doch auch auf historische wertvolle Detailarbeiten versteht sich die Drechslerei. Im Dresdner Residenzschloss etwa zeugen Blüten, Halbkugeln oder Formen für Leuchter im restaurierten kleinen Ballsaal und im Riesensaal von der Kunst- und der Handwerksfertigkeit Hoxholds.
Lange Tradition, bange Zukunft
Das Drechseln hat Tradition, wie kaum ein zweites Handwerk. Im siebten Jahrhundert vor Christus wurde in Italien der nachweislich älteste gedrehte Gegenstand hergestellt. Umso kritischer sieht aber die Zukunft des Handwerks aus, das seit 2018 auch im bundesweiten Verzeichnis immaterielle Kulturerbe steht und für das seit 2020 wieder die Meisterpflicht gilt. Es fehlen die Nachwuchskräfte und auch die Kundenwünsche haben sich stark verändert.
Die Drechslerei von Bernd Hoxhold ist heute die letzte ihrer Art in Dresden. "Vor der Wende gab es über 50 Betriebe hier", erzählt der Drechslermeister, dessen beide Söhne derzeit auch die einzigen Drechsler-Lehrlinge in Ostsachsen sind. "Sie lernen in Seiffen und sind dort hauptsächlich mit Holzspielzeugmachern zusammen", so Bernd Hoxhold. Sein Sohn David ist im dritten Lehrjahr. Der 20-Jährige sagt: "Der Anspruch im Drechslerhandwerk ist ein ganz besonderer. Es ist etwas Spezielles. Und gerade das fasziniert mich." Sein Ziel: Einmal in die Fußstapfen seines Vaters zu treten.