Bildung Deutsche Schüler stürzen bei Pisa-Studie ab

Jugendliche aus Deutschland haben im internationalen Leistungsvergleich noch nie so schlecht abgeschnitten. Daran ist auch die Corona-Pandemie schuld, doch die erklärt nicht alles. Ausbildungsbetriebe im Handwerk beklagen schon länger, dass es den Schülerinnen und Schülern an den erforderlichen Grundkompetenzen fehlt.

Schüler gehen durch Schulhalle.
Die Jugendlichen schnitten bei der jüngsten Pisa-Studie deutlich schlechter ab als zuletzt 2018. - © khwanchai - stock.adobe.com

Nach der jüngsten internationalen Pisa-Studie haben deutsche Schülerinnen und Schüler noch nie in Mathematik, Lesen oder Naturwissenschaften so schlecht abgeschnitten. "Das sind die niedrigsten Werte, die in Deutschland jemals gemessen wurden", sagte Francesco Avvisati, Co-Autor der Pisa-Studie. Die Jugendlichen schnitten deutlich schlechter ab als zuletzt 2018. So weist etwa ein Drittel der getesteten Schüler im Alter von 15 Jahren in mindestens einem der drei Bereiche nur sehr geringe Kompetenzen auf. Befragt wurden Jugendliche in allen Schultypen.

Dittrich: Bildungspolitik muss effektiver gegensteuern

Für Handwerkspräsident Jörg Dittrich bestätigen die vorgelegten Pisa-Ergebnisse die Erfahrungen der Ausbildungsbetriebe im Handwerk: "Bei zu vielen Schülerinnen und Schülern fehlt es an den für eine Ausbildung erforderlichen Grundkompetenzen", sagte er. Dies gefährde zunehmend auch den erfolgreichen Verlauf einer betrieblichen Ausbildung. So sehr sich Ausbildungsbetriebe im Handwerk bei der individuellen Betreuung der Auszubildenden engagierten, sie könnten eine unzureichende schulische Ausbildung nicht ausgleichen. Die Bildungspolitik müsse effektiver gegensteuern, forderte er.

Augenmerk liegt auf alltagstauglichen Fragen

Wie die Bildungsforscherin der TU-München, Doris Lewalter, sagte, soll mit der Studie untersucht werden, inwiefern 15-Jährige gegen Ende ihrer Pflichtschulzeit alltagsnahe Aufgaben in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften lösen können. Dabei wurden Jugendliche aus 81 Ländern befragt. Allein in Deutschland waren es rund 13.000 Schüler verteilt über alle Schultypen. Die Vergleichsstudie findet seit dem Jahr 2000 alle drei Jahre statt. Dieses Mal standen die mathematischen Fähigkeiten im Mittelpunkt.

In Mathematik gehören 30 Prozent zu den Leistungsschwachen

Und die sind in Deutschland weiter gefallen: So hat der Anteil der besonders Leistungsschwachen im Fach Mathematik von 22 Prozent im Jahr 2018 auf 30 Prozent im vergangenen Jahr zugenommen. In Deutsch waren es 26 Prozent und in den Naturwissenschaften 23 Prozent. Mit Blick auf andere OECD-Staaten erreichen die Schüler hierzulande in Mathematik und in Deutsch nur noch das durchschnittliche OECD-Niveau. Nur in den Naturwissenschaften liegen die befragten deutschen Jugendlichen noch etwas besser als der OECD-Durchschnitt. Besonders gut waren im Fach Mathematik Jugendliche aus Japan und Korea.

Corona-Pandemie erklärt nicht alles

Als Gründe nannte Lewalter die Pandemie mit den Schulschließungen und die vergleichsweise schlechte Vorbereitung Deutschlands auf den Distanzunterricht. Die internationalen Daten zeigten aber auch, dass dies nicht der einzige Grund gewesen sei. Hinzu komme, dass die Jugendlichen im Vergleich zu 2012 weniger an Mathematik interessiert seien. Daneben verwies sie auf einen immer größeren Anteil von Jugendlichen mit Zuwanderungshintergrund. Er liege bei den Befragten mittlerweile bei 39 Prozent. In Berlin seien es sogar mehr als 45 Prozent, sagte die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz und Berliner Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU). Frühe Sprachförderung sei deshalb essentiell.

Herkunft spielt in Deutschland noch immer eine große Rolle

Noch immer gibt es in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern einen besonders starken Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft einerseits und Bildungserfolg andererseits, beklagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesbildungsministerium Jens Brandenburg (FDP). Dies müsse dringend geändert werden. Es brauche eine "Trendwende im Bildungssystem". Er verwies auf das "Start-Chancen-Programm" mit dem rund 4.000 Schulen mit dem höchsten Anteil an benachteiligten Schülern von kommendem Schuljahr an besonders gefördert werden sollen.