Studierende sollen bald mit einem vergünstigten Deutschlandticket den gesamten öffentlichen Nahverkehr nutzen können. Darauf haben sich Bund und Länder geeinigt. Für Auszubildende gilt das Angebot nicht. Doch immerhin: Auch für sie gibt es Möglichkeiten für eine günstigere Mobilität.

29,40 Euro soll das Deutschlandticket künftig für Studierende in Deutschland kosten. Darauf haben sich Bund und Länder geeinigt. Rund drei Millionen Studenten sollen damit dann den gesamten öffentlichen Nahverkehr in Deutschland nutzen können. Das Semesterticket könne zum Sommersemester 2024 starten, sofern die Allgemeinen Studierendenausschüsse mit den Verkehrsunternehmen jetzt zügig die notwendigen Verträge schlössen, sagte der nordrhein-westfälische Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) und Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz der Länder.
Deutschlandticket im Solidarmodell – was bedeutet das?
Bund und Länder haben vereinbart, dass das Deutschlandticket für Studierende stets um 40 Prozent rabattiert wird. Der Preis von 29,40 Euro entspricht damit 60 Prozent des Regelpreises, der beim Deutschlandticket aktuell bei 49 Euro liegt. Steigt dieser Preis, würde auch der Preis des vergünstigten Tickets für Studierende steigen. Bezogen wird das Ticket über ein sogenanntes Solidarmodell. Das heißt: Entscheidet sich eine Hochschule für die Einführung des Deutschlandtickets als Semesterticket, müssen alle Studentinnen und Studenten der Hochschule dafür bezahlen, unabhängig davon, ob sie das Ticket nutzen oder nicht.
Ein bundesweites Deutschlandticket für Azubis gibt es nicht – dafür aber andere Alternativen
Solch ein Solidarmodell für Auszubildende gibt es nicht. Auch der Beschluss von Bund und Ländern gilt nur für Studierende und bezieht Auszubildende nicht ein. Für diese Gruppe gibt es damit kein bundesweites Angebot eines vergünstigten Deutschlandtickets. Immerhin aber haben zwei Bundesländer ein eigenes reduziertes Deutschlandticket für Azubis eingeführt: In Mecklenburg-Vorpommern gibt es ein Ticket für Azubis bereits seit Mai. Bayern hat im September ein vergünstigtes Deutschlandticket für Auszubildende und Studierende eingeführt. In beiden Bundesländern kosten die Tickets 29 Euro.
Und es gibt noch eine andere Alternative, auf die der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) verweist: Bereits jetzt könnten Auszubildende – aber auch andere Beschäftigte – über ihren Ausbildungsbetrieb ein vergünstigtes Jobticket erhalten. Durch einen lohn- und sozialversicherungsfreien Fahrgeldzuschuss von mindestens 25 Prozent bzw. 12,25 Euro pro Monat durch den Betrieb können auch Auszubildende das Deutschlandticket für maximal 34,30 Euro beziehen, so der ZDH.
Handwerk setzt sich für Azubi-Ticket ein
Der ZDH hat angekündigt, sich zeitnah an Bundesverkehrsminister Volker Wissing zu wenden, damit bei künftigen Verhandlungen zur vergünstigten Abgabe des Deutschlandtickets nicht nur Studierende, sondern auch Auszubildende in den Blick genommen werden.
Auch Andreas Brzezinski, Sprecher des Geschäftsführerkollegiums beim Sächsischen Handwerkstag, kommentierte den Beschluss von Bund und Ländern und verwies dabei auf die Lehrlinge: "Auch für Auszubildende im Handwerk muss Mobilität bezahlbar sein! Nur dann werden wir über die duale Ausbildung langfristig die erhebliche Fachkräftelücke in der gewerblichen Wirtschaft schließen können", sagte er.
Verbände wie der ökologische Verkehrsclub Deutschland setzen sich ebenfalls für ein Azubi-Deutschlandticket ein: "Die Einigung macht es für Studierende künftig einfacher, bundesweit nachhaltig unterwegs zu sein, und das zu einem erschwinglichen Preis. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung", kommentierte der Verband. Jetzt müssten aber weitere Angebote folgen. "Ein Jugendticket, ein Ticket für Azubis und Freiwilligendienst-Leistende und natürlich ein Sozialticket – alle bundesweit gültig und für maximal 29 Euro im Jahr", forderte der Verkehrsclub. ew/mit Inhalten der dpa